Die Antwort auf eine Kindheitsfrage

Vor vielen, vielen Jahren hatte der Kittelträger einmal an die „Sendung mit der Maus“ geschrieben. Er wollte nämlich wissen, warum Wäsche eingeht, wenn man sie zu heiß wäscht? Eben heute bekam ich die Antwort auf diese Frage: in einer sehr praxisbezogenen Biochemie-Vorlesung über die Sekundärstruktur von Proteinen.

Wolle als Hauptbestandteil von Wollpullovern zum Beispiel ist nichts anderes als Haare von Schafen. Haare (und damit auch die Wolle) sind überwiegend aus Alpha-Keratin aufgebaut. Wie der Name schon sagt ist dieses Alpha-Keratin in Form einer so genannten Alpha-Helix aufgebaut. Diese Helix wird durch Wasserstoffbrückenbindungen in Form gehalten. Im industriellen Fertigungsprozess wird die Wolle heiß gewaschen, wodurch die Wasserstoffbrückenbindungen aufgebrochen werden und die Struktur der Helix in die Länge gezogen wird. Beim Abkühlen bilden sich neue Wasserstoffbrückenbindungen aus, die die Helix wiederum in Form halten, nur jetzt eben in die Länge gezogen.

Nun wird aus unglücklichsten Umständen zuhause der schöne Wollpullover dreckig, zum Beispiel weil ein überarbeiteter Medizinstudent seinen Kaffee darüber geleert hat. Also ab in die Wäsche damit. Wird der Pullover jetzt zu heiß gewaschen, werden die Wasserstoffbrückenbindungen wieder aufgebrochen, die Helices des Keratin verkürzen sich auf die ursprüngliche Länge (also auf die Länge vor der Verarbeitung). Ist der Pullover fertig gewaschen bilden sich wieder Wasserstoffbrückenbindungen aus, die die Alpha-Helix in ihrer Ursprungsstrukur halten. Die Folge: der arme Medizinstudent holt einen fertig gewaschenen und sauberen Pullover aus der Wäsche, der ihm allerdings wohl eher in dem Alter, in dem er noch an die „Sendung mit der Maus“ schrieb, gepasst hätte. Das führt dann dazu, dass der Student sich einen neuen Pullover kaufen muss, womit ein eindeutiger Zusammenhang zwischen den biochemischen Eigenschaften von Keratin und der Dicke des Geldbeutels eines Studenten gezogen werden kann. 😉

Seide (Fibroin) ist hingegen als so genanntes Beta-Faltblatt angeordnet. Dieses lässt sich nicht mehr weiter in die Länge ziehen, weswegen Seide auch nicht eingeht, wenn man sie zu heiß wäscht.

„Again what learned“ … Wieder was gelernt.

Ein Gedanke zu „Die Antwort auf eine Kindheitsfrage

  1. Wenn dieser Prozess offensichtlich reversibel ist, müsste man das Einlaufen doch eigentlich auch rückgängig machen können. Man müsste das Gewebe so heiß machen, dass die Wasserstoffbrückenbindungen aufgehen, das Ding dann auf die gewünschte Größe strecken (ideal wäre hier eine Aufblaspuppe, die im aufgeblasenen Zustand genau die Maße des Pulloverträgers hat), in gestrecktem Zustand abkühlen, und voilà, passt das gute Stück wieder. Bei Verwendung der Aufblaspuppe könnte man neuen (und natürlich eingelaufenen) Kleidungsstücken auch gleich eine perfekte Passform verpassen.

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