Billig betrunken

In Anatomie lernt der fleißige Medizinstudent aber nicht nur die Grausamkeiten des Lebens (und Sterbens) sondern auch äußerst Wichtiges um eine schönes und vor allem beschwingtes Leben zu führen:

Anmerkung: Eigentliches Thema waren die unterschiedlichen Kreisläufe des Körpers (Lungenkreislauf, Körperkreislauf und hepatischer Kreislauf)

Frage des Anatomie-Profs: Wie kann ich jetzt möglichst billig richtig betrunken werden?

Antworten:

  • „Einfach noch mehr trinken.“ => Stimmt, aber dann ist es nicht gerade billig.
  • „Etwas anderes zu sich nehmen, damit die Leber beschäftigt ist und nicht merkt, dass man außerdem noch Alkohol zu sich nimmt.“ => Hä?
  • „Alkohol i.v. spritzen.“ => Möglich, aber nicht zu empfehlen.
  • „Tampons mit Alkohol tränken und rectal einführen.“ => Richtig. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren Zäpfchen („Popo-Raketen“)
  • „Alkohol zerstäuben und auf die Schleimhäute spritzen oder einfach lang gurgeln.“ => Richtig. Der Alkohol wird dann über die Schleimhäute in das Blut aufgenommen und nicht zuvor noch von der Leber „entgiftet“.
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Die Praxis des Erhängens

Schon wieder Anatomie, und schon wieder das Thema Tod. Manch einer denkt jetzt vielleicht: „Medizinstudenten befassen sich im Studium ausschließlich mit den verschiedenen Arten des Sterbens“. Dem ist natürlich nicht so, schließlich sollen wir die Anatomie, Physiologie und die Erkrankungen des menschlichen Körpers kennen lernen und vor allem wie man diese heilen kann. ABER es ist nun mal so, dass das Leben eine sexuell übertragbare Krankheit ist, die in 100 % der Fälle tödlich endet.

Aber von vorne: Thema der Anatomie-Vorlesung waren die Charakteristika der verschiedenen Wirbel. Die beiden ersten Halswirbel zum Beispiel, sind besonders charakteristisch und deshalb sehr leicht zu erkennen. Der erste Halswirbel („Atlas“) hat keinen Wirbelkörper (Corpus vertebrae), während der zweite Halswirbel („Axis“) einen nach oben zeigenden Dorn oder Zahn aufweist, der als Dens axis bezeichnet wird. Der Dens axis ragt von unten in den Atlas, wird dort von einem Querband fixiert und bildet somit ein Zapfengelenk. Dieses so genannte Atlanto-axial-Gelenk (unteres Kopfgelenk) ermöglicht die Rotation des Kopfes.

Eine Gewalteinwirkung auf das Genick kann dazu führen, dass der Dens axis abbrechen. Im ungünstigen Fall bohrt sich der Dens axis dann in das im Wirbelkanal verlaufende Rückenmark – der Betroffene stirbt.

Und genau diesen Mechanismus macht man sich bei einer Art der Hinrichtung zu Nutze, die im Laufe der letzten Jahrhunderte etwas an Popularität verloren hat: der Tod durch den Strang – das Erhängen. Eine „gut“ geknotete Schlinge führt dazu, dass beim Sturz des Erhängten nach unten der Dens axis bricht und der Erhängte sofort stirbt. Hat der Henkersknoten diesen Effekt nicht, erstickt die betroffene Person kläglich.

Da diese Fraktur des Dens axis „Ziel“ des Erhängens ist, wird die Fraktur – die Medizin ist eine sarkastische Fachrichtung – auch heute noch als „Hangman’s fracture“ bezeichnet.

Denkt daran, wenn euch das nächste mal langweilig ist und ihr Hangman spielt.

Vom Sterben und Erstarren

Ein ganz schön martialischer Titel für einen Blog-Eintrag, ich weiß. Aber doch passend. Heute nämlich Thema in der Anatomie-Vorlesung: histologischer Aufbau der quergestreiften Muskulatur, Aufbau von Myofilamenten, oder kurz: warum können Muskeln kontrahieren? Und wo liegt da jetzt der Zusammenhang?

Der Otto-Normal-Medizinstudent hat – vorausgesetzt er ist nicht rettungsdienstlich vorgeschädigt –  im 3. Semester das erste Mal mit toten Menschen zu tun. Genauer gesagt im so genannten „Kursus der makroskopischen Anatomie“, dem berühmt berüchtigten „Präparier-Kurs“, der Ursache vieler schlafloser Nächte. In diesem Kurs soll der zukünftige Arzt die makroskopische Anatomie des Menschen durch Präparieren eines so genannten „Körperspenders“, sprich einer in Formalin eingelegten Leiche, kennen lernen. Körperspender und „frische“ Leichen unterscheidet jedoch eines deutlich (abgesehen vom Geruch): die Totenstarre, die bei Körperspendern schon längst nicht mehr zu beobachten ist. Und warum das so ist, lernte der Kittelträger heute in besagter Anatomie-Vorlesung.

Um die Ausbildung der Totenstarre zu verstehen, sollte man zunächst wissen, wie ein Muskel mikroskopisch aufgebaut ist: Die kleinste Organisationseinheit eines Skelettmuskels ist das so genannte Myofilament. Ganz grob beschrieben bestehen diese Myofilamente hauptsächlich aus zwei Proteinen: dem Aktin und dem Myosin.

Myofilament

Wie auf der Abbildung zu erkennen ist, greift das Golfschläger-förmige Myosin in das spiralförmige Aktin. Die Paddel-artigen Enden des Myosin heften dabei an dem benachbarten Aktinfilament an. Durch Bereitstellung von ATP (dem Energieträger der Zelle) kann diese Anheftung gelöst werden, das Myosin führt einen „Paddelschlag“ aus, das Myosinfilament greift weiter in das Aktin hinein, das Myofilament und in letzter Konsequenz der Muskel kontrahiert.

Wie bereits erwähnt ist für die Kontraktion des Myofilaments ATP nötig. Da aber bei einem Toten sämtliche Prozesse – auch die Phoysphorylierung von ADP zur Regeneration von ATP – im Körper früher oder später zum erliegen kommen, können sich Aktin und Myosin nicht mehr voneinander trennen, der Muskel versteift in seiner momentanen Position, die Totenstarre tritt ein. Die nächste Frage wäre jetzt: Und wie löst sich die Totenstarre wieder?

Nach und nach setzt ein Prozess ein, der als Myolyse bezeichnet wird. Dabei werden die Proteine Aktin und Myosin zerstört, sämtliche Muskelkontraktion löst sich und die Muskulatur erschlafft. Nach 6 – 7 Stunden hat sich die Totenstarre wieder gelöst. Die Leiche hat nun ungefähr die gleiche Körperspannung wie ein Körperspender im Präp-Kurs.

Leer

Einen Vorteil hat die Chemie-Vorlesung doch: Der Hörsaal ist so leer, dass man sich einfach mal über 3 – 4 Sitze hinlegen kann. Aber mal ehrlich: Schon traurig, wenn in einem Hörsaal für rund 370 Studenten vielleicht 20 sitzen, obwohl der Jahrgang den Hörsaal eigentlich komplett füllt. Sagt glaube ich einiges über die Qualität der Vorlesung aus. Vielleicht sollte ich mir die Frage stellen: Was mache ich eigentlich noch hier?