Alle Jahre wieder

Hinter mir liegen fünf Tage, in denen ein Highlight auf das andere folgte. Letzten Samstag war der Kittelträger mit seiner Gartenzwergthea im örtlichen Erlebnisbad, dem Wonnemar beim Candle-Light-Abend: vier Stunden lang im Schein von Kerzen und Fackeln, Cocktails schlürfend im Wasser treiben lassen, abschalten, rutschen und jede Menge Spaß haben. Der Abend läutete das nächste, noch viel größere Highlight ein, das größte vorweihnachtliche Geschenk: am 22. Dezember jährte sich es, dass wir beiden ein Paar wurden. Wenn ich zurückdenke an das vergangene Jahr: unglaublich, was wir in diesen 365 Tagen gemeinsam erlebt haben. Und morgen geht es ähnlich weiter: Skifahren am Fellhorn (ich hoffe mal, ich muss den nächsten Artikel nicht irgendwo aus einer chirurgischen Notaufnahme schreiben 😉 ) dann Silvester und am 4. Januar Nachtrodeln mit den Kollegen vom DRK Ortsverein in Ofterschwang.

Wenn das nächste Jahr so weiter geht wie 2013 aufhört wird es ein schönes Jahr. Und genau das wünsche ich euch auch. Genießt frohe Tage zwischen den Jahren und kommt gut ins neue Jahr 2014. Ich werde mich wieder melden. Bis dahin grüßt euch,

euer Kittelträger

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Krampfen (lassen) bis der Arzt kommt? – ein Plädoyer

Es geistern derzeit die Geschichten zweier fristlos gekündigter Rettungsassistenten im Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim durch alle Medien. An dieser Stelle möchte ich hierzu meine eigene Meinung kundtun – ein Plädoyer für die Notkompetenz des Rettungsassistenten. 

Aber zunächst zum Fall an sich: Die beiden Einsätze, um die derzeit so vehement gestritten wird, liegen inzwischen schon fast ein halbes Jahr zurück; beide fanden im Juni diesen Jahres im Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim (Mittelfranken) statt, nur ein paar Tage nacheinander. In beiden Fällen wurden die RTW-Teams zu einem Status epilepticus gerufen, einem lang andauernden, lebensbedrohlichen Krampfanfall. Ebenfalls in beiden Fällen war bereits ein Notarzt hinzualarmiert worden, dessen Ankunft am Einsatzort sich aufgrund der ländlichen Strukturen hinzog. Aus diesen Gegebenheiten heraus entschieden sich die beiden Rettungsassistenten den epileptischen Anfall durch medikamentöse Therapie zu durchbrechen. Mit Erfolg: die Krampfanfälle ebten ab, der Zustand der Patienten stabilisierte sich. Im August jedoch folgte für beide Rettungsassistenten die fristlose Kündigung durch den BRK Kreisverband. Der Grund: ein Notarzt hatte sich beschwert, die Rettungsassistenten hätten ihre Kompetenzen bei weitem überschritten und ärztliche Maßnahmen durchgeführt, die ihnen daher nicht zuständen. Der Kreisverband gab dem Notarzt recht und entließ die beiden Mitarbeiter. Auch der BRK Landesverband unterstützte die Kündigung mit der Begründung, die Rettungsassistenten hätten sich an „Richtlinien und Vorgaben“ nicht gehalten. Medikamente dürften Rettungsassistenten nur verabreichen, „wenn schwere Schäden drohen“.

Was der Landesverband hier anspricht, zielt auf die so genannte „Notkompetenz“ ab, von der der Rettungsassistent Gebrauch machen kann (bzw. genauer: sogar muss), wenn ein offensichtlich lebensbedrohlicher Zustand vorliegt, dem auf andere Art und Weise nicht Abhilfe geleistet werden kann, ein Arzt nicht ausreichend schnell vor Ort sein kann und unter der Voraussetzung, dass der Rettungsassistent die Maßnahme beherrscht und alle Gefahren, die dadurch auftreten können, kennt. In diesem Fall darf der Rettungsassistent seine eigentlichen Befugnisse überschreiten und auch Maßnahmen durchführen, die dem Arzt vorbehalten wären, und zwar so lange bis der Arzt eintrifft.  Dazu gehören auch invasive Maßnahmen und unter bestimmten Voraussetzungen die Gabe von Medikamenten.

Nach Ansicht des BRK Landesverbands lag demnach ein solches Ereignis, dass die Inanspruchnahme der Notkompetenz rechtfertigen würde, nicht vor; laut Definition des Landesverbands ist also ein nicht therapierter Status epilepticus kein lebensbedrohlicher Notfall.

Der häufig kurz als Status bezeichnete Krampfanfall führt zu einer massiven Störung des zentralen Nervensystems, was insbesondere die Steuerung der Atmung und des Kreislaufs betrifft. Der Betroffene hat während des Status‘ praktisch einen Atemstillstand. Die Letalität beträgt immerhin 10 %, d.h. im durchschnitt verstirbt jeder zehnte Patient, der einen Status epilepticus erleidet, an dessen Folgen. Andere Quellen sprechen sogar von einer Letalität von 20 – 50 %.

Aber auch moralisch ist die Entscheidung des BRK Kreis- und Landesverbands alles außer leicht nachvollziehbar. Versetzt man sich in die Lage eines Angehörigen, so muss man sich folgendes vor Augen führen: die Person wählt den Notruf, weil sie einen engen Freund oder nahen Verwandten in eine lebensbedrohlichen Lage vorfindet, in der außerdem eine eigene Hilfeleistung nahezu unmöglich ist. Er vertraut also darauf, dass dem Freund oder Verwandten durch den Rettungsdienst geholfen wird. Wenn nun das RTW-Team eintrifft, aber weiter nichts tut als ein Basismonitoring (EKG etc.) durchzuführen und ihm eine Sauerstoffmaske aufzusetzen, ist es absolut verständlich wenn hier der Eindruck aufkommt, der Rettungsdienst könne oder wolle dem Angehörigen wohl auch nicht helfen.

Die Folge: völlig unbeteiligte Rettungsdienstarbeiter (auch aus anderen Kreiverbänden), die nur ihre Arbeit tun und versuchen zu helfen, werden von Passanten aufgrund dieser Vorfälle angesprochen und angepöbelt, Rettungsassistenten führen bei Patienten Maßnahmen nicht mehr durch und vermerken auf den Einsatzprotokollen „wegen Angst vor Kündigung nicht durchgeführt“.

Inzwischen regt sich auch unter bayerischen Neurologen Kritik am Vorgehen des BRK: die Rettungsassistenten hätten sowohl medizinisch als auch moralisch richtig gehandelt. In einem solchen Fall komme es vor allem auf eine schnelle Behandlung des Patienten an, oder – noch deutlicher: „Ärzte, die einen Rettungsassistenten wegen der medikamentösen Behandlung eines schweren Anfalls kritisieren haben Fortbildungsbedarf.“

Es ist also scheinbar keine medizinische, sondern eine rein politische und längst überfällige Entscheidung, die Notkompetenz des Rettungsassistenten endlich klar zu definieren. Solang eine solche klare und verbindliche Aussage ausbleibt, wird sich das Rettungsdienstpersonal auch weiterhin in der Klemme befinden: der Wunsch, helfen zu können auf der einen Seite, die Angst vor weitreichenden rechtlichen Konsequenzen auf der anderen. Vielleicht wird 2014 ja dann die Chance genutzt, hier mit Einführung des so genannten „Notfallsanitäters“ endlich einen neuen status quo zu definieren, im Interesse der Rettungsdienstmitarbeiter aber ganz klar auch im Interesse der Patienten.

Räumung

Aussage des Chemiedozenten beim Anblick des mit nur noch 20 Studenten gefüllten Hörsaal,von denen zwei aufstehen und gehen:

Jetzt habe ich die auch noch vertrieben. Vielleicht sollte ich meine Vorlesung mal der Polizei geben – wenn die mal wieder eine Demo räumen wollen.

Ein wahrer Realist. 🙂