Der Kittelträger lernt …

Noch eine Woche Vorlesungen, danach noch drei Wochen Blockpraktikum Biologie/Humangenetik/Medizintechnik. Heißt das Semester geht stark dem Ende entgegen und damit beginnen auch die stressigsten vier Wochen des laufenden halben Jahres. Insgesamt stehen jetzt noch sechs Klausuren an, von denen ich mich heute auf vier vorbereiten muss. Auf dem Plan stehen für heute:

  • Physik für Mediziner: Akustik und Ultraschall, Röntgen und Radioaktivität
  • Chemie für Mediziner: Naturstoffe (Zucker und Aminosäuren)
  • Anatomie A: Obere Extremität (Scapula, Clavicula mit allen charakteristischen Strukturen, Art. sternoclavicularis, Art. acromioclavicularis mit allen dazugehörigen Bändern, Humerus, Radius, Ulna mit allen charakteristischen Strukturen, Art. humeri, cubiti und radioulnaris distalis mit allen dazugehörigen Bändern, Membrana interossea, alle Knochen der Hand mit Lagebeziehungen, gelenkige Verbindungen, Aufbau und Bewegungsmöglichkeiten der Hand- und Fingergelenke)
  • Integriertes Seminar „Schmerz lass nach!“: Psychobiologie des Schmerzes, das äthiologische Schmerzmodell, akuter vs. chronischer Schmerz

Ich kann mich also nicht beschweren, dass ich nichts zu tun hätte … deshalb: los geht’s!

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Update – Eigentlich wollten sie ja „nur“ helfen

Vor etwas mehr als einem Monat hatte ich an dieser Stelle unter dem Titel „Krampfen (lassen) bis der Arzt kommt – ein Plädoyer“ meine ganz persönliche Meinung zur Debatte um die beiden im fränkischen Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim gekündigten Rettungsassistenten des BRK veröffentlicht.

Vor wenigen Tagen las ich dann, dass die Staatsanwaltschaft Nürnberg gegen die beiden Rettungsassistenten nun auch noch strafrechtlich ermittle. Was in den sozialen Netzwerken und Communities folgte, war der zu erwartende Aufschrei – Empörung pur … gegen die Staatsanwaltschaft. Natürlich verstehe ich es auch nicht, warum nun gegen die beiden (ehemaligen) BRK-Mitarbeiter auch noch ermittelt wird – hätte ich sonst vor gut einem Monat  den Artikel geschrieben, in dem ich klar für die Notkompetenz plädiere?

Jedoch finde ich die Herangehensweise, der Staatsanwaltschaft vorzuwerfen, dass sie nun ermittelt, falsch. Grundsätzlich ist diese dazu verpflichtet, Ermittlungen einzuleiten, wenn eine Strafanzeige bei ihr eingeht. Diese Ermittlungen müssen dann ergeben, ob ein Verfahren eröffnet wird, oder der Fall wegen Geringfügigkeit oder aus sonstigen Gründen fallen gelassen wird. Hier ist der Staatsanwaltschaft also meiner Meinung nach wegen ihre Vorgehens nichts vorzuwerfen.

Etwas anderes ist für mich der springende Punkt: Warum überhaupt die Strafanzeige? Wem – um alles in der Welt – genügt die riesige öffentliche Debatte um das Handeln der Rettungsassistenten, das für die beiden Mitarbeiter sicherlich kräftezehrende arbeitsrechtliche Verfahren und die (inzwischen zurückgenommenen) Kündigungen nicht. Wer hat ein Interesse daran, die beiden Rettungsassistenten nun auch noch als Angeklagte in einem strafrechtlichen Verfahren zu sehen. Ein Arzt möglicherweise, der durch die Gabe von Medikamenten in Ausnahmesituationen durch nicht-ärztliches Rettungsdienstpersonal seine Berufsehre angegriffen fühlt? Ich weiß es nicht und will es wahrscheinlich auch gar nicht wissen.

Aber die Gegenfrage sei bitte erlaubt: Was wäre denn passiert, wenn die beiden RAs nicht gehandelt hätten, sondern nach Schema F auf den Notarzt gewartet hätten? Nicht sicher, aber vielleicht wäre einer der beiden Patienten an seinem Status epilepticus gestorben; mit absoluter Sicherheit wären die gesundheitlichen Folgen für die Patienten noch verheerender gewesen. Und ebenso sicher ist, dass in diesem Fall Rufe aufgekommen wären, warum die beiden Rettungsassistenten denn nichts unternommen hätten um den Patienten zu helfen. Nicht lange hätte es gedauert, bis der Vorwurf der „unterlassenen Hilfeleistung“ im Raum gestanden hätte, wobei sich die Rettungsassistenten auf Grund ihrer so genannten Garantenstellung dann sogar wegen „Körperverletzung durch Unterlassen“ verantworten hätten müssen, was nach dem Strafgesetzbuch deutlich härter bestraft wird.

Eine Anmerkung noch: den Patienten konnte geholfen werden, dem Ruf des Roten Kreuzes (nicht nur in Franken) haben die Debatte und die jetzt folgende Strafanzeige mit Sicherheit geschadet. Ich hoffe, dass als Ergebnis der Ermittlungen festgestellt wird, dass die beiden Rettungsassistenten auch vor strafrechtlichem Hintergrund richtig gehandelt haben und wünsche den Kollegen viel Kraft.

Blind

Zunächst einmal: nachträglich noch ein frohes neues Jahr 2014. Ich hoffe ihr seid gut und ohne größere Blessuren hineingerutscht (was man von mir selber nicht ganz behaupten kann: geprellter Daumen im Z.n. Tiefschnee beim Skifahren – aber das ist eine andere Geschichte 😉 )

Jetzt aber zum eigentlichen Thema: Habt ihr schon einmal die Erfahrung gemacht, blind zu sein? Und mit blind meine ich nicht für 10 Minuten eine Schwimmbrille à la „Wetten, dass … “ aufzuziehen, sondern über Stunden die eigene Hand vor Augen nicht zu sehen. Dieses Gefühl der absoluten Dunkelheit durfte ich am vergangen Samstag empfinden – und ich muss zugeben, meine Hochachtung vor den Menschen, die so durch ihr Leben gehen, ist dabei noch um ein Vielfaches gestiegen.

Zum Einjährigen hatte die Gartenzwergthea ihrem Kerlchen ein „Dinner in the dark“ geschenkt. Schon mal etwas davon gehört? Die Idee dabei ist – wie der Name schon sagt – ein 4-Gänge-Menu möglichst vollständig 😉 zu sich zu nehmen, und das in absoluter Finsternis. Dazu kehrten wir im Schloss Knöringen bei Burgau ein und wurden nach einem Aperitiv (noch sehend) zu unseren Plätzen geführt; in einer Polonaise hinter den mit Nachtsichtgeräten ausgestatteten Kellnern her. Im Speisesaal selbst war es so dunkel, dass sich auch nach drei Stunden die Augen nicht an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Man sah nichts, gar nichts … alles nur schwarz.

Am Tisch angekommen: erst einmal Orientieren: auf 12 Uhr der „Gruß aus der Küche“, die Tischkante ertasten, links und rechts neben dem 1. Gang das Besteck, ein unglaublich hilfreiches Raster um sich auf dem Tisch wenigstens einigermaßen zurechtfinden zu können, auf 1 Uhr ein Weinglas (voll) und ein Wasserglas (leer), auf 11 Uhr die Wasserflasche dazu (voll und verschlossen). Nächste Aufgabe: Wasser einschenken. Also die Fingerspitze des linken Zeigefingers in das Glas hängen und solange Wasser einfüllen bis die Fingerspitze feucht wird … geschafft.

2. Gang: Suppe, unfallfrei. 3. Gang: Fleisch (eindeutig zu schmecken), dazu irgendwas aus Gries (im Nachhinein: es waren Polentatörtchen) und ein „ominöses Glibberzeug“ (gekochter Chicoree). Danach noch Dessert und dann erhellten langsam Kerzen den Raum. Ein seltsames Gefühl: zum ersten Mal an diesem Abend sah man den Raum, indem man zuvor drei Stunden lang gegessen hatte, sah man die Menschen, die neben einem saßen und mit denen man sich die ganze Zeit über unterhalten hatte.

Was bleibt ist ein Erlebnis, dass ich auf keinen Fall missen möchte und das ich jedem nur weiterempfehlen kann, auch wenn das Gefühl am Anfang sehr befremdlich ist.

Es war ein toller Abend. Danke dafür, Schatz.