Update – Eigentlich wollten sie ja „nur“ helfen

Vor etwas mehr als einem Monat hatte ich an dieser Stelle unter dem Titel „Krampfen (lassen) bis der Arzt kommt – ein Plädoyer“ meine ganz persönliche Meinung zur Debatte um die beiden im fränkischen Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim gekündigten Rettungsassistenten des BRK veröffentlicht.

Vor wenigen Tagen las ich dann, dass die Staatsanwaltschaft Nürnberg gegen die beiden Rettungsassistenten nun auch noch strafrechtlich ermittle. Was in den sozialen Netzwerken und Communities folgte, war der zu erwartende Aufschrei – Empörung pur … gegen die Staatsanwaltschaft. Natürlich verstehe ich es auch nicht, warum nun gegen die beiden (ehemaligen) BRK-Mitarbeiter auch noch ermittelt wird – hätte ich sonst vor gut einem Monat  den Artikel geschrieben, in dem ich klar für die Notkompetenz plädiere?

Jedoch finde ich die Herangehensweise, der Staatsanwaltschaft vorzuwerfen, dass sie nun ermittelt, falsch. Grundsätzlich ist diese dazu verpflichtet, Ermittlungen einzuleiten, wenn eine Strafanzeige bei ihr eingeht. Diese Ermittlungen müssen dann ergeben, ob ein Verfahren eröffnet wird, oder der Fall wegen Geringfügigkeit oder aus sonstigen Gründen fallen gelassen wird. Hier ist der Staatsanwaltschaft also meiner Meinung nach wegen ihre Vorgehens nichts vorzuwerfen.

Etwas anderes ist für mich der springende Punkt: Warum überhaupt die Strafanzeige? Wem – um alles in der Welt – genügt die riesige öffentliche Debatte um das Handeln der Rettungsassistenten, das für die beiden Mitarbeiter sicherlich kräftezehrende arbeitsrechtliche Verfahren und die (inzwischen zurückgenommenen) Kündigungen nicht. Wer hat ein Interesse daran, die beiden Rettungsassistenten nun auch noch als Angeklagte in einem strafrechtlichen Verfahren zu sehen. Ein Arzt möglicherweise, der durch die Gabe von Medikamenten in Ausnahmesituationen durch nicht-ärztliches Rettungsdienstpersonal seine Berufsehre angegriffen fühlt? Ich weiß es nicht und will es wahrscheinlich auch gar nicht wissen.

Aber die Gegenfrage sei bitte erlaubt: Was wäre denn passiert, wenn die beiden RAs nicht gehandelt hätten, sondern nach Schema F auf den Notarzt gewartet hätten? Nicht sicher, aber vielleicht wäre einer der beiden Patienten an seinem Status epilepticus gestorben; mit absoluter Sicherheit wären die gesundheitlichen Folgen für die Patienten noch verheerender gewesen. Und ebenso sicher ist, dass in diesem Fall Rufe aufgekommen wären, warum die beiden Rettungsassistenten denn nichts unternommen hätten um den Patienten zu helfen. Nicht lange hätte es gedauert, bis der Vorwurf der „unterlassenen Hilfeleistung“ im Raum gestanden hätte, wobei sich die Rettungsassistenten auf Grund ihrer so genannten Garantenstellung dann sogar wegen „Körperverletzung durch Unterlassen“ verantworten hätten müssen, was nach dem Strafgesetzbuch deutlich härter bestraft wird.

Eine Anmerkung noch: den Patienten konnte geholfen werden, dem Ruf des Roten Kreuzes (nicht nur in Franken) haben die Debatte und die jetzt folgende Strafanzeige mit Sicherheit geschadet. Ich hoffe, dass als Ergebnis der Ermittlungen festgestellt wird, dass die beiden Rettungsassistenten auch vor strafrechtlichem Hintergrund richtig gehandelt haben und wünsche den Kollegen viel Kraft.

2 Gedanken zu „Update – Eigentlich wollten sie ja „nur“ helfen

  1. Diese unselige Geschichte könnte noch weitere unangenehme Folgen haben. Wenn Rettungsassistenten nämlich damit rechnen müssen, disziplinarisch und strafrechtlich belangt zu werden, egal ob sie in einem konkreten Fall formal ihre Kompetenzen überschreiten (dabei fachlich aber wissen, was sie tun und dem Patienten damit helfen) oder ob sie sich streng an die Vorschriften halten (und dabei vermeidbare Gesundheitsschäden beim Patienten in Kauf nehmen), wird das sicher abschreckend auf Leute wirken, die an diesem Beruf interessiert sind. Von dem sicher nicht gerade üppigen Verdienst eine Berufshaftpflicht- und Rechtsschutzversicherung zu bezahlen dürfte in den meisten Fällen kaum machbar sein.

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