Retter brauchen Platz

… und den bekommen sie leider zu oft nicht. Vor einigen Tagen war in einer Pressemitteilung des örtlichen Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West zu lesen, dass es auf der A 8 zu einem Unfall gekommen war. Mehr als 20 Minuten versuchten sich die anrückenden Einsatzkräfte einen Weg durch den kilometerlangen Stau zu bahnen … ohne Erfolg. Erst als Einsatzkräfte teilweise mit einem Polizeihubschrauber über den Stau hinweg zur Einsatzstelle geflogen wurden und der linke Fahrstreifen der gegenüberliegenden Fahrspur gesperrt wurde, um eine Anfahrt der Rettungskräfte zu ermöglichen, konnte den beiden Verletzten geholfen werden.

Nun kam in diesem Fall erschwerend hinzu, dass sich der Unfall im Baustellenbereich ereignet hatte, durch den der Verkehr auf zwei verengten Fahrstreifen hindurchgelenkt wird. Dennoch macht dieses Ereignis wieder einmal klar, von welcher Bedeutung das frühzeitige Bilden einer Rettungsgasse ist.

Jedem Verkehrsteilnehmer sollte inzwischen klar sein, dass einem Einsatzfahrzeug, das Blaulicht und Signalhorn eingeschaltet hat, sofort freie Bahn zu schaffen ist. So besagt es der § 38 der Straßenverkehrsordnung. Einer deutlich geringeren Popularität aber erfreut sich leider der Absatz 2 des § 11. Dieser besagt nämlich, dass, wenn sich der Verkehr auf Autobahnen und „Außerortsstraßen“ staut, Fahrzeuge eine freie Gasse für die Durchfahrt von „Polizei- und Hilfsfahrzeugen“ zu bilden haben, und zwar

1. nicht erst, wenn das Einsatzfahrzeug schon trötend und blinkend im Innenspiegel zu sehen ist, sondern bereits wenn sich der Verkehr beginnt zu stauen,

2. bei zweispurigen Straßen in der Mitte zwischen beiden Fahrstreifen und

3. bei dreispurigen Straßen zwischen dem linken und dem mittleren Fahrstreifen.

Soweit die Gesetzeslage. Es ist also keine Kulanz den Rettungskräften gegenüber, im Stau „irgendwie“ Platz zu machen, sondern es ist eine Ordnungswidrigkeit, es nicht zu tun.

Wie sieht nun aber leider die Realität aus: Fährt der gemeine Rettungswagen auf ein Stauende zu, lassen sich die unterschiedlichsten und zum Teil haarsträubenden Fahrmanöver beobachten. Autofahrer schalten die Warnblinkanlage ein und bleiben wie vom Schlag getroffen an Ort und Stelle stehen, sie versuchen wie wild den linken Fahrstreifen freizumachen und kreuzen dabei die eigentlich freizuhaltende Rettungsgasse, besonders eigennützige Verkehrsteilnehmer freuen sich, dass ihnen Platz gemacht wird und drängeln sich selbst in der Rettungsgasse nach vorne durch.

Und ist das Rettungsfahrzeug erst einmal vorbeigefahren, wird das mühsam gebildete „Rettungsgässchen“ sogleich wieder geschlossen. Dem ersten Einsatzfahrzeug werden aber mit Sicherheit noch einige weitere folgen und das Spiel beginnt von neuem. Ein einfaches Beispiel: angenommen auf der Autobahn hat sich ein Verkehrsunfall ereignet, zwei Fahrzeuge sind darin verwickelt, eine Person ist eingeklemmt. Dann werden sich innerhalb von einigen Minuten vermutlich mindestens zwei Rettungswagen, ein Notarzteinsatzfahrzeug, ein Rüstzug der Feuerwehr (bestehend je nach Alarm- und Ausrückeordnung aus drei bis vier Fahrzeugen) und mindestens ein Streifenwagen ihren Weg durch den Stau bahnen müssen. Für jedes dieser Fahrzeuge die Rettungsgasse immer wieder neu zu bilden ist hanebüchen.

Autofahrer sollten deshalb Folgendes beachten:

  • sobald sich der Verkehr beginnt zu stauen: Rettungsgasse bilden
  • dabei genügend Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeug halten
  • wenn das erste Einsatzfahrzeug vorbei ist: die Rettungsgasse nicht wieder schließen, sondern weiterhin Platz lassen

Auf Facebook wurde vor einer Woche das so genannte „Projekt Rettungsgasse“ von einem Mitarbeiter der örtlichen BRK-Gliederung ins Leben gerufen. Innerhalb von sieben Tagen hat dieses Projekt bereits über 18.000 „Gefällt mir“-Angaben bekommen, ein Projekt, dass Verkehrsteilnehmer über die Bedeutung der Rettungsgasse informieren und für das richtige Bilden der freien Fahrspur sensibilisieren will. Meiner Meinung nach eine tolle Idee. Schaut es euch an und verbreitet die Idee weiter. Zum Facebook-Profil des „Projekt Rettungsgasse“ gelangt ihr HIER.

Liebe Grüße,

euer Kittelträger

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4 Gedanken zu „Retter brauchen Platz

  1. Ich habe zu dem Thema mal bei MDR Jump gefragt, ob man es nicht einfach bei jeder Stauschau sagen könnte. Antwort war: „Wir sind nicht für die Verkehrserziehung unserer erwachsenen Hörer zuständig und außerdem überhört man es irgendwann, wenn es jedes Mal gesagt wird. Wir sagen ja durch, wenn die Rettungskräfte nicht durchkommen!“. Wohlbemerkt kommen nach jeder Stauschau die aktuellen Blitzer samt Bitte, doch die folgende Nummer anzurufen, wenn man noch einen Blitzer gesehen hat. Ich war leicht fassungslos…

  2. Pingback: Die Rettungsgasse | Feuerwehr Osthelden

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