Eine Reise ins Innere

Bisher kannte der Kittelträger das Innere des Darms nur aus Animationen und Bildern und die Endoskopie nur aus Erzählungen von anderen. Gestern aber durfte ich das Procedere, wie solche Bilder entstehen, am eigenen Leib erfahren. Nebenbei: Warum ich mich einer Rekto- und Koloskopie (im Volksmund: Darmspiegelung) unterziehen musste ist an dieser Stelle nebensächlich, ich kann aber Entwarnung geben: keine Sorge, ich bin gesund. 😉

Nun begann also die Qual am Montagnachmittag, nach einer ohnehin stressigen und etwas chaotischen Frühschicht auf der Stroke Unit, mit dem – im Nachhinein betrachtet – unangenehmsten Teil der Untersuchung. Vor Beginn der Endoskopie muss der Patient ein Medikament zu sich nehmen, das z.B. auf den harmlosen Namen Endofalk Classic hört. Ein Abführmittel mit „durchschlagender“ Wirkung, und das ganze in rauen Mengen: je nach Literatur sollen 2 – 3 oder sogar 3 – 4 Liter davon  den Darm vollständig durchspülen und reinigen … und glaubt mir: sie tuen dies auch.

Am nächsten Morgen dann um 8 Uhr: Termin in der Endoskopie der Uniklinik. Vor Beginn der Untersuchung stand erst einmal Umziehen an. Ich bekam eine modisch mit einem Kartoffelsack zu vergleichende, blaue Einweghose mit einem auffälligen Schlitz am Hinterteil in die Hand gedrückt. Danach: auf der Liege, angeschlossen an Blutdruckmanschette und Pulsoxymeter, mit „Ja“ auf die Frage geantwortet, ob ich denn während der Untersuchung gerne schlafen möchte. Dann schnell eine Viggo in die rechte Ellenbeuge gelegt (bei meinen Venen KANN man sich nicht verstechen) und dann betrat auch schon der endoskopierende Oberarzt den Raum. Er fragte mich, ob ich noch Fragen zur Untersuchung hätte, was ich verneinte. Dann riet er mir an etwas schönes zum Träumen zu denken und schon schaltete mir die Mischung aus Dormicum und Propofol die Lichter aus. Das letzte, an das ich mich erinnern kann, ist dass meine Augenlider schwer wurden und ich ein seltsames Knistern um mich herum hörte. Dann wurde es dunkel.

Als ich wieder aufwachte, war rund eine Stunde vergangen (scheinbar hatte mich der Oberarzt ganz schön abgeschossen). Die Untersuchung war vorbei, ich befand mich im Aufwachraum und hatte von allem kein Bisschen mitbekommen. Nach einer Tasse Tee und vier Keksen bekam ich meinen Befund in die Hand gedrückt, auf dem ich irgendwo im Text auf die Worte „unauffälliger Befund“ stieß. Mit den Blättern in der Hand begab ich mich dann auf noch etwas wackeligen Beinen zur Inneren Ambulanz, wo mir der Chefarzt dann eröffnete, was ich davor sowieso schon vermutet hatte, nämlich dass der Befund völlig unauffällig sei und ich mir keine Sorgen zu machen bräuchte; nicht aber, ohne mir danach noch zum gefühlten 378. Mal zu sagen, dass ich heute nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen dürfe.

Mein Fazit des gestrigen Tages: zum einen natürlich erleichtert über das Untersuchungsergebnis, zum anderen sehr zufrieden mit der Arbeit der Ärzte (und der Wirkung von Dormicum und Propofol 😉 ). So unangenehm ist eine Darmspiegelung eigentlich gar nicht, wenn man sie verschläft, wenn bloß die Vorarbeit vom Vorabend nicht wäre.

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