Histo – der Tragödie erster Teil

Vergangenen Dienstag stand die erste Histo-Klausur an – morgens um 7:00. Inhalt dieser Zwischenprüfung ist traditionell der erste Teil der Histo-Vorlesung und des dazugehörigen Kurses der mikroskopischen Anatomie: die allgemeine Histologie, also die Zell- und Gewebelehre der vier Grundgewebe: Epithel-, Binde- und Stützgewebe, Muskelgewebe und Nervengewebe. Trotz wirklich ausreichender Prüfungsvorbereitung zuhause am Schreibtisch stellte ich während der Beantwortung der 20 Multiple-Choice-Fragen fest, dass ich wahrscheinlich gar nicht so viel hätte lernen müssen. Der Prof. hat nämlich eine Vorliebe dafür, seine Fragen absichtlich so zu stellen, dass – selbst wenn man wirklich gut auf das Thema vorbereitet ist – die Fragen und die Antworten so verklausuliert formuliert sind, dass im Endeffekt das Glück darüber entscheidet ob man den Gedankengang des Profs. erkennt und ob man Klausur besteht … Diese Klausur hat kein Wissen abgefragt, es sollte sich nicht herausstellen, ob man die Materie verstanden hatte oder nicht, sondern ob man jedes noch so kleine Molekül, das irgendwo auf einer einzelnen Vorlesungsfolie versteckt aufgetaucht war, auch wirklich auswendig gelernt hatte. Ich hatte mir während meiner Klausurvorbereitung eine Liste zusammengeschrieben, nur mit den wichtigsten Proteinen, die während des ersten Monats Histo-Vorlesung vorgekommen waren: drei DIN A4 Seiten, Arial, Größe 11, von alpha-Actinin bis ZO-Proteine. Nun ist der Prof. dafür bekannt, dass seine Klausuren nicht gut ausfallen – es gab da anscheinend die letzten Jahre auch schon heftige Auseinandersetzungen zwischen dem Prof. und dem Studiendekan (heißt es im Flurfunk) – aber das Ergebnis der Klausur, das gestern ausgehängt wurde war wirklich desolat: bei maximal 20 Punkten reihenweise 8 Punkte, 6 Punkte, wieder 8 Punkte, 5 Punkte, 3 Punkte. Als ich meine Ergebnis in der langen Liste gefunden hatte fiel mir ehrlich gesagt ein Stein vom Herzen: 13 Punkte, 65 %. Zwar nicht gerade mit Ruhm bekleckert, aber alles aber 60 % liegt überhalb der Bestehensgrenze. Zwar werden die Punkte aus den noch folgenden zwei Klausuren zu der jetzigen dazuaddiert, wobei zum Bestehen dann 60 % der dann insgesamt 60 Punkte, also 36 Punkte, nötig sind. Aber dennoch, wer jetzt schon mit teilweise 3 Punkten eingestiegen ist, tut sich halt wirklich schwer in den noch übrigen zwei Klausuren nochmals zusammen 33 Punkte zu bekommen, zumal die Klausuren nun wirklich nicht leichter werden. Schon deprimierend wenn man bedenkt, dass an manchen Unis Histo mehr oder weniger Nebenfach ist und teilweise durch bloße Anwesenheit bestanden werden kann. Ich werde die Ideologie hinter solchen Klausuren nicht verstehen, zumal doch eigentlich als Anforderungsniveau die Vorgaben des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen – also der Einrichtung die den Gegenstandskatalog (vergleichbar mit einem Lehrplan) für das Medizinstudium und die Fragen in den Staatsexamen erstellt – angesetzt werden soll … und wenn die Physikums-Altfragen im Vergleich zu den Klausuren „zu einfach“ sind … naja …

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Die Zelle der Woche – Teil 2: Keratinozyt

Es ist wieder Sonntag, das heißt die Reihe „Die Zelle der Woche“ geht weiter. Heute mit Teil 2: einer Vorstellung der Keratinozyten.

Keratinozyten sind der in der menschlichen Epidermis (Oberhaut) – einem mehrschichtig, verhorntem Oberflächenepithel – hauptsächlich (zu ca. 90 %) vorkommende Zelltyp. Die Keratinozyten produzieren die Hornsubstanz Keratin und machen während diesem Prozess der Keratinisierung eine stetige Form- und Ausrichtungsänderung durch.

Histologischer Schnitt durch die Epidermis mit Stratum basale (gelber Pfeil), Stratum spinosum (grüner Pfeil), Stratum granulosum (blauer Pfeil) und Stratum corneum (roter Pfeil) - Bildquelle: missinglink.ucsf.edu

Histologischer Schnitt durch die Epidermis mit Stratum basale (gelber Pfeil), Stratum spinosum (grüner Pfeil), Stratum granulosum (blauer Pfeil) und Stratum corneum (roter Pfeil) – Bildquelle: missinglink.ucsf.edu

Keratinozyten entstehen in der tiefsten Schicht der Epidermis, dem so genannten Stratum basale – oder auch „Basalzellschicht“ genannt. In dieser einschichtigen Zelllage entstehen durch Zellteilung als Nachschub neue Basalzellen. Während die eine Tochterzelle im Stratum basale an der Basallamina verbleibt und sich weiter teilt, beginnt die zweite Tochterzelle mit der Wanderung in höher gelegene Schichten der Epidermis.

An das Stratum basale schließt sich unmittelbar das als „Stachelzellschicht“ bezeichnete Stratum spinosum an. Hier beginnt die schrittweise Keratinisierung (Verhornung) der Zellen, indem sich Keratinfilamente zu so genannten Tonofibrillen zusammenlagern.

Mit der weiteren Wanderung nach außen (zur Hautoberfläche) erreicht die Zelle nun das Stratum granulosum, auch „Körnerzellschicht“ genannt, in dem der Abbau der Zellen beginnt. Aus den Tonofibrillen und den Proteinen Fillagrin und Trichohyalin bildet sich die Keratinohyalingranula, die mehr und mehr das Zellinnere des Keratinozyts dominiert.

An der oberen Grenze des Stratum granulosum erfolgt ein abrupter Übergang zur äußersten Schicht der Epidermis, dem Stratum corneum. Die in dieser Zellschicht vorkommenden, inzwischen abgestorbenen und vollständig keratinisierten (verhornten) Zellen werden als Korneozyten (Hornzellen) bezeichnet. Zusammen mit Fetten zwischen den Zellen bildet das Stratum corneum eine wasserabweisende, robuste Hornschicht.

An der Oberfläche des Stratum corneum lösen sich die Korneozyten voneinander und fallen rund einen Monat nach ihrer Entstehen im Stratum basale von der Epidermis ab. Unter physiologischen Verhältnissen geschieht diese Ablösung für das menschlichte Auge nicht sichtbar. Ist die Abschilferung jedoch gestört, lösen sich die Hornzellen in größeren Verbänden von der Epidermis ab. Zusammenlagerungen von mehr als 500 Zellen sind mit bloßem Auge sichtbar (Hautschuppen).

– Fortsetzung folgt

Stöckchen

Gestern hatte Kiki (Endlich Medizin!) ein Stöckchen gepostet. Gerne nehme ich mir dieses Stöckchen und beantworte brav die 11 Fragen:

1. Was ist deine Lieblingsjahreszeit?
Eine gibt’s nicht. Es sind zwei: Sommer (ich bin eine Sommerkind) und Winter (Skifahren) … Alles was dazwischen liegt ist nichts halbes und nichts ganzes … Regen, Schneeregen, Matsch, Nebel.

2. Wie viele Lampen sind durchschnittlich in einem Zimmer bei dir?
Zwei bis drei. Eine bis zwei an der Decke und eine auf dem Nachtkästchen.

3. Was war / ist dein Lieblingsschulfach / Uni-Vorlesung?
Schulfach ist ne gute Frage. Zum abregen war immer Sport am besten. Am interessantesten … hm … vermutlich Physik. (Ich weiß, klingt verrückt) Was die Uni angeht: momentan Physiologie, aber im Lauf der nächsten fünf Jahre kommt da ja noch sooooooo viel.

4. Hast du Geschwister? Wenn ja, wie viele?
Endlich mal eine Frage, die ich klar und eindeutig beantworten kann: eine leibliche, große Schwester und zwei kleine Stiefbrüder (Ok, der eine ist gar nicht kleiner, aber trotzdem jünger 😉 )

5. Wie findest du Teppich in einer Klinik?
Gibt’s sowas überhaupt? Teppich in einer Klinik? Geht mal gar nicht. Wird viel zu schnell dreckig und ist total unhygienisch.

6. Magst du lieber Kommoden oder Kleiderschränke?
Kleiderschränke. Passt mehr und vor allem größeres rein.

7. Tee oder Kaffee?
Milch. 😉

8. Bist du jetzt frustriert, dass keine einzige Anatomie-Frage dran kam?
Nein überhaupt nicht. Anatomie heißt bei mir zurzeit eh mikroskopische Anatomie – sprich Histologie – und das ist ja unter Studenten nicht gerade das beliebteste Fach.

Upps, das waren ja nur acht.

So, jetzt schau ich mal, ob ich 11 Fragen zusammen bekomme:

1. Was war die riskanteste Unternehmung, die du bis jetzt in deinem Leben gemacht hast?
2. Was ist das beeindruckenste Buch, das du jemals gelesen hast?
3. Warst du dieses Jahr schon einmal im Krankenhaus?
4. Wovon wolltest du schon immer mal jemanden überzeugen?
5. Was ist das schönste Geschenk, das du jemals bekommen hast?
6. Kurz- oder weitsichtig?
7. Was würdest du unglaublich gern einmal machen?
8. Hat dich in letzter Zeit einmal jemand oder etwas richtig wütend gemacht?
9. Fisch, Fleisch oder vegetarisch?
10. Frühaufsteher oder Nachtschwärmer?
11. Deine Pläne für den Rest des Jahres?

Jeder, der möchte kann sich das Stöckchen nehmen und die Fragen entweder mit einem Post auf seinem eigenen Blog (mit Verlinkung auf meinen Blog natürlich *kräftigmitdemZaunpfahlwink“) oder als Kommentar zu diesem Post beantworten. Viel Spaß!

 

Die Zelle der Woche – Teil 1: Becherzelle

Hier wie versprochen der erste Teil der im letzten Artikel angekündigten Reihe „Die Zelle der Woche“:

Dieses Wochenende möchte ich euch zu Beginn eine relativ „einfache“ Zelle vorstellen, leichte Histo-Kost quasi, um genau zu sein die einfachste existierende, intraepitheliale exokrine Drüse: die Becherzelle.

Becherzelle (Pfeil) im histologischen Querschnitt - Quelle: Wikipedia

Becherzelle (Pfeil) – Bildquelle: Wikipedia

Becherzellen finden sich beim Menschen im Darmepithel, respiratorischen Epithel und in der Nasenschleimhaut. Sie sind im Querschnitt becher- (daher der Name) oder Sektglas-förmige Epithelzellen und liegen im Gewebe zwischen normalen Epithelzellen eingebettet. Im Gegensatz zu anderen Drüsen, die aus vielen verschiedenen Abschnitten bestehen, besteht dieser Drüsentyp nur aus einer einzigen Zelle.

Am basalen Zellpol der Becherzelle liegt der häufig dreieckige Zellkern, apikal bzw. luminal sammeln sich sekretorische Vesikel, die neutrale bzw. leicht saure Schleimstoffe (Muzine) aus großmolekularen Glykoproteinen enthalten und die die Zelle selbst synthetisiert. Die Vesikel fusionieren bei der Sekretion mit der apikalen Zellmembran was zur Freisetzung des enthaltenen Sekrets führt (Exozytose). Aufgabe der so sezernierten Muzine ist es, einen zusammenhängenden Schleimfilm zu bilden, der das darunter liegende Epithel wie eine Schutzschicht bedeckt.

Von klinischer Bedeutung sind die Becherzellen unter anderem bei der „Zystische Fibrose“ (besser bekannt unter dem Namen „Mukoviszidose“. Bei dieser nicht-heilbaren, autosomal-rezessiv vererbten Krankheit führt eine Deletion in einem Gen auf Chromosom 7, das für einen Chlorid-Transport kodiert, dass im Sekret aller exokrinen Drüsen (also auch in dem der Becherzellen) keine osmotisch wirksamen Chlorid-Ionen mehr vorhanden sind. Eine Eindickung des Sekrets ist die Folge – das Sekret wird viskös und kann nicht mehr ungehindert aus dem Drüsenlumen abfließen. Die Drüsen „verschleimen“. Besonders stark von dieser Verschleimung betroffen sind die exokrinen Drüsen der Atemwege und des Darmepithels, was zu einer chronischen Bronchitis – also einer dauerhaften Entzündung der Bronchien – und zu einer ungenügenden Aufnahme von wichtigen Substraten aus dem Speisebrei (z.B. Vitamine) führt. Langfristig auftretende Schädigungen sind ein Pneumothorax, Leberzirrhose, eine Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse), Diabetes mellitus, Arthritis, Osteoporose und Fertilitätsstörungen. Eine ursächliche Therapie der Zystischen Fibrose ist nicht möglich, bei einer konsequenten symptombezogenen Behandlung gilt eine Lebenserwartung von 40 Jahren als durchaus wahrscheinlich.

– Fortsetzung folgt

 

Neuigkeiten: Die Zelle der Woche

An meiner Universität sind die anatomischen Lehrveranstaltungen der Vorklinik – sprich der ersten vier Semester – auf drei Semester aufgeteilt und werden von zwei unterschiedlichen – und auch bei den Studenten sehr unterschiedlich beliebten – Instituten organisiert. Im ersten Semester betreut das Institut für Anatomie und Zellbiologie die Vorlesung Anatomie A und das Seminar Anatomie mit klinischen Bezügen. Hier soll den Medizin-Neulingen zunächst ein – doch relativ detaillierter – Überblick über den Körper gegeben werden: beginnend bei der Embryologie, also der Entwicklungbiologie der befruchteten Eizelle, über den Stütz- und Bewegungsapparat mit der dazugehörigen Muskulatur, das Herz-Kreislauf-System, das Verdauungssystem, die Urogenitalorgane, das hormonelle und schließlich das Nervensystem.

Im zweiten Semester wechselt das anatomische Institut: von nun an beansprucht das Institut für mikroskopische und zelluläre Anatomie insgesamt vier Vorlesungsstunden Anatomie B und weitere vier Stunden Histologiekurs im Mikroskopiersaal pro Woche. Die Histologie – also die Zell- und Gewebelehre – beschäftigt sich auf den im ersten Semester gelegten Grundlagen aufbauend mit dem mikroskopischen Aufbau von Geweben und den Zellen aus denen diese bestehen. Um auch euch an diesem allseits „beliebten“ Fach zumindest ein wenig teilhaben zu lassen, möchte ich euch von nun an bis zum Ende des Semesters im Juli jede Woche einen bestimmten Zelltyp vorstellen, entweder einen besonders spannenden, interessanten, seltenen oder nervtötenden (im übertragenen Sinn natürlich – man muss ja aufpassen, mit welchen bildhaften Ausdrücken man in der Anatomie so um sich schmeißt). Los gehen tut’s am kommenden Wochenenden und von da ab wird dann jedes Wochenende eine neue „Zelle der Woche“ folgen.

Ich hoffe mal, die Histologie wird euch genau so packen, wie sie es mit uns allwöchentlich im Mikroskopier- und im Hörsaal tut,

euer Kittelträger

 

P.S.: Übrigens: wem bis jetzt beim Lesen aufgefallen ist, dass ich die dritte anatomische Lehrveranstaltung bisher noch nicht angesprochen habe: das wird dann im dritten Semester der sagenumwogene Kursus der makroskopischen Anatomie – oder kurz: Präp-Kurs – mit der begleitenden Vorlesung Anatomie C sein, wiederum vom Institut für Anatomie und Zellbiologie organisiert. Aber dazu wird im kommenden Semester dann noch Einiges folgen. Für’s Erste deshalb: Histologie. 😉

Katastrophe voraus – oder: wie manage ich einen Chaos-Tag?

Ich sitze hier in der anatomischen Lehrsammlung meiner Uni. In einer Viertelstunde beginnen die heutigen Vorlesungen. Eine halbe Stunde Biochemie-Lernen habe ich schon hinter mich gebracht; morgen steht die erste Klausur des Semesters an. Die noch verbleibende Zeit nutze ich um meinen Tagesablauf zu ordnen:

8:00 – 9:00: Vorlesung Anatomie B

9:00 – 11:00: Kurs mikroskopische Anatomie

11:00 – 12:00: Vorlesung Medizinische Psychologie

12:00 – 13:00: Vorlesung Psychologie I

13:00 – 14:00: Vorlesung Anatomie B

14:00 – 16:00: Ich darf vom einen Uni-Campus zum anderen fahren, um für das heutige Anamnese-Wahlfach am Abend in der Urologie einen Patienten zu organisieren, der sich bereit erklärt, sich von uns Studenten ausfragen zu lassen. Danach: sofort wieder zurück zum Campus, auf dem ich schon den Vormittag verbracht habe.

16:00 – 17:30: Seminar Molekulare Histologie (DeepInCyte … ja, so heißt das Ding)

17:30 – 18:00: Ich fahre wieder zum anderen Uni-Campus, auf dem ich heute Mittag hoffentlich einen netten Patienten gefunden haben werde.

18:00 – 20:00: Wahlfach Anamneseerhebung

20:00 – 20:45: Feierabend. Ab nach hause.

20:45 – 22:00: Noch einmal ein Stück Biochemie lernen. Und dann ab ins Bett, um morgen früh um 7:00 Uhr im Hörsaal zu sitzen, dann beginnt nämlich die Biochemie-Klausur.

Ach ja: Und wo baue ich die Pausen zum Essen ein? …

So, ab in den Hörsaal. Los geht’s.