Geschafft

Das zweite Semester ist vorbei. Heute früh um 10 Uhr stand die letzte Klausur an: Psycho/Sozio. Im Übrigen für die Verhältnisse meiner Uni eine sehr humane Prüfungszeit für uns Mediziner. Normalerweise schreiben wir unsere Klausuren morgens um 7:00 Uhr oder abends ab 18:00 Uhr. Von daher: heute Morgen also gut ausgeschlafen, aufgestanden, gefrühstückt (nicht gerade viel), fertig gemacht und dann ab an die Uni … 30 Kreuzchen gemacht und fertig. Dann dem Studiendekanat noch einem Besuch abgestattet, um dort das Praktikumsheft mit den Laufzetteln für die „Einführung in die klinische Medizin“ abzugeben und dann … grooooooooooooße Erleichterung. Und wenn ich dann in ca. zwei Tagen auch noch erfahre, dass ich auch die Psycho-Klausur bestanden habe, dann kann ich mit diesem Semester wirklich abschließen.

Was ich über dieses Semester aber noch loswerden möchte: Manchmal habe ich mich schon ein bisschen zurück ins erste Semester gewünscht (Physik, Anatomie A usw. hach, war das entspannt). Das zweite Semester ist schon deutlich stressiger als das erste, stressiger als erwartet. Das liegt vor allem an Histo. Ich werde auch weiterhin nicht verstehen, warum ein Fach, dass im Vergleich zu anderen im Physikum so einen geringen Umfang hat, von unserem Prof. so aufgeblasen wird. Histo gilt an meiner Uni als das große Sieb der Vorklinik; ist dieses Fach geschafft liegen die Chancen, dass man es zum Physikum schafft ziemlich gut. Auf dem Flurfunk witzeln die höheren Semester, dass die eigentliche Institution, die über die Zulassung zum Physikum entscheidet, nicht das Landesprüfungsamt ist, sondern der Histo-Prof. Aber es ist ja nunmal alles gut gegangen, sodass im Oktober ohne Histo-Wiederholungsklausur das 3. Semester mit dem Präp-Kurs folgt.

Bis es soweit ist stehen aber jetzt in den nächsten 2,5 Monaten viele Dinge an, die mit der Uni nichts zu tun haben. Da ich schon in den letzten Semesterferien mein Krankenpflegepraktikum abschließen konnte, bleiben mir die kommenden Wochen um mich anderen Sachen zu widmen. Bis Donnerstag ist jetzt erst einmal Entspannung angesagt. Ab Freitag arbeite ich dann wieder einen Monat auf der Rettungswache (da wird es mit Sicherheit auch wieder einiges zu berichten geben), worauf dann endlich das Highlight der ganzen Semesterferien folgt: zwei Wochen Urlaub mit Thea in London, Berlin und Hamburg. Was ich mit dem dann immer noch bleibenden Monat bis zum Semesterbeginn anfange weiß ich jetzt noch nicht.

Ich werde mich aber jedenfalls wieder melden.

Es grüßt euch,

euer tiefenentspannter Kittelträger

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Histo bestanden!

Was ist mir heute für ein Stein vom Herzen gefallen, als die Ergebnisse der letzten beiden Histo-Klausuren bekannt gegeben wurden. Mein Gefühl bei der praktischen Prüfung hatte mich nicht getäuscht: die war wirklich sehr gut verlaufen. Mein Bauch hatte mir bei der schriftlichen Abschlussprüfung gesagt, dass diese Klausur allerdings nicht ganz so toll war, aber auch da hat es über die magischen 60 % gereicht. Sodass ich dann heute in der Ergebnisliste lesen konnte, dass ich den Kursus der mikroskopischen Anatomie, den großen Histo-Brocken, BESTANDEN habe! Erleichterung pur. 🙂

Jetzt ist es noch eine Woche bis Semesterende, gut gefüllt mit Psychologie-Blockkurs und Pathobiochemie-Seminar, dann am nächsten Montag noch die letzte Klausur (Psycho/Sozio) und dann war’s das.

Umfrage

Medizinstudenten, ingenieurwissenschaftliche bzw. technische Studenten und Krankenpflege-Azubis aufgepasst: Ich könnte eure Hilfe brauchen! Für den Blockkurs „Medizinische Psychologie und Soziologie“ haben wir eine Umfrage über den Einsatz von Robotern in der Pflege ausgearbeitet. Wer Lust hat und zu den gerade genannten Personengruppen gehört ist herzlich eingeladen an der Studie teilzunehmen, dauert auch nicht lange … in 2 – 3 Minuten sollten die Fragen alle beantwortet sein.

Hier der Link zur Umfrage:
Können Roboter Menschen in der Pflege kranker und älterer Menschen ersetzen?

Danke schon einmal für die Hilfe. 😉

Die große Histo-Überraschung

Und wieder ein großer Schritt in Richtung Semesterende geschafft: Die praktisch-mikroskopische Histo-Prüfung. Und ich muss ehrlich zugeben: sie lief überraschend gut. Aufgabe dieser Prüfung ist es, zwei histologische Präparate am Mikroskop richtig zu diagnostizieren und gegen andere, ähnliche Präparate differentialdiagnostisch abzugrenzen (also nach dem Motto: Weil man die Merkmale XY sieht, ist es dieses Präparat. Das andere Präparat kann es nicht sein, weil man dann die Merkmale ABC sehen müsste …). Die eine Präparatdiagnose muss schriftlich begründet, die andere durch Zeichnungen gestellt werden. Ich bin mir eigentlich sicher, dass ich beide Präparate inkl. der histologischen Färbung richtig erkannt habe: einmal die Tonsilla pharyngea (Rachenmandel) und der Hoden. Ich bin zugegebenermaßen ziemlich happy, dass es so gut gelaufen ist. Dann kann das Wochenende ja kommen.

Die Zelle der Woche – Teil 8: Eizelle

Gestern um 11:00 Uhr war es so weit: der letzten Kurstag des Kursus‘ der mikroskopischen Anatomie war geschafft. Thema: Weibliche Geschlechtsorgane, oder wie es Kolibrikind HIER treffend ausdrückt: Mumu (allerdings ging es bei ihr im Anatomie-Testat wohl eher um die makroskopische Anatomie). 😉

Deswegen soll es heute im achten und definitiv letzten Teil der „Zelle der Woche“ auch um eine Zelle gehen, die wir gestern besprochen haben: die Eizelle.

Zu Beginn erst einmal die Frage: Was wären wir denn alle, wenn es diesen Zelltyp nicht gäbe? Einfache Antwort: Spermien, die auf ewig dazu verdammt wären, wie wild nach einer anderen Zelle mit nur 23 Chromosomen zu suchen. Ohne Eizelle, kein Leben. Bis dahin, Stoff aus Sexualkunde, Gymnasium, Mittelstufe. Sollte eigentlich jedem bekannt sein.

Im menschlichen Embryo finden sich zunächst undifferenzierte Urkeimzellen, die im Dottersack entstehen, in die s.g. Genitalleiste einwandern und sich dort mitotisch – also durch einfache Zellteilung – vermehren. Aus der Genitalleiste entwickelt sich dann die undifferenzierte Gonadenanlage, bei Männlein und Weiblein bis hierhin alles identisch. Erst jetzt entscheidet sich (aufgrund des Vorhandenseins oder eben Nicht-Vorhandenseins eines Y-Chromosoms) ob sich aus der Gonadenanlage die Hoden oder die Ovarien entwickeln. Ist kein Y-Chromosom vorhanden, fehlt auch das s.g. SRY-Gen, das die Produktion eines Proteins namens TDF (testis determining factor) bewirken würde, was wieder dazu führen würde dass sich Leydig-Zellen differenzieren und Testosteron produzieren würden, was dann bewirkt, dass aus der Gonadenanlage der Hoden wird.

Die Frau hat aber nun mal kein Y-Chromosom, weswegen dieser gesamte Signalweg wegfällt und sich aus der Gonadenanlage die Ovarien entwickeln. In den Ovarien kommt es nun zu einer DNA-Verdopplung in den Oogonien (Vorstufe der reifen Eizellen) und zum Beginn der 1. Reifeteilung der Meiose. Die so entstandene primäre Oozyte wird in der Ovarien-Rinde von Follikelepithel umgeben. Der Verbund von Oozyte und Follikelepithel wird dann als Primordialfollikel bezeichnet. Während der embryonalen Entwicklung werden mehrere Millionen solcher Primordialfollikel gebildet. Während der Fetalentwicklung gehen jedoch laufend Follikel unter, sodass sich die Anzahl bis zur Geburt auf ca. 400.000 bis 500.000 reduziert. Bis zur Pubertät bleiben die Primordialfollikel in diesem Ruhezustand (Diktyodän) und entwickeln sich nicht weiter, nur der fortschreitende Untergang von Follikeln ruht nicht, sodass bis zur Pubertät noch rund 50.000 Eizellen als Primordialfollikel vorhanden sind. Ab Beginn der Pubertät produziert die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) das s.g. Follikel-stimulierende Hormon (FSH), was dazu führt dass sich die Follikel nun weiter differenzieren.

Aus einem Vorrat von Primordialfollikeln entwickeln sich Primärfollikel, dann Sekundärfollikel und schließlich – wie könnte es auch anders sein – Tertiärfollikel. In diesen Tertiärfollikeln ist die Eizelle von der s.g. Zona pellucida und einem Hügel von Granulosazellen (dem früheren Follikelepithel) – dem Cumulus oophoricus umgeben. Die Granulosazellen bilden außerdem eine liquorgefüllte Hülle (Antrum) um die Eizelle, um die herum sich aus dem umgebenden Bindegewebe des Ovars die Theka-Zellen ansiedeln. Insgesamt erreicht ein solches Tertiärfollikel eine stolze Größe von immerhin 2 – 5 mm.

Lichtmikroskopische Aufnahme eines Tertiärfollikels (Eizelle im Cumulus oophoricus, umgeben vom Antrum folliculare) - Bildquelle:  anatomie.net

Lichtmikroskopische Aufnahme eines Tertiärfollikels (Eizelle im Cumulus oophoricus, umgeben vom Antrum folliculare) – Bildquelle: anatomie.net

Unter FSH-Einfluss wächst das Tertiärfollikel weiter zum sprungreifen Graaf’schen Follikel, aus dem nach einem sprunghaften Anstieg des LH-Spiegels (dem LH-Peak) die Eizelle beim Eisprung mit der umgebenden Zona pellucida und einem Teil des Cumulus oophoricus – der Corona radiata – in den Bauchraum freigesetzt wird; die 2. Reifeteilung der Meiose beginnt. Vom Bauchraum aus wird die Eizelle vom Fibrientrichter der Tuba uterina (Eileiter) aufgenommen, im Optimalfall von einem Spermium befruchtet (hier kommt dann endlich der Mann ins Spiel) und was dann kommt dauert ziemlich genau neun Monate und würde den Rahmen dieses Blog-Artikels sprengen. 😉

Wer das ganze aber gern (kindgerecht) in 25 Minuten zusammengefasst sehen möchte, dem empfehle ich Teil 2 aus der inzwischen 28 Jahre alten, deutsch-französischen Serie „Es war einmal das Leben“ (=> Link zur Folge auf Youtube). So einfach und vor allem unterhaltsam kann Embryologie sein. 😉

Land in Sicht

Heute morgen zwischen 7:00 Uhr und 7:45 Uhr 30 Kreuzchen gemacht – und schon war Physio geschafft. Eigentlich bin ich ganz zufrieden damit, wie es gelaufen ist. Einige Fragen waren wirklich einfach und eindeutig, ein paar waren aber auch echt kniffelig gestellt. Vermutlich in zwei Tagen weiß ich, ob ich genug Kreuzchen an der richtigen Stelle gemacht habe. Um 19:00 Uhr ist heute noch einmal Anamnese-Wahlfach und dann sind die nächsten 2 1/2 Tage frei, sodass ich mich gezielt auf Histo konzentrieren kann. Da steht am Freitag die praktische Prüfung an, kommenden Montag die schriftliche … und genau dazwischen liegt mein Geburtstag (Samstag) und das WM-Finale (bekanntlich am Sonntag) – welch ein Timing. Danach noch zwei Wochen Psychologie-Blockpraktikum mit Abschlussklausur und Pathobiochemie-Seminar und dann war’s das für dieses Semester.

Für heute Nachmittag habe ich mir aber erst einmal Entspannung verschrieben. Histo kommt morgen wieder intensiv genug.

Die Zelle der Woche – Teil 7: Hepatozyt

Wenn ich auf den Kalender schaue, der, während ich auf dem Sofa sitze und Fußball glotze, rund vier Meter neben mit hängt, fällt mir auf, wie schnell die Zeit doch wieder vergangen ist. Ein Blick in den Zeitplan für das Semester, der ganz hinten im immerhin stolze 130 Seiten starken Arbeitsbuch des Histo-Kurses abgedruckt ist, bestätigt das Gefühl, dass sich schon seit ein paar Tagen im Hörsaal breit macht: das Semester geht schon wieder stark dem Ende entgegen. Heute stand die vorletzte Physiologie-Vorlesung auf dem Stundenplan, am Freitag die letzte Histo-Vorlesung, nächsten Montag der letzte Histo-Kurstag. Deshalb ist die heutige Zelle der Woche auch die vorletzte. Heute, im Teil 7, geht es um den Hepatozyten.

Dieser Zelltyp trägt mal wieder das Organs, in dem er sich befindet, in seinem Namen. (Euch wird aufgefallen sein, dass Zellen relativ häufig nach dem Organ benannt werden, in dem man sie findet, oder natürlich nach dem schlauen Menschen, der sie entdeckt hat). Hepar, griechisch für Leber! Also, liebe Hobby-Alkoholiker, aufgepasst: es geht um das größte Entgiftungsorgan des Menschen, das laut Dr. med. Eckart von Hirschhausen ja bekanntlich mit seinen Aufgaben wächst.

Histologischer Schnitt durch ein Zentralvenenläppchen (1: Zentralvene, 2: Leberzellbälkchen, 3: Lebersinusoid) - Bildquelle: anatomie.net

Histologischer Schnitt durch ein Zentralvenenläppchen (1: Zentralvene, 2: Leberzellbälkchen, 3: Lebersinusoid) – Bildquelle: anatomie.net

Funktionelle Organisationseinheit der makroskopisch in vier Lappen gegliederten Leber ist das 1 – 2 mm große, s.g. Zentralvenenläppchen. Im Zentrum dieser polygonalen Läppchen befindet sich die Zentralvene (daher der Name). Das Läppchen selbst besteht zum einen Teil aus den Leberzellbälkchen, Verbänden von Hepatozyten, die von blutgefüllten Gefäßen (den s.g. Lebersinusoiden) begrenzen werden. Zwischen den Zentralvenenläppchen befinden sich die bindegewebigen Portalfelder mit der Glisson’schen Trias: einer Vene, einer Arterie und einem Gallengang. Von den Portalfeldern aus fließt das Blut aus dem venösen und dem arteriellen Gefäß der Trias gemischt durch die Lebersinusoide in Richtung Zentralvene. Dabei fließt es am basolateralen Blutpol der Hepatozyten vorbei. Dabei wird das vorbeifließende Blut von den Hepatozyten über verschiedenste Umwandlungsreaktionen (wie dem Harnstoffzyklus) entgiftet, bevor es dann über die Zentralvenen und die Venae hepaticae in die untere Hohlvene und von dort aus wieder in Richtung Rechtsherz fließt.

Gleichzeitig synthetisieren die Hepatozyten die Gallensäure. Diese geben sie am apikalen Galle-Pol über kleinste Gallengänge (Canaliculi biliferi), die sie selbst mit benachbarten Hepatozyten bilden, ab. Die Gallensäure fließt dann entgegen der Flussrichtung des Blutes in die Läppchenperipherie zu den Portalfeldern, wo sich die Gallenflüssigkeit in den Gallengang der Glisson’schen Trias (Ductus interlobularis biliferus). Diese Gallengänge münden dann in den Ductus hepaticus dexter et sinister, die sich zum Ductus hepaticus communis vereinigen. Über diesen verlässt die Gallenflüssigkeit die Leber durch die Leberpforte, fließt weiter im Ductus choledochus und wird über die Papilla duodeni major in das Duodenum – den Zwölffingerdarm – abgegeben, wo sie zur Fettverdauung benötigt wird. Schließt der Musculus sphincter oddi die Papille, staut sich die Gallenflüssigkeit zurück und fließt über den Ductus cysticus in die Gallenblase. Heißt also, dass die Gallenblase einzig und allein der Speicherung überschüssiger Gallenflüssigkeit dient und nicht etwa der Produktion der Gallenflüssigkeit.

So, alle Klarheiten beseitigt? 😉

– Fortsetzung folgt (aber nur noch einmal)