Was mir gerade im Kopf rumschwirrt

Die zweite Woche im neuen Semester ist auf der Zielgeraden. Das vierte ist es inzwischen – und das besteht ausschließlich aus Biochemie und ein bisschen Physiologie.

Neben fünf Vorlesungsstunden Biochemie findet an ein bis zwei Nachmittagen und Abenden in der Woche das Biochemie-Praktikum und -Seminar statt, was eine relativ umfangreiche Lehrveranstaltung ist. Insgesamt besteht das Praktikum aus neun Versuchstagen, die jeweils von einem Seminar begleitet werden. Jeder BC-Nachmittag beginnt mit einer ca. einstündigen Einführung in das Thema des Versuchstages und einer Vorbesprechung  der anstehenden Versuche. Danach geht es in die Praktikumsräume und dann wird „photometriert“ und „gelelektrophorest“ bis zum Geht-Nicht-Mehr. Sind die Versuche abgeschlossen und hoffentlich die Ergebnise herausgekommen, die im Skript gefordert und vorgesehen sind, geht es wieder zurück in den Seminarraum  – übrigens: es ist ziemlich nervig und zeitraubend, den kompletten Ansatz nochmal neu zu machen, weil man bei der Photometrie im Nachhinein feststellt, dass man vor einer guten Stunde beim Pipettieren Mist gebaut hat. Abgeschlossen wird der Tag dann von einem Abendseminar, in dem die Versuchsergebnisse besprochen und verglichen werden und es noch einmal eine Ladung theoretische Hintergründe zum Versuch gibt. Dann, nach gut 5,5 Stunden Biochemie-Dröhnung, naht das Ziel des Tages: die Unterschrift im Praktikumsskript. Um die zu bekommen muss allerdings noch ein Testat bestanden werden. Wie dieses Testat aussieht ist – wie im Physio-Praktikum auch – den Dozenten überlassen. Manchmal muss ein kurzes schriftliches Testat geschrieben werden, manchmal mündlich Fragen beantwortet werden und selten reicht auch eine aktive Mitarbeit und die bloße Abgabe des Versuchsprotokolls. (Zu den Testaten wäre aber zu sagen: Unser Biochemie-Prof. konnte uns bei der Einführungsveranstaltung zum Praktikum gleich etwas beruhigen: „Testate sind bei Ihnen durch den Präp-Kurs etwas vorbelastet. Da war ein Testat schon etwas, was man nicht im Spazierengehen bestehen konnte. Wir spielen da in eine ganz anderen Liga, das sind eher Testätchen.“) Also alles in allem ist das Biochemie-Praktikum eine manchmal etwas langwierige Angelegenheit, aber doch gut zu machen. Kein Vergleich zum Präp-Kurs im letzten Semester.


Ich schreibe diesen Artikel gerade mühsam auf Theas Netbook, ja genau so einem kleinen, Ladebalken-verliebten PC-Ding ohne DVD-Laufwerk, das den Namen Laptop nicht verdient hat. Der Grund: Mein Laptop, der mir jetzt vier Jahre treue Dienste geleistet hat, ist am Wochenende abgeraucht. Ein kurzer unangenehmer Geruch und dann: schwarzer Bildschirm. Die Analyse der PC-Fachkraft meines Vertrauens ergab, dass sich das Motherboard verabschiedet hatte, Reparaturkosten mindestens 500 €, vielleicht auch 800. Also darf ich nachher viel Geld für einen neuen Laptop ausgeben; zum Glück kam gestern der Steuerbescheid mit einer ordentlichen Rückzahlung.


Und dann wäre da noch dieses aktuelle Unwort: „Lokführerstreik“. Um vorweg etwas zu meiner politischen Einstellung klar zu stellen: Meiner Meinung nach sind Gewerkschaften und alle sonstigen Arbeitsnehmervertretungen sinnvolle Einrichtungen und Streiks ein probates Mittel für Arbeitskämpfe. Aber das, was sich die GDL gerade mit ihrer pauschalen Streikandrohung leistet hat für mich nichts mehr mit einer verhältnismäßigen Durchsetzung der Arbeitnehmerinteressen zu tun. Anscheinend möchte hier ein einzelner GDL-Funktionär, Claus Weselsky, der Ober-Babo der Lokführer, seinen Machtgelüsten nachkommen – mit der Folge, dass der Arbeitskampf der GDL andauernd zum Zur-Arbeit-Kommen-Kampf für die tausenden anderen Arbeitnehmer wird, die jeden Tag versuchen mit der Bahn zur Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Mal ganz ehrlich: Ärzte und Pflegepersonal dürfen zum Beispiel nur außerhalb ihrer Arbeitszeit streiken, weil ein Ausstand des medizinischen Personals in Krankenhäusern den Patienten verständlicherweise nicht zuzumuten ist. Entschuldigt bitte meine Deutlichkeit, aber das musste ich loswerden.

Advertisements

Als verrückt abgestempelt?

Mit zunehmendem Unwohlsein und Unverständnis habe ich in den letzten Tagen die Artikel über die angebliche Depression des Co-Piloten der abgestürzten Germanwings-Maschine gelesen. Vom „Todes-“ oder „Amok-Piloten“ ist da die Rede, öffentlich wird die Frage danach gestellt „wie so jemand überhaupt ein Flugzeug fliegen darf“.

Die Frage nach der Flugtauglichkeit des Co-Piloten hat in den Medien eine Diskussion um die Vereinbarkeit psychischer Erkrankungen mit dem Beruf ausgelöst, in der meiner Meinung nach aber mit Argumenten gestritten wird, die teilweise abseits jeglicher Sachlichkeit sind. Ich vermute das liegt daran, dass psychische Erkrankungen immer noch zu sehr ein Tabu-Thema sind. Psychisch Kranke werden nach wie vor häufig einfach als „verrückt“ abgestempelt, die am besten in einer geschlossenen Anstalt weggesperrt gehören. Eine Gefahr für ihre Mitmenschen. Und das vermutlich weil über die Entstehung solcher Krankheiten noch sehr wenig bekannt ist und das was man weiß sich nicht oder nur spärlich in der Bevölkerung verbreitet. Was der Mensch nicht kennt, das macht ihm Angst.

Und das obwohl psychische Erkrankungen in unserer Gesellschaft weitaus verbreiteter sind, als man zunächst vermutet. Jeder dritte Erwachsene leidet angeblich mindestens einmal im Jahr an Symptomen einer psychischen Erkrankung, wie Ängsten, Niedergeschlagenheit oder Panikattacken. Rund 14 % der insgesamt in der Bundesrepublik registrierten jährlichen Arbeitsunfähigkeitstage haben psychische Störungen als Ursache.

Was fehlt ist scheinbar das breite Verständnis dafür, dass psychische Störungen kein Problem von „Verrückten“ oder „Weicheiern“ ist, sondern Krankheiten, die ernst genommen werden müssen und häufig zwar nicht endgültig heilbar, aber dennoch behandelbar sind. Jedoch braucht der Betroffene in erster Linie die Kraft und den Rückhalt in seinem Umfeld, sich diese Erkrankung einzugestehen und sich professionelle Hilfe zu holen, eben nicht nur einfach „verrückt“ zu sein. Dem Vertrauen zwischen Arzt, Psychotherapeut und Patient, dass nötig ist, damit sich der Betroffene auf eine in der Regel langwierige und alles andere als einfach Therapie einlässt, würde meiner Meinung nach durch eine „Meldepflicht für psychische Erkrankungen“, wie sie jetzt inzwischen von manchen Medien gefordert wird, nachhaltig gestört werden und würde dazu führen, dass noch mehr Betroffene ihre psychischen Probleme zu verstecken versuchen um nicht aus dem Raster zu fallen, um eben nicht anders als die Anderen zu sein.

Im Fall von 4U9525 hatte nach den aktuellen Erkenntnissen der Co-Pilot bereits 2009 die Lufthansa über eine schwere depressive Episode informiert, die aber wohl zu diesem Zeitpunkt bereits wieder abgeklungen war. Wenn die Folge der momentan laufenden Diskussion ist, dass alle Betroffenen, die unter einer Depression leiden pauschal als gemeingefährlich oder als „tickende Zeitbombe“ über einen Kamm geschoren werden, dann denke ich dass dies ein Schritt in die absolut falsche Richtung ist und zu allem anderen als zu zunehmendem Verständnis und Offenheit gegenüber psychischen Erkrankungen führen wird.