Anatomie

Das Fach Anatomie erstreckt sich über die ersten drei Semester und setzt sich aus verschiedenen Lehrveranstaltungen zusammen:

Vorlesungen:
Die Anatomie-Vorlesungen sind als Begleitvorlesungen zu den im jeweiligen Semester belegenden Seminare und Kurse konzipiert. In der Vorlesung Anatomie A im ersten Semester wird einmal der gesamte menschliche Körper im Schnell-Durchmarsch besprochen, beginnend bei der Embryologie (also der Entwicklungsbiologie der befruchteten Eizelle bis zum Embryo), über den Stütz- und Bewegungsapparat mit der dazugehörigen Muskulatur, das Herz-Kreislauf-System, das Verdauungssystem, die Urogenitalorgane, das hormonelle System und schließlich das Nervensystem. Der Prof. gestaltet die Vorlesungen aber sehr, sehr gut und macht selbst am Whiteboard Aufschriebe mit mehr oder weniger gelungenen Zeichnungen, sodass das Mitschreiben gut klappt.

Die Vorlesung Anatomie B im zweiten Semester ist die Begleitvorlesung zum Kursus der mikroskopischen Anatomie – Histo … das Unwort des zweiten Semesters für viele Medizinstudenten. In der wöchentlich 4-stündigen Vorlesung werden in der ersten Hälfte des Semesters vor allem die vier Grundgewebearten (Epithelgewebe, Binde- und Stützgewebe, Muskelgewebe und Nervengewebe) bis ins kleinste Detail, das noch so (un)wichtige Protein besprochen. In der zweiten Hälfte kommt man dann vom kleinsten langsam wieder ins größere: in einem atemberaubendem Tempo werden sämtliche Organe des menschlichen Körpers in ihrem mikroskopischen und molekularen Aufbau (also aus welchen Geweben bestehen die Organe, welche Zellen kommen in diesen Geweben vor und welche Funktionen haben die einzelnen Zellen und ihre Proteine) behandelt. Die Vorlesungen sind an sich nicht schlecht und auch nicht uninteressant, wenn auch aufgrund des Tempos ein sinnvolles Mitschreiben fast nicht möglich ist. Das Problem an Histo ist eher der Kurs und vor allem die Klausuren, aber dazu steht unten mehr.

Anatomie C im dritten Semester zum Kursus der makroskopischen Anatomie, wobei hier ganz klar der Schwerpunkt auf dem Kurs liegt, die Vorlesung ist mit zwei Stunden pro Woche eher Nebensache.

Seminar Anatomie mit klinischen Bezügen:
Das Seminar Anatomie mit klinischen Bezügen vertieft in 2,5 Stunden pro Woche im ersten Semester die Inhalte der Vorlesung Anatomie A. Die Seminargruppe (ca. 25 Studenten, ein Dozent) hat Klassencharakter; man hält Referate, sieht sich anatomische Präparate an und stellt klinische Bezüge her. Am Ende des ersten Semesters schreibt man eine Hauptklausur über den Stoff des gesamten Semesters. Ein 8-seitiger Lernzielkatalog (Arial, Schriftgröße 11, einfacher Zeilenabstand), der erste große Brocken im Medizinstudium.

Kursus der mikroskopischen Anatomie:
Der Histo-Kurs zählt nicht gerade zu den beliebtesten Lehrveranstaltungen unter Medizinstudenten. Man verbringt vier Stunden pro Woche vor dem Mikroskop und begutachtet Gewebe und deren einzelne Zellen bis zum Geht-Nicht-Mehr. Und was man sieht soll man dann auch noch in einigermaßen gelungenen Zeichnungen festhalten. Das vorgegebene Arbeitstempo dabei ist phänomenal – Beispiel: „Schauen Sie sich bitte das Präparat an und fertigen Sie dazu eine Übersichtszeichnung und mehrere Detailzeichnungen an. Sie haben dazu fünf Minuten zeit … ok, sieben.“ Nach ca. einem Drittel des Semesters steht dann die erste schriftliche Klausur, die Zwischenprüfung, an. Am Ende des Semesters folgen dann noch eine praktisch-mikroskopische Prüfung, in der zwei Präparate am Mikroskop analysiert werden müssen, mit dem Ziel das Präparat richtig zu erkennen. Zwei Tage später folgt die schriftliche Abschlussklausur und dann ist auch dieser Kurs geschafft. Zu den Klausuren wäre vielleicht ganz interessant zu wissen, dass die Kurs-Tutoren empfehlen, nicht mit alten Physikumsfragen zu lernen, da diese, im Vergleich zu den Fragen, die der Prof. in seinen Klausuren stellt, viel zu einfach seien!!! Die Durchfallquoten für Histo in den letzten Jahren waren immer mit Abstand die höchsten in der Vorklinik. Des Öfteren habe ich jetzt von Viertsemestern auch schon gehört, dass die eigentlich größte Hürde in der Vorklinik an meiner Uni nicht der Präp-Kurs sei, sondern der Histo-Kurs.

Seminar mit klinischen Bezug „DeepIn Cyte“ – Molekulare Histologie:
Dieses Seminar besteht aus insgesamt sieben Seminarterminen zu je 1,5 Stunden, die begleitend zum Kursus der mikroskopischen Anatomie im zweiten Semester stattfinden. Wieder in typischer Klassengröße von ca. 25 Studenten mit einem Dozenten werden einzelne zelluläre Abläufe bis auf molekulare Ebene besprochen und mit klinischen Fallbeispielen verknüpft. Jeder Student muss im Lauf des Seminars ein ca. 7-minütiges Referat zu einem bestimmten Thema halten um das Seminar zu bestehen. Klausur wird keine geschrieben, Note gibt es auch keine … so ganz hat sich mir der Sinn dieser Veranstaltung noch nicht erschlossen.

Kursus der makroskopischen Anatomie:
… der sagenumwobene Präp-Kurs. Eine Gruppe von zehn Studenten präpariert mit ihrem Tisch-Tutor das ganze Semester über einen Körperspender … von der Haut bis ganz in die Tiefe. Der Präp-Kurs gilt wohl als die größte Herausforderung in der Vorklinik (wenn man mal einige Aussagen über den Histo-Kurs beiseite lässt). Über den Kursverlauf verteilt stehen fünf Testate an, drei mündliche und zwei schriftliche:

  • 1. Testat (mündlich): dorsale Rumpfwand und obere Extremität
  • 2. Testat (schriftlich): ventrale Rumpfwand und untere Extremität
  • 3. Testat (mündlich): Situs und Becken
  • 4. Testat (mündlich): Kopf und Hals
  • 5. Testat (schriftlich): ZNS

Der Präpkurs bringt einen an seine Belastungsgrenzen, ist aber zugleich eine Erfahrung, an die man noch lange nach dem letzten Testat denken wird und die einen zweifellos menschlich wie fachlich prägt.

Integriertes Seminar „Beautiful Mind“:
Dieses Seminar steht ebenfalls im dritten Semester an und beschäftigt sich hauptsächlich mit dem ZNS. Es besteht aus vier Terminen zu je 2,5 Stunden, jeder muss ein Referat halten … und das war’s auch schon. Keine Klausur, keine Note … Referat gehalten, anwesend gewesen – bestanden.

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