Scheinfrei fürs Physikum

Es gibt bei den Medizinern einen Zustand, den jeder Student zweimal im Laufe seines Medizinstudiums anstrebt: die so genannte Scheinfreiheit. Scheinfrei ist der Student – der Ausdruck ist vielleicht etwas unglücklich gewählt – wenn er alle für eine Abschlussprüfung nötigen Leistungen erbracht und die nötigen Klausuren bestanden hat. Im Medizinstudium ist das – wie gesagt – zweimal der Fall. Einmal vor dem ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (dem Physikum) und das zweite Mal vor dem zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung am Ende des 10. Semesters.

Nachdem ich heute die zweite Physiologie-Klausur bestanden habe und damit die Unterpunkte aus der ersten Physiologie-Klausur im 2. Semester locker ausgleichen konnte, darf ich mich ab jetzt auch offiziell als scheinfrei bezeichnen.

Ist mir heute ein Stein vom Herzen gefallen, als ich die Klausurergebnisse gesehen habe. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Blick auf den Notenspiegel: 27 Platzhalter waren damals frei, für insgesamt 27 scheinpflichtige Lehrveranstaltungen. Im Laufe von zwei Jahren haben sich diese Platzhalter mit Noten gefüllt und jetzt ist das Etappenziel erreicht: der Notenspiegel ist voll.

In ein paar Tagen bekomme ich den Notenspiegel dann auch in Schriftform, mit Siegel und Unterschrift des Studiendekanats. Diesen muss ich dann schleunigst zum Landesprüfungsamt schicken (die Post streikt ja zum Glück nicht mehr), womit meine nötigen Nachweise für die Anmeldung zum Physikum vollständig sind und ich zur Prüfung zugelassen werden sollte.

Zur Feier des Tages gönne ich mir heute aber auf jeden Fall einen Abend komplett ohne Uni. Zulassungsanträge, Lernen und Physikum können mir heute gestohlen bleiben. Heute ist Entspannung angesagt.

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Biochemie – Hasta la vista!

… da war es nur noch ein Schein bis zum Physikum. Nachdem ich letzten Donnerstag die letzte von insgesamt drei Biochemie-Klausuren bestanden habe, habe ich nun auch dieses Fach abgeschlossen.

Grund genug an dieser Stelle auch mal unseren Biochemie-Profs Danke zu sagen – für zwei Jahre wirklich gut organisierte, strukturierte Lehre von sympathischen, freundlichen Dozenten, abgeschlossen von fair gestellten Klausuren.

Lebenszeichen

klopf, klopf … Ja, ich lebe noch! Nachdem ich mich jetzt seit über einem Monat nicht mehr gemeldet habe, gibt es hier endlich wieder etwas zu lesen. In den letzten fünf Wochen ist einiges passiert. Das vierte Semester ist vorbei gegangen wie im Flug. Kaum zu glauben, aber es ist tatsächlich bald schon wieder vorbei.

Das Biochemie-Praktikum ist geschafft. Es war interessanter als gedacht … und deutlich weniger stressig, als das Praktikums-Skript zunächst befürchten ließ. Eines muss man unseren Biochemikern wirklich lassen: sie machen richtig gute Lehre, die Vorlesungen sind gut strukturiert, die Anforderungen sind fair und sympathisch sind die Dozenten sowieso.

Auch das Physio-Seminar ist rum. Eine Veranstaltung von der bisher noch überhaupt nicht berichtet hatte. Hier ging es darum, anhand von sechs, teilweise ziemlich abwegigen Fallbeispielen, verteilt auf sechs Seminartage, sich beispielhafte Themengebiete der Physiologie zu erarbeiten, Fragen zum Fall zu beantworten und danach im Plenum vorzustellen.

Jetzt läuft gerade noch das Biochemie-Seminar, in dem die großen Themengebiete der Biochemie (Proteine, Molekularbiologie, Enzyme, Kohlenhydrate, Fette usw.) v.a. zur Vorbereitung auf das mündliche Physikum wiederholt werden.

Die Vorlesungen in Biochemie und Physiologie sind auf der Zielgerade. Noch diese Woche und nächste, dann ist dieses Kapitel auch vorbei. Die beiden Klausuren dazu stehen Anfang Juli an.

Und inzwischen hat auch der Medi-Learn-Kurs angefangen, das – ohne Schleichwerbung dafür machen zu wollen – wahrscheinlich bekannteste Physikums-Repetitorium. An den kommenden Wochenenden werden wir die ganzen kleinen Physikums-Fächer (Physik, Chemie, Biologie und Histologie) wiederholen. Und Mitte Juli, wenn die Klausuren vorbei sind, geht der eigentliche 30-tägige Blockkurs mit den Hauptfächern Anatomie, Physiologie, Biochemie und Psychologie/Soziologie los.

Es wird also ernst …    

Suchbegriffe

Es ist immer wieder spannend in den Suchbegriffen zu wühlen, die euch zu diesem Blog geführt haben. Deshalb möchte ich hier mal auf einige wenige eingehen:

blaulichtgeschichten: eine meiner Kategorien, in denen ich über manchmal mehr, manchmal weniger alltägliche Erfahrungen aus dem Rettungsdienst schreibe

kitteltraeger: ja, das bin ich. 😉

korneozyt: abgestorbene Zellen in der obersten Schicht der menschlichen Epidermis, dem Stratum disjunctum

zelle mikroskop: das eine guckt man durch das andere in Histologie an

durchtrittsstellen zwerchfell: Ein etwas umfangreicheres Thema, im Situs-Testat übrigens sehr gern gefragt. Im Zwerchfell gibt es mehrere Öffnungen, durch die verschiedene Strukturen aus der Brusthöhle in die Bauchhöhle oder zurück in die Brusthöhle treten. Wichtige Öffnungen des Zwerchfells mit den durchtretenden Strukturen sind:

  • Hiatus oesophageus: Oesophagus, linker N. phrenicus, Trunci vagales als Fortsetzung der beiden Nn. vagi
  • Foramen venae cavae: V. cava inferior, rechter N. phrenicus
  • Hiatus aorticus: Aorta, Ductus thoracicus
  • Trigonum sternocostale: A. und V. epigastrica superior

nach coopertest zusammenbrechen: ist mir jetzt nie passiert, kann es aber natürlich

mischung dormicum und propofol:  nach eigener Erfahrung beliebte Sedierung bei einer Koloskopie

anatomie klausur durchgefallen: Ist mir glücklicherweise erspart geblieben, kann aber gut mal passieren. Das ist aber beim ersten Mal kein Grund gleich den Teufel an die Wand zu malen oder sein Medizinstudium an den Haken zu hängen, man hat für jede Klausur drei Versuche: den Haupttermin und zwei Wiederholungsklausuren. Allerdings verliert man spätestens bei der zweiten Wiederholungsklausur meistens mindestens ein Semester, in der Vorklinik eher ein Jahr. Bei dreimaligem Nichtbestehen folgt die Exmatrikulation, dann ist das Studium wirklich zu Ende.

keine ablösung nach 12 stunden schicht im rettungsdienst: D zugegebenermaßen ein ziemlicher Mist, noch mehr wenn dann auch noch der Melder geht und der Feierabend in noch weitere Ferne rückt. In meinem Rettungsdienstbereich ist das glücklicherweise ziemlich eindeutig geregelt: Im Krankentransport darf die Leitstelle einen Auftrag, der maximal 15 Minuten über die eigentliche Arbeitszeit hinausgeht, ohne anzufragen schicken. Wird der Auftrag absehbar mehr als 15 Minuten über das Dienstende hinausgehen, muss die Leitstelle das davor mit der Fahrzeugbesatzung abklären. Anders ist die Situation natürlich bei Notfalleinsätzen. Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass ich glücklicherweise noch nie in der Situation war, dass nach 12 Stunden einfach keine Ablösung kam.

arbeitskreis zukunft brk neustadt aisch: keine Ahnung, was das mit meinem Blog zu tun hat

Kein zurück mehr

Wie die Zeit vergeht … Es kommt mir fast noch wie gestern vor, als ich das Kursskript für den Präpkurs bekommen hatte. Wir waren alle angespannt und hatten die Befürchtung, eventuell an dieser größten Herausforderung in der Vorklinik scheitern zu können.

Und heute, gerade vor ein paar Stunden, habe ich meinen Antrag auf Zulassung zum Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung an das Landesprüfungsamt abgeschickt. Tatsächlich geht es jetzt also in großen Schritten auf das Physikum zu.

Für alle die in der Materie Medizinstudium nicht so weit drinstecken: Das Physikum ist das erste Staatsexamen im Lauf des Studiums. Wenn man alle Lehrveranstaltungen der Vorklinik erfolgreich besucht hat, das vorgeschriebene 90-tägige Krankenpflegepraktikum und eine Ausbildung in Erster Hilfe nachweisen kann, stellt man den Zulassungsantrag an das Landesprüfungsamt (das ist die Behörde, die für die Zulassung und die Organisation der Staatsexamen, das Ausstellen von Prüfungszeugnissen usw. zuständig ist) und bekommt, wenn der Antrag formgerecht gestellt wurde, einen Zulassungsbescheid für den Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung.

Das Physikum selbst besteht dann aus einem schriftlichen und einem mündlichen Prüfungsteil. Im schriftlichen Teil werden in insgesamt 320 Multiple-Choice-Fragen an zwei Tagen die Fächerkombinationen Anatomie/Biologie, Physiologie/Physik, Biochemie/Chemie und Psychologie/Soziologie geprüft. Das mündliche Physikum findet ein paar Wochen nach dem schriftlichen statt. Dabei werden jeweils drei Studenten mündlich von einer Prüfungskommission geprüft. Jede Kommission besteht aus einem Anatomen, einem Physiologen und einem Biochemiker der Uni, an der man studiert. Jeder Prüfling muss dabei zu jedem der drei Fächer rund 15 Minuten lang Fragen beantworten, wobei für die Anatomie ein zusätzlicher praktischer Prüfungsteil vorgesehen ist. Dabei kann der Prüfling je nach Belieben des Prüfers am Körperspender zu Strukturen gefragt werden, die er dann zeigen, benennen und erklären können muss, oder auch am Mikroskop zu histologischen Präparaten.

Das ganze erwartet mich dann im Herbst, das schriftliche Physikum Mitte August, das mündliche Anfang/Mitte September. Bis zur Scheinfreiheit für das Physikum fehlen mir jetzt nur noch zwei Scheine, Biochemie und Physiologie, die ich hoffentlich am 7. Juli nach den letzten Klausuren auch haben werde.

Was mir gerade im Kopf rumschwirrt

Die zweite Woche im neuen Semester ist auf der Zielgeraden. Das vierte ist es inzwischen – und das besteht ausschließlich aus Biochemie und ein bisschen Physiologie.

Neben fünf Vorlesungsstunden Biochemie findet an ein bis zwei Nachmittagen und Abenden in der Woche das Biochemie-Praktikum und -Seminar statt, was eine relativ umfangreiche Lehrveranstaltung ist. Insgesamt besteht das Praktikum aus neun Versuchstagen, die jeweils von einem Seminar begleitet werden. Jeder BC-Nachmittag beginnt mit einer ca. einstündigen Einführung in das Thema des Versuchstages und einer Vorbesprechung  der anstehenden Versuche. Danach geht es in die Praktikumsräume und dann wird „photometriert“ und „gelelektrophorest“ bis zum Geht-Nicht-Mehr. Sind die Versuche abgeschlossen und hoffentlich die Ergebnise herausgekommen, die im Skript gefordert und vorgesehen sind, geht es wieder zurück in den Seminarraum  – übrigens: es ist ziemlich nervig und zeitraubend, den kompletten Ansatz nochmal neu zu machen, weil man bei der Photometrie im Nachhinein feststellt, dass man vor einer guten Stunde beim Pipettieren Mist gebaut hat. Abgeschlossen wird der Tag dann von einem Abendseminar, in dem die Versuchsergebnisse besprochen und verglichen werden und es noch einmal eine Ladung theoretische Hintergründe zum Versuch gibt. Dann, nach gut 5,5 Stunden Biochemie-Dröhnung, naht das Ziel des Tages: die Unterschrift im Praktikumsskript. Um die zu bekommen muss allerdings noch ein Testat bestanden werden. Wie dieses Testat aussieht ist – wie im Physio-Praktikum auch – den Dozenten überlassen. Manchmal muss ein kurzes schriftliches Testat geschrieben werden, manchmal mündlich Fragen beantwortet werden und selten reicht auch eine aktive Mitarbeit und die bloße Abgabe des Versuchsprotokolls. (Zu den Testaten wäre aber zu sagen: Unser Biochemie-Prof. konnte uns bei der Einführungsveranstaltung zum Praktikum gleich etwas beruhigen: „Testate sind bei Ihnen durch den Präp-Kurs etwas vorbelastet. Da war ein Testat schon etwas, was man nicht im Spazierengehen bestehen konnte. Wir spielen da in eine ganz anderen Liga, das sind eher Testätchen.“) Also alles in allem ist das Biochemie-Praktikum eine manchmal etwas langwierige Angelegenheit, aber doch gut zu machen. Kein Vergleich zum Präp-Kurs im letzten Semester.


Ich schreibe diesen Artikel gerade mühsam auf Theas Netbook, ja genau so einem kleinen, Ladebalken-verliebten PC-Ding ohne DVD-Laufwerk, das den Namen Laptop nicht verdient hat. Der Grund: Mein Laptop, der mir jetzt vier Jahre treue Dienste geleistet hat, ist am Wochenende abgeraucht. Ein kurzer unangenehmer Geruch und dann: schwarzer Bildschirm. Die Analyse der PC-Fachkraft meines Vertrauens ergab, dass sich das Motherboard verabschiedet hatte, Reparaturkosten mindestens 500 €, vielleicht auch 800. Also darf ich nachher viel Geld für einen neuen Laptop ausgeben; zum Glück kam gestern der Steuerbescheid mit einer ordentlichen Rückzahlung.


Und dann wäre da noch dieses aktuelle Unwort: „Lokführerstreik“. Um vorweg etwas zu meiner politischen Einstellung klar zu stellen: Meiner Meinung nach sind Gewerkschaften und alle sonstigen Arbeitsnehmervertretungen sinnvolle Einrichtungen und Streiks ein probates Mittel für Arbeitskämpfe. Aber das, was sich die GDL gerade mit ihrer pauschalen Streikandrohung leistet hat für mich nichts mehr mit einer verhältnismäßigen Durchsetzung der Arbeitnehmerinteressen zu tun. Anscheinend möchte hier ein einzelner GDL-Funktionär, Claus Weselsky, der Ober-Babo der Lokführer, seinen Machtgelüsten nachkommen – mit der Folge, dass der Arbeitskampf der GDL andauernd zum Zur-Arbeit-Kommen-Kampf für die tausenden anderen Arbeitnehmer wird, die jeden Tag versuchen mit der Bahn zur Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Mal ganz ehrlich: Ärzte und Pflegepersonal dürfen zum Beispiel nur außerhalb ihrer Arbeitszeit streiken, weil ein Ausstand des medizinischen Personals in Krankenhäusern den Patienten verständlicherweise nicht zuzumuten ist. Entschuldigt bitte meine Deutlichkeit, aber das musste ich loswerden.

Als verrückt abgestempelt?

Mit zunehmendem Unwohlsein und Unverständnis habe ich in den letzten Tagen die Artikel über die angebliche Depression des Co-Piloten der abgestürzten Germanwings-Maschine gelesen. Vom „Todes-“ oder „Amok-Piloten“ ist da die Rede, öffentlich wird die Frage danach gestellt „wie so jemand überhaupt ein Flugzeug fliegen darf“.

Die Frage nach der Flugtauglichkeit des Co-Piloten hat in den Medien eine Diskussion um die Vereinbarkeit psychischer Erkrankungen mit dem Beruf ausgelöst, in der meiner Meinung nach aber mit Argumenten gestritten wird, die teilweise abseits jeglicher Sachlichkeit sind. Ich vermute das liegt daran, dass psychische Erkrankungen immer noch zu sehr ein Tabu-Thema sind. Psychisch Kranke werden nach wie vor häufig einfach als „verrückt“ abgestempelt, die am besten in einer geschlossenen Anstalt weggesperrt gehören. Eine Gefahr für ihre Mitmenschen. Und das vermutlich weil über die Entstehung solcher Krankheiten noch sehr wenig bekannt ist und das was man weiß sich nicht oder nur spärlich in der Bevölkerung verbreitet. Was der Mensch nicht kennt, das macht ihm Angst.

Und das obwohl psychische Erkrankungen in unserer Gesellschaft weitaus verbreiteter sind, als man zunächst vermutet. Jeder dritte Erwachsene leidet angeblich mindestens einmal im Jahr an Symptomen einer psychischen Erkrankung, wie Ängsten, Niedergeschlagenheit oder Panikattacken. Rund 14 % der insgesamt in der Bundesrepublik registrierten jährlichen Arbeitsunfähigkeitstage haben psychische Störungen als Ursache.

Was fehlt ist scheinbar das breite Verständnis dafür, dass psychische Störungen kein Problem von „Verrückten“ oder „Weicheiern“ ist, sondern Krankheiten, die ernst genommen werden müssen und häufig zwar nicht endgültig heilbar, aber dennoch behandelbar sind. Jedoch braucht der Betroffene in erster Linie die Kraft und den Rückhalt in seinem Umfeld, sich diese Erkrankung einzugestehen und sich professionelle Hilfe zu holen, eben nicht nur einfach „verrückt“ zu sein. Dem Vertrauen zwischen Arzt, Psychotherapeut und Patient, dass nötig ist, damit sich der Betroffene auf eine in der Regel langwierige und alles andere als einfach Therapie einlässt, würde meiner Meinung nach durch eine „Meldepflicht für psychische Erkrankungen“, wie sie jetzt inzwischen von manchen Medien gefordert wird, nachhaltig gestört werden und würde dazu führen, dass noch mehr Betroffene ihre psychischen Probleme zu verstecken versuchen um nicht aus dem Raster zu fallen, um eben nicht anders als die Anderen zu sein.

Im Fall von 4U9525 hatte nach den aktuellen Erkenntnissen der Co-Pilot bereits 2009 die Lufthansa über eine schwere depressive Episode informiert, die aber wohl zu diesem Zeitpunkt bereits wieder abgeklungen war. Wenn die Folge der momentan laufenden Diskussion ist, dass alle Betroffenen, die unter einer Depression leiden pauschal als gemeingefährlich oder als „tickende Zeitbombe“ über einen Kamm geschoren werden, dann denke ich dass dies ein Schritt in die absolut falsche Richtung ist und zu allem anderen als zu zunehmendem Verständnis und Offenheit gegenüber psychischen Erkrankungen führen wird.

Es geht wieder los

Hinter mir liegt ein Wochenende, das bis zum Rand mit Zeit für meine Hilfsorganisation gefüllt war. Vom gemeinsamen Ausflug zur „Kameradschaftspflege“ (ja so heißt das wirklich) und danach Sanitätsdienst bei einer Ü30-Party, gestern dann noch einmal Rettung-Fahren. Sechs Einsätze in acht Stunden, der erste bereits eine halbe Stunde vor dem eigentlichen Dienstbeginn, der letzte zehn Minuten vor Feierabend – Überstunden vorprogrammiert. Es war also gut was los für einen Sonntag.

Einer der gestrigen Einsätze könnte man der Kategorie „Kurioses“ zuordnen. Mit dem Stichwort „bewusstlos“ schickte uns die Leitstelle auf die Autobahn. Die Einsatzmeldung sei über die Polizei gekommen, dort wiederum habe ein Autofahrer angerufen und einen LKW im Baustellenbereich auf der rechten Spur gemeldet, dessen Fahrer bewusstlos über dem Lenkrad hänge. Eine denkbar ungeschickte Kombination, Rettungen aus hohen Fahrzeugen sind immer schwierig und ohne die Feuerwehr meistens nicht zu schaffen. Wenn der Patient dann auch noch bewusstlos oder sogar reanimationspflichtig ist wird die Sache noch verzwickter. Und das alles dann neben dem fließenden Verkehr auf der Autobahn.

Als wir auf die Autobahn auffuhren leuchteten uns schon eine Vielzahl von Bremslichtern entgegen; der auf der rechten Spur stehende LKW hatte wohl schon einen gehörigen Stau produziert. Zehn Minuten durften wir uns also unseren Weg durch die Rettungsgasse bahnen, die zugegebenermaßen hier richtig gut funktionierte. Auf halber Strecke überholte uns eine Streifenwagen der Autobahnpolizei, fuhr vor uns her und räumte uns schon einmal unseren Fahrweg zwischen den Autos frei.

Beim Eintreffen am LKW stellte sich die Situation aber glücklicherweise völlig anders als gemeldet heraus: der LKW hatte einen technischen Defekt uns stand auf der rechten Spur, der leicht verzweifelte Fahrer daneben. Vermutlich hatte ein vorbeifahrender Autofahrer in den LKW geblickt, den Fahrer genau in einem Moment gesehen, in dem er sich über das Lenkrad gebeugt hatte und besorgt die Polizei informiert. Sowohl für den LKW-Fahrer als auch für uns das eindeutig bestmögliche Ende dieses Einsatzes.

Apropos Ende: Die Semesterferien sind inzwischen schon wieder weit fortgeschritten. Heute in zwei Wochen geht das vierte Semester los. Ab heute werde ich wieder einen Teil meines Tages am Schreibtisch verbringen und langsam versuchen mir erneut Biochemie anzueignen. Relativ schnell nach Semesterbeginn steht die zweite Biochemie-Klausur an. Im Gegensatz zur ersten Klausur, in der es viel ums Grundsätze-Verstehen ging (Was sind eigentlich Proteine? Was machen Enzyme? Was ist DNA? usw.) waren vor allem Stoffwechselwege Inhalt der Biochemie-Vorlesung im letzten Semester. Und die gilt es jetzt auswendig zu lernen. Vom Kohlenhydratstoffwechsel mit seinen verschiedenen Auf- und Abbauwegen, dem Citratzyklus und der Atmungskette bis hin zum Stoffwechsel der Fette und der Nukleotide.

Die wirklich tollen Semesterferien neigen sich langsam aber sicher dem Ende entgegen und der Uni-Alltag beginnt wieder. Jetzt kommt aber noch ein großes ABER: Bis es wieder richtig losgeht sind es ja noch zwei Wochen. 😉

Semesterferien

Ja ich gebe ganz offen zu: Momentan führe ich tatsächlich ein Studentenleben, so wie es sich Nicht-Studenten vorstellen. Keine Lehrveranstaltungen an der Uni, keine Klausuren mehr, das Krankenpflegepraktikum konnte ich ja auch schon nach dem ersten Semester im letzten Frühling abschließen. Außer dass in ein paar Tagen die Anmeldungen für die Kurse im nächsten Semester anstehen, ist die Uni gerade doch ganz weit weg.

Gestern waren Thea und ich das zweite Mal in diesem Jahr Skifahren. Und zwar ein bisschen unfreiwillig nochmal in Davos. Wir hatten eigentlich beim gleichen Reiseunternehmen wie letztes Mal eine Fahrt ins Montafon gebucht, allerdings fiel diese aus, da sich zu wenige Teilnehmer angemeldet hatten. Wir mussten deshalb umbuchen auf die einzige andere Fahrt, die an diesem Tag noch angeboten wurde – nach Davos eben. Und obwohl wir im Januar dort ja schon einmal gewesen waren, war es doch wieder ein wunderschöner Skitag. Bei strahlend blauem Himmel, -10°, sehr viel Schnee – ausgezeichnete Bedingungen und einfach nur toll!

Neidisch?

Dieses Wochenende konnte ich mir außerdem endlich wieder zwei Schichten Rettung schnappen. Die erste heute ist ohne großartige Vorkommnisse zu Ende gegangen. Vier Einsätze in acht Stunden, davon ein Krankentransport. Also wirklich nicht zu stressig. Und das auch noch bei diesem fantastischen Wetter! Das ist definitiv einer der großen Vorteile im Rettungsdienst: Da man sein Geld ja zum großen Teil auf der Straße verdient, verbringt man viel Zeit an der frischen Luft. Und bei aller Arbeit und allem Stress, den dieser Job nicht ganz selten mit sich bringt bleibt in der Regel trotzdem Zeit, bei so einem Wetter den blauen Himmel und die Sonnenstrahlen zu genießen.

Heute Abend bin ich dann noch zum Angrillen eingeladen und morgen geht es nochmal mit der gleichen Schicht wie heute weiter. Das Wetter verspricht wieder genauso toll zu werden wie die letzten beiden Tage und Sonntage sind nicht gerade für ihre hohen Einsatzaufkommen bekannt. Auch wenn man es bekannterweise nicht verschreien soll: Ich freue mich wirklich aufs Arbeiten morgen und genieße die Zeit gerade einfach so wie sie ist, die Arbeit genauso wie die Freizeit.

(Alters-)Depression im Seminargebäude

Wochenende. Nach dem Präpkurs und dem Physio-Praktikum sind inzwischen wieder vier weitere Scheine auf meinem Notenspiegel hinzugekommen. Ein einziger fehlt mir jetzt noch für dieses Semester und den werde ich am kommenden Dienstag erhalten – naja: erhalten ist vielleicht schlecht ausgedrückt, da es die guten alten Papier-Scheine bei uns nicht mehr gibt, sondern die Scheine inzwischen nur noch digital verarbeitet werden.

Diese fünf Scheine – die außer dem Präpkurs und Physio-Praktikum im 3. Semester noch erworben werden müssen – gehören zu den so genannten Integrierten Seminaren. Auf der Grundlage der Approbationsordnung (also dem Ding, was die Voraussetzungen dafür festlegt, um Arzt zu werden) sieht unsere Studienordnung (also das Ding, was die Approbationsordnung an der jeweiligen Uni umsetzt und den genauen Ablauf des Studiums regelt) sieben solcher 10-stündigen Seminare vor. Diese Art der Lehrveranstaltung wurde durch die Neuauflage der Approbationsordnung geschaffen und soll klinische Lehrinhalte frühzeitig in die Vorklinik integrieren – daher der Name. Hauptsächlich definieren sich die Integrierten Seminare glaube ich darüber, dass sie ganz neumodische Namen haben, z.B. „IS Deine Gene, dein Schicksal“ oder „IS Mir geht die Luft aus“.

Grundsätzlich finde ich, dass diese Seminare eine sinnvolle Sache sind, bringen sie doch wieder etwas mehr Klinik in die doch ziemlich Naturwissenschaften lastige Vorklinik. Das Problem ist leider, dass die Kursorganisation und -qualität sehr stark abhängig vom Lehrverantwortlichen bzw. dem Institut, das das Seminar durchführt, ist.

Ein Seminar zum Thema Arbeits- und Leistungsphysiologie fand gleich zu Anfang des Semesters in Blockform statt. Das zweite über das ZNS als Begleitveranstaltung parallel zum entsprechenden Präpkurs-Abschnitt. Die letzten drei Integrierten Seminare – eines zum Thema Humangenetik, eines zur alternden Gesellschaft und zur Medizin des Alterns und das dritte zu Lungenfunktionsstörungen – finden in Blockform zum Abschluss des Semesters statt, also jetzt in diesen Tagen. Zwei davon sind schon abgehakt, das humangenetische Seminar fand am Dienstag und gestern statt, das Seminar mit dem Namen „Mit 66 Jahren …“ (Na worum wird’s da wohl gehen?) gestern und heute.

Letzteres war leider eher ein Negativbeispiel für die Durchführung dieser Integrierten Seminare, auch wenn das Thema zweifellos relevant für unser zukünftiges Berufsbild sein wird (wenn man nicht gerade Pädiater werden will). Die Idee dahinter: In Gruppen zu je 20 Studenten verbringt man den ganzen Tag von 8 bis 17 Uhr in einem Seminarraum und jeweils nach einer Stunde wechseln die Dozenten, die aus den unterschiedlichsten klinischen Abteilungen kommen, den Raum und der nächste Dozent kommt … was vor allem im Laufe des späten Nachmittags sowohl für Studenten als auch für die Dozenten zur Zumutung werden kann. Wir Studenten bekommen im Stundentakt acht verschiedene Themen (z.B. Genetik des Alterns, Sexualität im Alter oder körperliche Fitness im Alter) „aufgetischt“ und die Dozenten müssen ein- und denselben einstündigen Vortrag ohne Pause vier Mal hintereinander vor anderen Gruppen halten, wobei Motivation und Konzentration von Studenten und Dozenten natürlich von Thema zu Thema immer weiter abnimmt.

Es hätte nicht besser passen können: Das letzte Thema, um das es dann heute nach sieben Stunden Powerpoint lastigem Frontalunterricht ging, war ausgerechnet die Altersdepression. Ein Hauch von Depression war da dann auch definitiv bei uns und unserer Dozentin festzustellen. Um dem ganzen noch ein multimediales Sahnehäubchen aufzusetzen ging dann auch noch der Beamer in unserem Seminarraum in der allseits leicht depressiven Grundstimmung in die Knie, sodass uns unsere Dozentin dann gestand, dass sie darauf jetzt eigentlich auch keine Lust mehr habe und deshalb versuchen werde, das ganze in einer halben Stunde ohne Beamer durchzuziehen. Dieser Versuch endete erfolgreich, sodass ich mich heute Abend mit nur noch zehn verbleibenden Stunden Präsenzzeit an der Uni in diesem Semester in ein tiefenentspanntes Wochenende verabschieden kann.

Endspurt. Am kommenden Dienstag um 19:00 Uhr wird dann das 3. Semester rum sein. Alle Prüfungen sind bestanden und – ehrlich gesagt – darauf bin ich schon auch ein ganz kleines bisschen stolz … und vor allem erleichtert.