Motivation

Die freien Tage nach dem schriftlichen Physikum haben gut getan. Nach den beiden Prüfungstagen war erstmal gehörig die Luft raus. Inzwischen stecke ich aber schon wieder mitten in der Vorbereitung auf das Mündliche.

Momentan besteht das tägliche Lernen vor allem darin, das was ich schon fürs Schriftliche gelernt hatte zu wiederholen und nicht wieder zu vergessen. Übermorgen, pünktlich zwei Wochen vor meinem Prüfungstermin, erfahre ich dann auch meine Prüfer: ein Anatom, ein Physiologe und ein Biochemiker.

Außerdem gibt es übermorgen und am Freitag jeweils nochmal einen Übungstermin im Mikroskopiersaal und im Präpsaal. In den Histo-Präparaten orientieren, Färbungen richtig zuordnen, Köhlern üben, sich am Körperspender wieder zurechtfinden. Das letzte Mal im Präpsaal war ich schließlich vor fast einem halben Jahr, das letzte Mal selbst mikroskopiert habe ich im 2. Semester.

Wenn ich meine mündlichen Prüfer weiß, kann ich mich dann auch im Gegensatz zum momentanen allgemeinen Wiederholen, gezielter auf die Prüfung vorbereiten. Jeder Prüfer hat zum Glück seine Lieblingsthemen, fragt manche Inhalte besonders gern ab oder lässt manche Themen fast komplett weg.

Ich muss allerdings auch zugeben, dass es nach dem überstandenen schriftlichen Physikum schon eher ein Zwingen ist, mich jeden Tag wieder für Stunden an den Schreibtisch zu setzen und das nochmal zu lernen, was man eigentlich schon davor gelernt hatte – einfach immer wieder, um es nicht zu vergessen. Mit dem Unterschied, dass es nicht wie im schriftlichen Physikum ausreicht, aus fünf Antworten die eine richtige oder falsche herauszufinden, sondern dass ich die Zusammenhänge jetzt auch selbst, aktiv und in eigenen Worten beschreiben können muss. Bei vielen Themen klappt das schon ganz gut, bei manchen eher noch weniger.

Auch wenn es nur noch ein Schritt in Richtung Klinik ist, die nächsten zwei Wochen werden noch einmal anstrengend und ich denke, ich werde noch mehr als einmal die Lust verlieren, mich an den Schreibtisch zu setzen.

Aber was muss, das muss nunmal …

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Schriftliches Physikum – Check!

Es ist das Wochenende nach dem schriftlichen Physikum und nachdem ich die letzten Tage ein bisschen unterwegs war, um einfach mal wieder meine Freizeit zu genießen, möchte ich euch doch noch von meinen Erlebnissen am Dienstag und Mittwoch erzählen.

Tag 1:

Eigentlich hatte ich in der Nacht vor dem ersten Prüfungstag erstaunlich gut geschlafen und war ausgeschlafen, als der Wecker klingelte. Schnell einen Happen gefrühstückt – sonderlich viel Hunger hatte ich am Dienstagmorgen nicht – und dann ging es schon los. Thea fuhr mich netterweise zur Prüfungshalle, wo schon einige meiner Kommilitonen wie bestellt und nicht abgeholt rumstanden und sich etwas angespannt unterhielten. Im Foyer der Halle dann Jacke und Rucksack abgelegt – um 8:30 Uhr war Einlass – und nach der Ausweis- und Zulassungsbescheid-Kontrolle ging es dann in den Prüfungssaal.

Im Großen Saal der Halle waren dann die rund 300 Plätze fein säuberlich vorbereitet, auf jedem Tisch lag eine Karte mit der Sitzplatznummer, eine Schreibunterlage mit dem Logo des Landesprüfungsamtes und der Antwortbogen. Vorne auf der Bühne saßen die zwei Prüfungsverantwortlichen und an den Längsseiten des Saals nochmal ungefähr 20 Aufsichtspersonen.

Eigentlich steht in den offiziellen Hinweisen zur Prüfung, dass sofort nach Betreten des Prüfungssaals der jeweilige Sitzplatz einzunehmen ist, darauf wurde aber zum Glück eher wenig Wert gelegt, sodass wir bis kurz vor 9 Uhr noch ein bisschen durch den Saal laufen und uns unterhalten konnten.

Bis wird dann einige Minuten vor Prüfungsbeginn „ganz herzlich zum ersten Tag des schriftlichen Teils des Ersten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung“ begrüßt wurden und gebeten wurden unsere Plätze einzunehmen. Bevor die Prüfung nun losgehen durfte folgten noch Hinweise zur Prüfung und die offizielle Belehrung („Die Prüfungszeit beträgt 4 Stunden und 0 Minuten, es sind 160 Fragen zu beantworten. Die gewählte Antwortmöglichkeit ist mit einem kräftigen Bleistiftstrich zu markieren. Hilfsmittel jeglicher Art sind nicht zugelassen. Wenn Sie während der Prüfung auf die Toilette müssen … bla, bla, bla“).

Um kurz nach 9 Uhr wurden dann die immerhin stattliche 63 Seiten langen Fragenhefte ausgeteilt und die Prüfung begann. Kaum war ich im Kreuzen drin sank dann glücklicherweise auch die Aufregung und ich konnte mich auf die 160 Fragen zu Physik, Physio, Chemie und Biochemie voll konzentrieren. Nachdem ich mich einmal komplett durch das Fragenheft durchgearbeitet hatte, machte ich mich danach an die Fragen, bei denen ich mich nicht gleich beim ersten Durchgang für eine Antwort entscheiden konnte.

Erfahrungsgemäß braucht man am ersten Tag für die 160 Fragen deutlich länger, als am zweiten, da relativ viele Rechenaufgaben dabei sind. Dementsprechend war ich nach etwas mehr als 3,5 Stunden fertig.

Tag 2:

Der zweite Tag – hatte man uns schon davor gesagt – ist der deutlich angenehmere der beiden Prüfungstage. Die Naturwissenschaften sind abgehakt, die Anatomiefragen sind berechenbarer als Physio und Biochemie und Psycho ist sowieso ein Punktelieferant. Und so war es dann auch. Nachdem wir wieder die morgendliche Belehrung (dieses Mal in der Kurzvariante) gehört hatten, ging das muntere Kreuzen wieder los. Dieses Mal allerdings viel flüssiger als am Tag davor. In Psycho waren zwar wie immer die Fragen ziemlich verklausuliert formuliert, „Psycho-Geschwurbel“ eben, letzten Endes zielen die Psycho-Fragen aber immer auf ähnliche Inhalte. Auch Bio, Histo und Anatomie liefen erfreulicherweise echt gut. Nach etwas mehr als 2 Stunden konnte ich deshalb Bleistift und Fragenheft weglegen, meine Prüfungsunterlagen abgeben und – ehrlich gesagt – in der festen Überzeugung bestanden zu haben – den Prüfungssaal verlassen.

Und dann war es geschafft. Thea kam dann noch zur Halle, wo wir zusammen warteten, bis die Prüfungszeit vorbei war und ich mein Fragenheft wieder abholen durfte.

Zuhause habe ich dann meine Antworten bei Medi-Learn eingegeben. Per SMS kamen so gegen halb 9 abends die Ergebnisse. Laut Medi-Learn hat es zu einer guten 2 gereicht, sodass ich jetzt relativ entspannt auf den offiziellen Bescheid des Landesprüfungsamtes warten kann, der in den nächsten drei Wochen kommen sollte – also noch vor meinem mündlichen Prüfungstermin.

Mein Fazit: Mit der entsprechenden Vorbereitung ist das schriftliche Physikum echt machbar. Manchmal stößt man auf so typische IMPP-Fragen, bei denen man sich denkt „Wtf, nie gehört“, ist aber zum Glück eher selten. Die Lernerei und die am Ende insgesamt 7.307 gekreuzten Altfragen haben sich definitiv gelohnt, auch wenn es anstrengend war.

Die nächsten Tage werde ich es mir einfach gönnen, nichts für die Uni zu tun. Allerdings winkt dann aber auch schon wieder die Vorbereitung auf das mündliche Physikum. Bis dahin sind es aber ja noch fast vier Wochen …

Suchbegriffe

Es ist immer wieder spannend in den Suchbegriffen zu wühlen, die euch zu diesem Blog geführt haben. Deshalb möchte ich hier mal auf einige wenige eingehen:

blaulichtgeschichten: eine meiner Kategorien, in denen ich über manchmal mehr, manchmal weniger alltägliche Erfahrungen aus dem Rettungsdienst schreibe

kitteltraeger: ja, das bin ich. 😉

korneozyt: abgestorbene Zellen in der obersten Schicht der menschlichen Epidermis, dem Stratum disjunctum

zelle mikroskop: das eine guckt man durch das andere in Histologie an

durchtrittsstellen zwerchfell: Ein etwas umfangreicheres Thema, im Situs-Testat übrigens sehr gern gefragt. Im Zwerchfell gibt es mehrere Öffnungen, durch die verschiedene Strukturen aus der Brusthöhle in die Bauchhöhle oder zurück in die Brusthöhle treten. Wichtige Öffnungen des Zwerchfells mit den durchtretenden Strukturen sind:

  • Hiatus oesophageus: Oesophagus, linker N. phrenicus, Trunci vagales als Fortsetzung der beiden Nn. vagi
  • Foramen venae cavae: V. cava inferior, rechter N. phrenicus
  • Hiatus aorticus: Aorta, Ductus thoracicus
  • Trigonum sternocostale: A. und V. epigastrica superior

nach coopertest zusammenbrechen: ist mir jetzt nie passiert, kann es aber natürlich

mischung dormicum und propofol:  nach eigener Erfahrung beliebte Sedierung bei einer Koloskopie

anatomie klausur durchgefallen: Ist mir glücklicherweise erspart geblieben, kann aber gut mal passieren. Das ist aber beim ersten Mal kein Grund gleich den Teufel an die Wand zu malen oder sein Medizinstudium an den Haken zu hängen, man hat für jede Klausur drei Versuche: den Haupttermin und zwei Wiederholungsklausuren. Allerdings verliert man spätestens bei der zweiten Wiederholungsklausur meistens mindestens ein Semester, in der Vorklinik eher ein Jahr. Bei dreimaligem Nichtbestehen folgt die Exmatrikulation, dann ist das Studium wirklich zu Ende.

keine ablösung nach 12 stunden schicht im rettungsdienst: D zugegebenermaßen ein ziemlicher Mist, noch mehr wenn dann auch noch der Melder geht und der Feierabend in noch weitere Ferne rückt. In meinem Rettungsdienstbereich ist das glücklicherweise ziemlich eindeutig geregelt: Im Krankentransport darf die Leitstelle einen Auftrag, der maximal 15 Minuten über die eigentliche Arbeitszeit hinausgeht, ohne anzufragen schicken. Wird der Auftrag absehbar mehr als 15 Minuten über das Dienstende hinausgehen, muss die Leitstelle das davor mit der Fahrzeugbesatzung abklären. Anders ist die Situation natürlich bei Notfalleinsätzen. Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass ich glücklicherweise noch nie in der Situation war, dass nach 12 Stunden einfach keine Ablösung kam.

arbeitskreis zukunft brk neustadt aisch: keine Ahnung, was das mit meinem Blog zu tun hat

Mortui vivos docent

Die Toten lehren die Lebenden. So lautet der traditionelle Leitspruch des Präparierkurses. Und eben dieser ist heute zu Ende gegangen. Vier intensive, anstrengende, lehrreiche Monate finden ihr Ende in einer sechs Seiten langen Liste von 292 anonymisierten Ergebnissen des letzten Testats vom heute Morgen.

Das wars, Präparierkurs ist Geschichte und die scheinbar endlosen Stunden am Präp-Tisch und am Schreibtisch haben sich gelohnt.

Neben der ganzen Freude, die jetzt gerade in mir aufkommt ist da aber noch ein ganz anderes Gefühl, das jetzt, wo die Anspannung von uns abfällt, nicht zu kurz kommen darf: Dankbarkeit – den 38 Körperspendern, die uns in diesem Semester begleitet haben. Die uns in unserem Studium, der ärztlichen Ausbildung, einen großen Schritt weitergebracht haben. Zweifellos: Die Arbeit an ihren sterblichen Überresten hat uns alle verändert, nicht nur fachlich – indem wir die Anatomie dieses hochkomplexen Organismus‘ „Mensch“ kennen gelernt haben – sondern auch menschlich. Sie hat uns geprägt, vielleicht wie nichts anderes in unserem Leben zuvor.

Letzten Dienstag habe ich unsere Körperspenderin das letzte Mal gesehen. Präpariert haben wir nicht mehr sehr viel, dafür haben wir erfahren woran sie – deren Namen ich nie erfahren werde – gestorben ist. Im Laufe des Kurses hatten wir einige pathologische Veränderungen an ihr festgestellt, Stenosen am Colon beispielsweise oder entartetes, sprich tumoröses, Gewebe an der Schilddrüse. Verstorben ist sie aber vor rund einem Jahr im Alter von 85 Jahren an einem Vorderwandinfarkt.

Als wir sie danach ein letztes Mal mit dem formalin-getränkten Tuch und der schwarzen Kunststoffplane abdeckten erinnerte ich mich an den Moment, in dem wir sie das erste Mal aufgedeckt hatten und wir sie damals vor uns lag: leblos, kalt, helle Haut mir rot-bläulichen Leichenflecken, rasiertes Kopfhaar – aber noch unversehrt. Auf einem blanken Edelstahltisch im sachlich-kühlen Licht der Leuchtstoffröhre über ihr, umringt von zehn Medizinstudenten. Fremd.

Und inzwischen? Wir haben ihren Körper über vier Monate mehrere Stunden in der Woche kennen gelernt, und kennen den Menschen, der einmal gelebt hatte doch so überhaupt nicht. In welchen Verhältnissen hat sie gelebt? Hat sie Kinder oder Enkel hinterlassen? Wie hat ihre Familie ihren Tot aufgenommen? Und vor allem: Welche Gründe haben sie dazu gebracht, ihren Körper der Anatomie zur Lehre und zur Forschung und uns für unsere Ausbildung zu überlassen?

Fragen, auf die wir nie Antworten bekommen werden. Auch nicht beim Trauergottesdienst, den wir Studenten am Mittwoch für alle Körperspender gestalten und der den endgültigen Abschluss dieser Lebenserfahrung „Präpkurs“ bilden wird, zu dem auch alle Angehörigen eingeladen sind. Um Danke zu sagen, den Spendern, aber auch den Angehörigen, die nun, nach teilweise ein bis zwei Jahren Ungewissheit, was mit ihrem Verstorbenen gerade passiert, endlich einen Ort zum Trauern und zum sich an die gemeinsamen Jahre Erinnern bekommen werden.

Neuroanatomie – ein weites Feld

Hoffentlich kein zu weites Feld, um das geflügelte Wort von Effi Briests Vater aus Theodor Fontanes „Die Qual im Oberstufen-Deutschunterricht“, besser bekannt unter dem Namen „Effi Briest“, zu bemühen.

Es geht mit großen Schritten auf das letzte Präp-Kurs-Testat zu, ein schriftliches zum Abschluss. In 30 MC-Fragen wird in weniger als 1,5 Wochen unser Wissen zum Thema ZNS auf die Probe gestellt werden.

ZNS ist zwar – wie schon gesagt – ein weites Feld, aber auch ein ziemlich spannendes, obwohl – oder gerade weil – es noch so wenig erforscht ist. Beim Lernen stoße ich regelmäßig auf Formulierungen wie „Die Funktion von XY ist noch nicht genau belegt“ oder „Es wird vermutet, dass …“ Hier gelangen wir jetzt also langsam an Grenzen, an denen die bloße Lehre aufhört und Forschung beginnt. Genauso interessant am ZNS ist, dass man endlich Dinge versteht, die man zuvor in Physio oder Anatomie schnöde auswendig gelernt hatte, z.B. warum genau beim Pupillenreflex auch die Pupille kleiner wird, in die kein Licht einstrahlt. Oder warum es bei einer halbseitigen Schädigung des Rückenmarks zu einer so genannten dissoziierten Empfindungsstörung kommen kann, d.h. die protopathische Sensibilität (Druck-, Temperatur- und Schmerzempfindung) fällt auf der der Schädigung gegenüberliegenden Seite aus, während die epikritische Sensibilität (feine Tastempfindung, Vibration) auf der Seite der Schädigung ausfällt. Das heißt in der Praxis, der Patient würde bei einer linksseitigen Schädigung des Rückenmarks z.B. am rechten Bein keine groben Berührungen, Temperatur oder Schmerzen mehr spüren, sehr wohl aber Vibration. Am linken Bein wäre es entsprechend anders herum.

Was ZNS von den bisherigen Teile des Präpkurses unterscheidet ist, dass das Lernen nicht mehr hauptsächlich aus Telefonbuch-artigem Auswendiglernen besteht, wie es bei den Muskeln mit Ansatz, Ursprung, Innervation und Funktion oder bei den Gefäßen zu großen Teilen der Fall. Ich denke, ZNS muss man verstehen, sonst machen die unzähligen Bahnen und Faserbündel, die innerhalb des Gehirns, vom Gehirn ins Rückenmark und vom Rückenmark ins Gehirn ziehen keinen Sinn.

Jetzt wo der Präpkurs langsam aber sicher zu Ende geht – Montag und Dienstag sind die letzten beiden Kurstage – stellt sich tatsächlich so etwas wie Wehmut ein. Ich habe mir neulich mal wieder meine Artikel „Happy Birthday“ und „Erster Präpkurs-Tag“ vom Oktober 2014 zum Start des Präpkurses durchgelesen, mich an die Gefühle und Eindrücke erinnert, die ich damals hatte. Das war alles so neu und völlig ungewohnt. Der Umgang mit einem toten Menschen ist das eine, seinen Körper zu eröffnen, in in seiner Unversehrtheit zu verletzen, solange bis von ihm nur noch Knochen, Muskeln, Nerven, Blutgefäße und Eingeweide übrig bleiben, ist etwas ganz anderes. Doch das alles ist im Laufe der Wochen auf erschreckend schnelle Art und Weise natürlich geworden und hatte nach nur wenigen Stunden sein Abstoßendes, Unheimliches verloren.

Dennoch – bei aller wissenschaftlicher Sachlichkeit in der kühlen, Formalin-gesättigten Atmosphäre des Präpariersaals – ist unsere Körperspenderin auch nach den fast vier intensiven, anstrengenden Monaten, die wir zusammen mit ihr verbracht haben, immer noch das, was sie auch ganz am Anfang des Kurses gewesen war: Ein Mensch, um den Familie und Freunde getrauert haben oder es noch immer tun, der die schönen und schlimmen Seiten des Lebens gesehen und durchlebt hat.

Das Geschenk, das sie uns Medizinstudenten dadurch gemacht hat, dass sie ihren Körper nach ihrem Tod uns und unserer Ausbildung zu Verfügung gestellt hat, erfüllt mich mit Dankbarkeit und Ehrfurcht. Jedoch ist das ein anderes Thema, dem ich mich demnächst, wenn alles vorbei ist, in einem eigenen Artikel widmen werden.

Wie die Zeit vergeht

Es ist vollbracht. Das letzte mündliche Präp-Kurs-Testat ist bestanden! Es hätte zwar besser laufen können, aber abgehakt. Apropos abgehakt. Haken machte meine Prüferin auch gern.

Das Testat begann wie alle mündlichen Testate bisher mit fünf anatomischen Strukturen, die ich am Körperspender zeigen musste. Diese waren nicht sonderlich schwer und deshalb kein Problem. Danach ließ mich die Prüferin die Fossa pterygopalatina (bekannterweise ein seeeehr beliebtes Thema bei ihr) rauf- und runterbeten. Mit allen knöchernen Begrenzungen, allen Öffnungen (und den jeweiligen Schädelhöhlen mit denen die Fossa pterygopalatina durch ihre Öffnungen in Verbindung steht, alle Strukturen, die durch diese Löcher hindurchtreten (Arterien, Venen und Nerven mit all ihren Aufzweigungen). Dort kam ich dann leider irgendwann etwas ins Straucheln.

Nun zum Ganglion pterygopalatinum, einem Ganglion in eben jener Fossa, die wir gerade schon durchgekaut hatte. Wo kommen die präganglionären Fasern her, die zum Ganglion ziehen, welche werden am Ganglion umgeschaltet, welche nicht, wo ziehen die postganglionären Fasern hin und was innervieren sie. Das lief dann wieder deutlich besser. Nach 10 Minuten klingelte ihre Stoppuhr, normalerweise wäre das Testat jetzt zu Ende gewesen. Problem: Sie hatte mich aber ja erst zu einem großen Thema ausgefragt (das allerdings detailliert). Also noch einmal eine Frage: „Zählen Sie mir bitte die äußeren Zungenmuskeln auf, mit Ursprung, Ansatz, Innervation und Funktion.“ Ich war erleichtert. Das war ein Thema, was mein einfach runterleiern konnte. Und so bekam ich dann nach ca. 15 Minuten Testat (ungewöhnlich lang) mitgeteilt, dass ich bestanden hatte.

Und warum mag die Prüferin jetzt Haken, mag sich der ein- oder andere fragen? Die Prüfungsatmosphäre war ähnlich angenehm wie bei meinem Situs-Testat: ruhig, entspannt, freundlich, keine einzige unfaire Frage. Der Unterschied zum letzten Testat lag im Prüfungsmodus. Während mein Prüfer beim letzten Mal ein Fan von offenen Fragen war, über die man Minuten lang aus dem Bauch heraus referieren und sein Wissen zeigen konnte, hatte die Prüferin bei diesem Testat eine genaue Liste von Aspekten, die sie hören wollte. Und Punkte gab es nur, wenn sie ein Thema auf ihrer Liste abhaken konnte. Alles was man sonst noch wusste, war zwar schönes Beiwerk, half aber nichts.

Aber sei’s drum. Trotzdem bin ich meiner Prüferin für das Testat dankbar. Es war eine Prüfung, die gut zu bestehen war, wenn es vielleicht auch schwierig war, eine sehr gute Note zu bekommen.

Inzwischen hat die Vorbereitung auf die letzte Prüfung in diesem Semester begonnen: das schriftliche ZNS-Testat. Immerhin: Der Lernzielkatalog ist wieder etwas geschrumpft. Von 16 zurück auf 14 Seiten. Aber das sind jetzt noch einmal 2,5 Wochen am Riemen Reißen und dann ist das Semester fast vorbei. Noch 1,5 Wochen Blockseminare, aber ohne Note, ohne Klausur. Also sehr entspannt.

Unglaublich, wie schnell dieses Semester wieder vergangen ist. Es ging wirklich Schlag auf Schlag, ein Testat nach dem anderen. Insgesamt 12 dieses Semester bisher, und schon sind vier Monate rum. Und in nicht mehr ganz acht Monaten steht das Physikum an.

Bevor ich mir jetzt aber anfange Gedanken über das Physikum zu machen: Das kommende Wochenende ist endlich mal wieder eines zum genießen und zum Spaß haben. Morgen geht es wieder einmal mit den Kollegen vom DRK zum Nachtrodeln, was so viel heißt wie: hunderte Verrückte stürzen sich mit einem normalen Holzschlitten unter Flutlicht eine rote Skipiste runter und versuchen heil unten anzukommen. Letztes Jahr musste dieser Ausflug leider wegen schlechter Pistenverhältnisse ausfallen (auf Gras rodelt sich’s einfach schlecht) – dieses Jahr sieht es wieder gut aus.

Und wenn wir das Nachtrodeln unbeschadet überstanden haben, steht am Sonntag gleich noch der erste große San-Dienst des Jahres beim örtlichen Narrenumzug an. (Und nein, ich meine keine PEGIDA-Demonstration, auch wenn diese ungefähr den gleichen Inhalt haben. 😉 Aber PEGIDA gibt’s in meiner Heimatstadt zum Glück noch nicht)

Ich freu mich drauf.

In 15,5 Stunden …

Zugegeben: Es war etwas still geworden hier. In meinem letzten Artikel hatte ich euch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch gewünscht. Ich hoffe ihr konntet die Feiertage genießen und seid erfolgreich in das neue Jahr gestartet.

Nun ist das ganze aber auch schon wieder eine ganze Weile her, in der ich mich nicht gemeldet habe. Was ist seit dem passiert?

Zum einen waren Thea und ich Skifahren. In Davos Klosters dieses Mal und wieder einmal haben wir einen tollen Tag auf den Pisten verbracht. Im Laufe des Vormittags verschwanden die zunächst noch herumhängenden Wolken und gaben den Blick auf einen strahlend blauen Himmel frei, was jedoch leider dazu führte, dass die Pisten auf dem Süd-Ost-Hang relativ schnell zu Buckelpisten wurden und man aufpassen musste, dass man nicht alle Nase lang in einem sülzigen Tiefschnee-Hügel, den man übersehen hatte, stecken blieb.

Im nördlichen Teil des Skigebiets hatten die Wolken allerdings länger durchgehalten und bei -16° wehte ein eisiger Wind. Zwar nicht so schön fürs Auge wie auf den südlichen Pisten, dafür hatte ein Großteil der Skiwütigen an diesem Tag die nördlichen Pisten gemieden, die deshalb auch noch am Nachmittag in einer super präparierten Zustand waren – allerdings mit bockhartem Schnee.

Als letzte Abfahrt des Nachmittags stand dann die 12 km lange Talabfahrt an, und wie zu erwarten – sie liegt im Norden – war die Piste wie leer gefegt. Je weiter wir uns allerdings dem Tal näherten, desto vereister wurde die Piste und desto widriger wurden die Sichtverhältnisse. Bis hin zum Blindflug, bei dem wir beim Blick nach unten zu den Skiern entweder feststellten, deutlich schneller oder deutlich langsamer unterwegs zu sein, als gedacht, machte doch der Wind es einem wirklich schwer bei Null Sicht die eigene Geschwindigkeit einzuschätzen. Da endete der ein- oder andere Ziehweg schonmal im Skating. Als wir dann unten im Tal ankamen glich die Piste auf den letzten Metern einer einzigen Eisfläche. Als wir am Bus eintrafen erfuhren wir von den nach uns kommenden, dass nur ca. fünf Minuten nach uns die Talabfahrt wegen der Pistenverhältnisse gesperrt worden war und einige Minuten darauf wegen des böigen Winds auch ein Teil der Gondelbahnen und Lifte. Nichts desto trotz: Ein toller Tag!
Hütte am Kreuzweg

Jetzt aber zum Titel des Artikels: Was ist denn in 15,5 Stunden?

Was auf den wunderschönen Tag bei Skifahren folgte, endet bzw. endete heute Abend. Wieder einmal gehen 3,5 Wochen Vorbereitung auf das nächste, morgen früh anstehende Präp-Kurs-Testat zu Ende. Während ich jetzt hier im Bett liege, den Laptop auf meinen Oberschenkeln, steigt stetig die Aufregung wegen morgen. Thema ist Kopf/Hals. Ein scheinbar relativ kleines Präparationsgebiet – im Vergleich zu Situs, Rumpfwand oder Extremitäten. Aber eines, dass es in sich hat. Auf „kleinstem“ Raum eine Unmenge an Gefäßen und Nerven. Die 12 Hirnnerven z.B. mit ihren jeweiligen Kerngebieten im Hirnstamm und sämtlichen Nervenästen. Gerade bei Nerven wie dem N. trigeminus, facialis, glosspharyngeus und vagus sind das eine ganze Menge. Oder: sämtliche Durchtrittsstellen von Gefäßen und Nerven durch die Schädelbasis … Ein Traum, hoffentlich kein Albtraum.

Das alles wird morgen um 9:30 Uhr noch einmal auf die Probe gestellt. Noch weiß ich nicht, welchen Prüfer ich bekommen werde. Das erfahre ich, wie immer, erst morgen früh um 8:00 Uhr, was das verdammt mulmige Gefühl im Magen nicht gerade verbessert, weiß man doch von einigen Prüfern, dass sie die Fähigkeit besitzen, sämtliche Aufregung im Testat auf einmal verfliegen zu lassen und die für ihre angenehmen Fragen und wohlwollenden Benotungen bekannt sind (so wie mein Prüfer im Situs-Testat). Die Prüfer, bei denen ein Anatomie-Testat richtig Spaß machen kann. Auf der anderen Seite kennt man aber auch die Geschichten der Prüfer, die weiter nachhaken, wenn man nicht mehr weiter weiß, die Aufregung eher noch verschlimmern und am Ende streng benoten.

Egal wie das morgen ausgehen wird: Ich bin froh, wenn dieser Kursabschnitt rum ist und 3,5 Wochen Vorbereitung nach den 10 Minuten Testat vorbei sind. Und so morgen früh alles gut geht ist es dann nur noch ein schriftliches Testat auf dem Weg zum Ziel „Präp-Kurs-Schein“.

Noch drei Tage bis Tag X

Brust, Bauch, Becken … Brust, Bauch, Becken … Brust, Bauch, Becken … Abgänge der A. mesenterica superior, Abgänge der A. iliaca interna: A. umbilicalis, A. uterina, A. vesicalis inferior … Truncus sympathicus … Plexus hypogastricus inferior … Embryologische Entwicklung des Herzens …

Kennt ihr dieses Gefühl? Den ganzen Tag spuken irgendwelche Begriffe durch den Kopf und man versucht sie irgendwie zu ordnen. Morgens in der Uni, nachmittags am Schreibtisch, abends im Bett, nachts … sie rauben einem dem Schlaf. Und wie verrückt sucht man nach einer Lösung, einem Zusammenhang, wenn mal ein Begriff im Kopf auftaucht, mit dem man gerade nichts anfangen kann. Und denkt sich: „Verdammt, ich habe zu wenig gelernt.“

Genau so geht es mir gerade. Der Grund ist das anstehende dritte Präp-Kurs-Testat am Montag. Dieses mal wird mein Anatomie-Wissen zum Thema Brustsitus, Bauchsitus, Beckensitus und Retroperitonealraum auf die Probe gestellt.

Mit dem Lernzielkatalog bin ich inzwischen durch, bin eigentlich nur noch am wiederholen. Jetzt sitze ich gerade im Bett und während ich diesen Post schreibe kommt schon wieder mein innerer Schweinehund an und sagt mir: „Du hättest noch mehr lernen können“. Wobei ich glaube, damit hat er nicht recht. Irgendwann ist auch mal gut. Heute rühre ich kein bisschen Anatomie an. Die Stunden heute Nachmittag haben gereicht. Nicht mehr um diese Uhrzeit.

Und trotzdem drehen sich meine Gedanken derzeit eigentlich ausschließlich um Montag. Da beginnt auch gleichzeitig die letzte Woche vor den Weihnachtsferien. Das Bauchgefühl freut sich auf die Weihnachtszeit und auf das „einfach mal eine Woche nichts für die Uni tun müssen“, zumindest bis nach den Weihnachtsfeiertagen. Der Kopf mahnt aber an: „Du hast noch zwei Testate bis dahin. Anatomie am Montag und Physiologie am Dienstag.“

Arm ist doof

Am Montag steht das nächste Präp-Kurs-Testat an, ein schriftliches dieses Mal. Thema ist ventrale Rumpfwand und obere Extremität. Inzwischen bin ich mit dem Lernzielkatalog fast durch. Nur die Leitungsbahnen (Blutgefäße und Nerven) muss ich nochmal intensiv machen.

Gestern und heute waren Muskeln dran. Wenn man für ein Präp-Kurs-Testat Muskeln lernt, muss man zu jedem Muskel Ursprung, Ansatz, Innervation, Gefäßversorgung und Funktion können. Und am Arm sind das ziemlich viele Muskeln. Vor allem der Unterarm und die Hand sind ziemlich aufwendig und manchmal frage ich mich „Wer denkt sich denn sowas wie den Menschen aus?“ 😉

Hier mal als kleiner Anreiz zum selber Lernen eine Liste mit den Muskeln der oberen Extremität, ohne die ganzen Merkmale, die man dazu können muss:

Rotatorenmanschette:
M. supraspinatus
M. infraspinatus
M. subscapularis
M. teres minor

Sonstige Schultermuskeln:
M. deltoideus
M. coracobrachialis
M. teres major

Oberarmmuskulatur:

Flexorengruppe:
M. biceps brachii
M. brachialis

Extensorengruppe:
M. triceps brachii

Unterarmmuskulatur:

Oberflächliche Flexorengruppe:
M. pronator teres
M. palmaris longus
M. flexor carpi radialis
M. flexor carpi ulnaris
M. flexor digitorum superficialis

Tiefe Flexorengruppe:
M. flexor digitorum profundus
M. flexor pollicis longus
M. pronator quadratus

Radiale Extensorengruppe:
M. brachioradialis
M. extensor carpi radialis longus
M. extensor carpi radialis brevis

Oberflächliche Extensorengruppe:
M. extensor digitorum
M. extensor digiti minimi
M. extensor carpi ulnaris

Tiefe Extensorengruppe:
M. supinator
M. abductor pollicis longus
M. extensor pollicis longus
M. extensor indices

Handmuskulatur:

Thenarmuskulatur:
M. abductor pollicis brevis
M. opponens pollicis
M. adductor pollicis

Mittelhandmuskulatur:
Mm. lumbricales
Mm. interossei palmares I bis III
Mm. interossei dorsales I bis IV

Hypothenarmuskulatur:
M. abductor digiti minimi
M. flexor digiti minimi brevis
M. opponens digiti minimi
M. palmaris brevis

Mimimi?