Motivation

Die freien Tage nach dem schriftlichen Physikum haben gut getan. Nach den beiden Prüfungstagen war erstmal gehörig die Luft raus. Inzwischen stecke ich aber schon wieder mitten in der Vorbereitung auf das Mündliche.

Momentan besteht das tägliche Lernen vor allem darin, das was ich schon fürs Schriftliche gelernt hatte zu wiederholen und nicht wieder zu vergessen. Übermorgen, pünktlich zwei Wochen vor meinem Prüfungstermin, erfahre ich dann auch meine Prüfer: ein Anatom, ein Physiologe und ein Biochemiker.

Außerdem gibt es übermorgen und am Freitag jeweils nochmal einen Übungstermin im Mikroskopiersaal und im Präpsaal. In den Histo-Präparaten orientieren, Färbungen richtig zuordnen, Köhlern üben, sich am Körperspender wieder zurechtfinden. Das letzte Mal im Präpsaal war ich schließlich vor fast einem halben Jahr, das letzte Mal selbst mikroskopiert habe ich im 2. Semester.

Wenn ich meine mündlichen Prüfer weiß, kann ich mich dann auch im Gegensatz zum momentanen allgemeinen Wiederholen, gezielter auf die Prüfung vorbereiten. Jeder Prüfer hat zum Glück seine Lieblingsthemen, fragt manche Inhalte besonders gern ab oder lässt manche Themen fast komplett weg.

Ich muss allerdings auch zugeben, dass es nach dem überstandenen schriftlichen Physikum schon eher ein Zwingen ist, mich jeden Tag wieder für Stunden an den Schreibtisch zu setzen und das nochmal zu lernen, was man eigentlich schon davor gelernt hatte – einfach immer wieder, um es nicht zu vergessen. Mit dem Unterschied, dass es nicht wie im schriftlichen Physikum ausreicht, aus fünf Antworten die eine richtige oder falsche herauszufinden, sondern dass ich die Zusammenhänge jetzt auch selbst, aktiv und in eigenen Worten beschreiben können muss. Bei vielen Themen klappt das schon ganz gut, bei manchen eher noch weniger.

Auch wenn es nur noch ein Schritt in Richtung Klinik ist, die nächsten zwei Wochen werden noch einmal anstrengend und ich denke, ich werde noch mehr als einmal die Lust verlieren, mich an den Schreibtisch zu setzen.

Aber was muss, das muss nunmal …

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Schriftliches Physikum – Check!

Es ist das Wochenende nach dem schriftlichen Physikum und nachdem ich die letzten Tage ein bisschen unterwegs war, um einfach mal wieder meine Freizeit zu genießen, möchte ich euch doch noch von meinen Erlebnissen am Dienstag und Mittwoch erzählen.

Tag 1:

Eigentlich hatte ich in der Nacht vor dem ersten Prüfungstag erstaunlich gut geschlafen und war ausgeschlafen, als der Wecker klingelte. Schnell einen Happen gefrühstückt – sonderlich viel Hunger hatte ich am Dienstagmorgen nicht – und dann ging es schon los. Thea fuhr mich netterweise zur Prüfungshalle, wo schon einige meiner Kommilitonen wie bestellt und nicht abgeholt rumstanden und sich etwas angespannt unterhielten. Im Foyer der Halle dann Jacke und Rucksack abgelegt – um 8:30 Uhr war Einlass – und nach der Ausweis- und Zulassungsbescheid-Kontrolle ging es dann in den Prüfungssaal.

Im Großen Saal der Halle waren dann die rund 300 Plätze fein säuberlich vorbereitet, auf jedem Tisch lag eine Karte mit der Sitzplatznummer, eine Schreibunterlage mit dem Logo des Landesprüfungsamtes und der Antwortbogen. Vorne auf der Bühne saßen die zwei Prüfungsverantwortlichen und an den Längsseiten des Saals nochmal ungefähr 20 Aufsichtspersonen.

Eigentlich steht in den offiziellen Hinweisen zur Prüfung, dass sofort nach Betreten des Prüfungssaals der jeweilige Sitzplatz einzunehmen ist, darauf wurde aber zum Glück eher wenig Wert gelegt, sodass wir bis kurz vor 9 Uhr noch ein bisschen durch den Saal laufen und uns unterhalten konnten.

Bis wird dann einige Minuten vor Prüfungsbeginn „ganz herzlich zum ersten Tag des schriftlichen Teils des Ersten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung“ begrüßt wurden und gebeten wurden unsere Plätze einzunehmen. Bevor die Prüfung nun losgehen durfte folgten noch Hinweise zur Prüfung und die offizielle Belehrung („Die Prüfungszeit beträgt 4 Stunden und 0 Minuten, es sind 160 Fragen zu beantworten. Die gewählte Antwortmöglichkeit ist mit einem kräftigen Bleistiftstrich zu markieren. Hilfsmittel jeglicher Art sind nicht zugelassen. Wenn Sie während der Prüfung auf die Toilette müssen … bla, bla, bla“).

Um kurz nach 9 Uhr wurden dann die immerhin stattliche 63 Seiten langen Fragenhefte ausgeteilt und die Prüfung begann. Kaum war ich im Kreuzen drin sank dann glücklicherweise auch die Aufregung und ich konnte mich auf die 160 Fragen zu Physik, Physio, Chemie und Biochemie voll konzentrieren. Nachdem ich mich einmal komplett durch das Fragenheft durchgearbeitet hatte, machte ich mich danach an die Fragen, bei denen ich mich nicht gleich beim ersten Durchgang für eine Antwort entscheiden konnte.

Erfahrungsgemäß braucht man am ersten Tag für die 160 Fragen deutlich länger, als am zweiten, da relativ viele Rechenaufgaben dabei sind. Dementsprechend war ich nach etwas mehr als 3,5 Stunden fertig.

Tag 2:

Der zweite Tag – hatte man uns schon davor gesagt – ist der deutlich angenehmere der beiden Prüfungstage. Die Naturwissenschaften sind abgehakt, die Anatomiefragen sind berechenbarer als Physio und Biochemie und Psycho ist sowieso ein Punktelieferant. Und so war es dann auch. Nachdem wir wieder die morgendliche Belehrung (dieses Mal in der Kurzvariante) gehört hatten, ging das muntere Kreuzen wieder los. Dieses Mal allerdings viel flüssiger als am Tag davor. In Psycho waren zwar wie immer die Fragen ziemlich verklausuliert formuliert, „Psycho-Geschwurbel“ eben, letzten Endes zielen die Psycho-Fragen aber immer auf ähnliche Inhalte. Auch Bio, Histo und Anatomie liefen erfreulicherweise echt gut. Nach etwas mehr als 2 Stunden konnte ich deshalb Bleistift und Fragenheft weglegen, meine Prüfungsunterlagen abgeben und – ehrlich gesagt – in der festen Überzeugung bestanden zu haben – den Prüfungssaal verlassen.

Und dann war es geschafft. Thea kam dann noch zur Halle, wo wir zusammen warteten, bis die Prüfungszeit vorbei war und ich mein Fragenheft wieder abholen durfte.

Zuhause habe ich dann meine Antworten bei Medi-Learn eingegeben. Per SMS kamen so gegen halb 9 abends die Ergebnisse. Laut Medi-Learn hat es zu einer guten 2 gereicht, sodass ich jetzt relativ entspannt auf den offiziellen Bescheid des Landesprüfungsamtes warten kann, der in den nächsten drei Wochen kommen sollte – also noch vor meinem mündlichen Prüfungstermin.

Mein Fazit: Mit der entsprechenden Vorbereitung ist das schriftliche Physikum echt machbar. Manchmal stößt man auf so typische IMPP-Fragen, bei denen man sich denkt „Wtf, nie gehört“, ist aber zum Glück eher selten. Die Lernerei und die am Ende insgesamt 7.307 gekreuzten Altfragen haben sich definitiv gelohnt, auch wenn es anstrengend war.

Die nächsten Tage werde ich es mir einfach gönnen, nichts für die Uni zu tun. Allerdings winkt dann aber auch schon wieder die Vorbereitung auf das mündliche Physikum. Bis dahin sind es aber ja noch fast vier Wochen …

Biochemie – Hasta la vista!

… da war es nur noch ein Schein bis zum Physikum. Nachdem ich letzten Donnerstag die letzte von insgesamt drei Biochemie-Klausuren bestanden habe, habe ich nun auch dieses Fach abgeschlossen.

Grund genug an dieser Stelle auch mal unseren Biochemie-Profs Danke zu sagen – für zwei Jahre wirklich gut organisierte, strukturierte Lehre von sympathischen, freundlichen Dozenten, abgeschlossen von fair gestellten Klausuren.

Lebenszeichen

klopf, klopf … Ja, ich lebe noch! Nachdem ich mich jetzt seit über einem Monat nicht mehr gemeldet habe, gibt es hier endlich wieder etwas zu lesen. In den letzten fünf Wochen ist einiges passiert. Das vierte Semester ist vorbei gegangen wie im Flug. Kaum zu glauben, aber es ist tatsächlich bald schon wieder vorbei.

Das Biochemie-Praktikum ist geschafft. Es war interessanter als gedacht … und deutlich weniger stressig, als das Praktikums-Skript zunächst befürchten ließ. Eines muss man unseren Biochemikern wirklich lassen: sie machen richtig gute Lehre, die Vorlesungen sind gut strukturiert, die Anforderungen sind fair und sympathisch sind die Dozenten sowieso.

Auch das Physio-Seminar ist rum. Eine Veranstaltung von der bisher noch überhaupt nicht berichtet hatte. Hier ging es darum, anhand von sechs, teilweise ziemlich abwegigen Fallbeispielen, verteilt auf sechs Seminartage, sich beispielhafte Themengebiete der Physiologie zu erarbeiten, Fragen zum Fall zu beantworten und danach im Plenum vorzustellen.

Jetzt läuft gerade noch das Biochemie-Seminar, in dem die großen Themengebiete der Biochemie (Proteine, Molekularbiologie, Enzyme, Kohlenhydrate, Fette usw.) v.a. zur Vorbereitung auf das mündliche Physikum wiederholt werden.

Die Vorlesungen in Biochemie und Physiologie sind auf der Zielgerade. Noch diese Woche und nächste, dann ist dieses Kapitel auch vorbei. Die beiden Klausuren dazu stehen Anfang Juli an.

Und inzwischen hat auch der Medi-Learn-Kurs angefangen, das – ohne Schleichwerbung dafür machen zu wollen – wahrscheinlich bekannteste Physikums-Repetitorium. An den kommenden Wochenenden werden wir die ganzen kleinen Physikums-Fächer (Physik, Chemie, Biologie und Histologie) wiederholen. Und Mitte Juli, wenn die Klausuren vorbei sind, geht der eigentliche 30-tägige Blockkurs mit den Hauptfächern Anatomie, Physiologie, Biochemie und Psychologie/Soziologie los.

Es wird also ernst …    

Kein zurück mehr

Wie die Zeit vergeht … Es kommt mir fast noch wie gestern vor, als ich das Kursskript für den Präpkurs bekommen hatte. Wir waren alle angespannt und hatten die Befürchtung, eventuell an dieser größten Herausforderung in der Vorklinik scheitern zu können.

Und heute, gerade vor ein paar Stunden, habe ich meinen Antrag auf Zulassung zum Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung an das Landesprüfungsamt abgeschickt. Tatsächlich geht es jetzt also in großen Schritten auf das Physikum zu.

Für alle die in der Materie Medizinstudium nicht so weit drinstecken: Das Physikum ist das erste Staatsexamen im Lauf des Studiums. Wenn man alle Lehrveranstaltungen der Vorklinik erfolgreich besucht hat, das vorgeschriebene 90-tägige Krankenpflegepraktikum und eine Ausbildung in Erster Hilfe nachweisen kann, stellt man den Zulassungsantrag an das Landesprüfungsamt (das ist die Behörde, die für die Zulassung und die Organisation der Staatsexamen, das Ausstellen von Prüfungszeugnissen usw. zuständig ist) und bekommt, wenn der Antrag formgerecht gestellt wurde, einen Zulassungsbescheid für den Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung.

Das Physikum selbst besteht dann aus einem schriftlichen und einem mündlichen Prüfungsteil. Im schriftlichen Teil werden in insgesamt 320 Multiple-Choice-Fragen an zwei Tagen die Fächerkombinationen Anatomie/Biologie, Physiologie/Physik, Biochemie/Chemie und Psychologie/Soziologie geprüft. Das mündliche Physikum findet ein paar Wochen nach dem schriftlichen statt. Dabei werden jeweils drei Studenten mündlich von einer Prüfungskommission geprüft. Jede Kommission besteht aus einem Anatomen, einem Physiologen und einem Biochemiker der Uni, an der man studiert. Jeder Prüfling muss dabei zu jedem der drei Fächer rund 15 Minuten lang Fragen beantworten, wobei für die Anatomie ein zusätzlicher praktischer Prüfungsteil vorgesehen ist. Dabei kann der Prüfling je nach Belieben des Prüfers am Körperspender zu Strukturen gefragt werden, die er dann zeigen, benennen und erklären können muss, oder auch am Mikroskop zu histologischen Präparaten.

Das ganze erwartet mich dann im Herbst, das schriftliche Physikum Mitte August, das mündliche Anfang/Mitte September. Bis zur Scheinfreiheit für das Physikum fehlen mir jetzt nur noch zwei Scheine, Biochemie und Physiologie, die ich hoffentlich am 7. Juli nach den letzten Klausuren auch haben werde.

Was mir gerade im Kopf rumschwirrt

Die zweite Woche im neuen Semester ist auf der Zielgeraden. Das vierte ist es inzwischen – und das besteht ausschließlich aus Biochemie und ein bisschen Physiologie.

Neben fünf Vorlesungsstunden Biochemie findet an ein bis zwei Nachmittagen und Abenden in der Woche das Biochemie-Praktikum und -Seminar statt, was eine relativ umfangreiche Lehrveranstaltung ist. Insgesamt besteht das Praktikum aus neun Versuchstagen, die jeweils von einem Seminar begleitet werden. Jeder BC-Nachmittag beginnt mit einer ca. einstündigen Einführung in das Thema des Versuchstages und einer Vorbesprechung  der anstehenden Versuche. Danach geht es in die Praktikumsräume und dann wird „photometriert“ und „gelelektrophorest“ bis zum Geht-Nicht-Mehr. Sind die Versuche abgeschlossen und hoffentlich die Ergebnise herausgekommen, die im Skript gefordert und vorgesehen sind, geht es wieder zurück in den Seminarraum  – übrigens: es ist ziemlich nervig und zeitraubend, den kompletten Ansatz nochmal neu zu machen, weil man bei der Photometrie im Nachhinein feststellt, dass man vor einer guten Stunde beim Pipettieren Mist gebaut hat. Abgeschlossen wird der Tag dann von einem Abendseminar, in dem die Versuchsergebnisse besprochen und verglichen werden und es noch einmal eine Ladung theoretische Hintergründe zum Versuch gibt. Dann, nach gut 5,5 Stunden Biochemie-Dröhnung, naht das Ziel des Tages: die Unterschrift im Praktikumsskript. Um die zu bekommen muss allerdings noch ein Testat bestanden werden. Wie dieses Testat aussieht ist – wie im Physio-Praktikum auch – den Dozenten überlassen. Manchmal muss ein kurzes schriftliches Testat geschrieben werden, manchmal mündlich Fragen beantwortet werden und selten reicht auch eine aktive Mitarbeit und die bloße Abgabe des Versuchsprotokolls. (Zu den Testaten wäre aber zu sagen: Unser Biochemie-Prof. konnte uns bei der Einführungsveranstaltung zum Praktikum gleich etwas beruhigen: „Testate sind bei Ihnen durch den Präp-Kurs etwas vorbelastet. Da war ein Testat schon etwas, was man nicht im Spazierengehen bestehen konnte. Wir spielen da in eine ganz anderen Liga, das sind eher Testätchen.“) Also alles in allem ist das Biochemie-Praktikum eine manchmal etwas langwierige Angelegenheit, aber doch gut zu machen. Kein Vergleich zum Präp-Kurs im letzten Semester.


Ich schreibe diesen Artikel gerade mühsam auf Theas Netbook, ja genau so einem kleinen, Ladebalken-verliebten PC-Ding ohne DVD-Laufwerk, das den Namen Laptop nicht verdient hat. Der Grund: Mein Laptop, der mir jetzt vier Jahre treue Dienste geleistet hat, ist am Wochenende abgeraucht. Ein kurzer unangenehmer Geruch und dann: schwarzer Bildschirm. Die Analyse der PC-Fachkraft meines Vertrauens ergab, dass sich das Motherboard verabschiedet hatte, Reparaturkosten mindestens 500 €, vielleicht auch 800. Also darf ich nachher viel Geld für einen neuen Laptop ausgeben; zum Glück kam gestern der Steuerbescheid mit einer ordentlichen Rückzahlung.


Und dann wäre da noch dieses aktuelle Unwort: „Lokführerstreik“. Um vorweg etwas zu meiner politischen Einstellung klar zu stellen: Meiner Meinung nach sind Gewerkschaften und alle sonstigen Arbeitsnehmervertretungen sinnvolle Einrichtungen und Streiks ein probates Mittel für Arbeitskämpfe. Aber das, was sich die GDL gerade mit ihrer pauschalen Streikandrohung leistet hat für mich nichts mehr mit einer verhältnismäßigen Durchsetzung der Arbeitnehmerinteressen zu tun. Anscheinend möchte hier ein einzelner GDL-Funktionär, Claus Weselsky, der Ober-Babo der Lokführer, seinen Machtgelüsten nachkommen – mit der Folge, dass der Arbeitskampf der GDL andauernd zum Zur-Arbeit-Kommen-Kampf für die tausenden anderen Arbeitnehmer wird, die jeden Tag versuchen mit der Bahn zur Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Mal ganz ehrlich: Ärzte und Pflegepersonal dürfen zum Beispiel nur außerhalb ihrer Arbeitszeit streiken, weil ein Ausstand des medizinischen Personals in Krankenhäusern den Patienten verständlicherweise nicht zuzumuten ist. Entschuldigt bitte meine Deutlichkeit, aber das musste ich loswerden.

Es geht wieder los

Hinter mir liegt ein Wochenende, das bis zum Rand mit Zeit für meine Hilfsorganisation gefüllt war. Vom gemeinsamen Ausflug zur „Kameradschaftspflege“ (ja so heißt das wirklich) und danach Sanitätsdienst bei einer Ü30-Party, gestern dann noch einmal Rettung-Fahren. Sechs Einsätze in acht Stunden, der erste bereits eine halbe Stunde vor dem eigentlichen Dienstbeginn, der letzte zehn Minuten vor Feierabend – Überstunden vorprogrammiert. Es war also gut was los für einen Sonntag.

Einer der gestrigen Einsätze könnte man der Kategorie „Kurioses“ zuordnen. Mit dem Stichwort „bewusstlos“ schickte uns die Leitstelle auf die Autobahn. Die Einsatzmeldung sei über die Polizei gekommen, dort wiederum habe ein Autofahrer angerufen und einen LKW im Baustellenbereich auf der rechten Spur gemeldet, dessen Fahrer bewusstlos über dem Lenkrad hänge. Eine denkbar ungeschickte Kombination, Rettungen aus hohen Fahrzeugen sind immer schwierig und ohne die Feuerwehr meistens nicht zu schaffen. Wenn der Patient dann auch noch bewusstlos oder sogar reanimationspflichtig ist wird die Sache noch verzwickter. Und das alles dann neben dem fließenden Verkehr auf der Autobahn.

Als wir auf die Autobahn auffuhren leuchteten uns schon eine Vielzahl von Bremslichtern entgegen; der auf der rechten Spur stehende LKW hatte wohl schon einen gehörigen Stau produziert. Zehn Minuten durften wir uns also unseren Weg durch die Rettungsgasse bahnen, die zugegebenermaßen hier richtig gut funktionierte. Auf halber Strecke überholte uns eine Streifenwagen der Autobahnpolizei, fuhr vor uns her und räumte uns schon einmal unseren Fahrweg zwischen den Autos frei.

Beim Eintreffen am LKW stellte sich die Situation aber glücklicherweise völlig anders als gemeldet heraus: der LKW hatte einen technischen Defekt uns stand auf der rechten Spur, der leicht verzweifelte Fahrer daneben. Vermutlich hatte ein vorbeifahrender Autofahrer in den LKW geblickt, den Fahrer genau in einem Moment gesehen, in dem er sich über das Lenkrad gebeugt hatte und besorgt die Polizei informiert. Sowohl für den LKW-Fahrer als auch für uns das eindeutig bestmögliche Ende dieses Einsatzes.

Apropos Ende: Die Semesterferien sind inzwischen schon wieder weit fortgeschritten. Heute in zwei Wochen geht das vierte Semester los. Ab heute werde ich wieder einen Teil meines Tages am Schreibtisch verbringen und langsam versuchen mir erneut Biochemie anzueignen. Relativ schnell nach Semesterbeginn steht die zweite Biochemie-Klausur an. Im Gegensatz zur ersten Klausur, in der es viel ums Grundsätze-Verstehen ging (Was sind eigentlich Proteine? Was machen Enzyme? Was ist DNA? usw.) waren vor allem Stoffwechselwege Inhalt der Biochemie-Vorlesung im letzten Semester. Und die gilt es jetzt auswendig zu lernen. Vom Kohlenhydratstoffwechsel mit seinen verschiedenen Auf- und Abbauwegen, dem Citratzyklus und der Atmungskette bis hin zum Stoffwechsel der Fette und der Nukleotide.

Die wirklich tollen Semesterferien neigen sich langsam aber sicher dem Ende entgegen und der Uni-Alltag beginnt wieder. Jetzt kommt aber noch ein großes ABER: Bis es wieder richtig losgeht sind es ja noch zwei Wochen. 😉

Katastrophe voraus – oder: wie manage ich einen Chaos-Tag?

Ich sitze hier in der anatomischen Lehrsammlung meiner Uni. In einer Viertelstunde beginnen die heutigen Vorlesungen. Eine halbe Stunde Biochemie-Lernen habe ich schon hinter mich gebracht; morgen steht die erste Klausur des Semesters an. Die noch verbleibende Zeit nutze ich um meinen Tagesablauf zu ordnen:

8:00 – 9:00: Vorlesung Anatomie B

9:00 – 11:00: Kurs mikroskopische Anatomie

11:00 – 12:00: Vorlesung Medizinische Psychologie

12:00 – 13:00: Vorlesung Psychologie I

13:00 – 14:00: Vorlesung Anatomie B

14:00 – 16:00: Ich darf vom einen Uni-Campus zum anderen fahren, um für das heutige Anamnese-Wahlfach am Abend in der Urologie einen Patienten zu organisieren, der sich bereit erklärt, sich von uns Studenten ausfragen zu lassen. Danach: sofort wieder zurück zum Campus, auf dem ich schon den Vormittag verbracht habe.

16:00 – 17:30: Seminar Molekulare Histologie (DeepInCyte … ja, so heißt das Ding)

17:30 – 18:00: Ich fahre wieder zum anderen Uni-Campus, auf dem ich heute Mittag hoffentlich einen netten Patienten gefunden haben werde.

18:00 – 20:00: Wahlfach Anamneseerhebung

20:00 – 20:45: Feierabend. Ab nach hause.

20:45 – 22:00: Noch einmal ein Stück Biochemie lernen. Und dann ab ins Bett, um morgen früh um 7:00 Uhr im Hörsaal zu sitzen, dann beginnt nämlich die Biochemie-Klausur.

Ach ja: Und wo baue ich die Pausen zum Essen ein? …

So, ab in den Hörsaal. Los geht’s.

Die Antwort auf eine Kindheitsfrage

Vor vielen, vielen Jahren hatte der Kittelträger einmal an die „Sendung mit der Maus“ geschrieben. Er wollte nämlich wissen, warum Wäsche eingeht, wenn man sie zu heiß wäscht? Eben heute bekam ich die Antwort auf diese Frage: in einer sehr praxisbezogenen Biochemie-Vorlesung über die Sekundärstruktur von Proteinen.

Wolle als Hauptbestandteil von Wollpullovern zum Beispiel ist nichts anderes als Haare von Schafen. Haare (und damit auch die Wolle) sind überwiegend aus Alpha-Keratin aufgebaut. Wie der Name schon sagt ist dieses Alpha-Keratin in Form einer so genannten Alpha-Helix aufgebaut. Diese Helix wird durch Wasserstoffbrückenbindungen in Form gehalten. Im industriellen Fertigungsprozess wird die Wolle heiß gewaschen, wodurch die Wasserstoffbrückenbindungen aufgebrochen werden und die Struktur der Helix in die Länge gezogen wird. Beim Abkühlen bilden sich neue Wasserstoffbrückenbindungen aus, die die Helix wiederum in Form halten, nur jetzt eben in die Länge gezogen.

Nun wird aus unglücklichsten Umständen zuhause der schöne Wollpullover dreckig, zum Beispiel weil ein überarbeiteter Medizinstudent seinen Kaffee darüber geleert hat. Also ab in die Wäsche damit. Wird der Pullover jetzt zu heiß gewaschen, werden die Wasserstoffbrückenbindungen wieder aufgebrochen, die Helices des Keratin verkürzen sich auf die ursprüngliche Länge (also auf die Länge vor der Verarbeitung). Ist der Pullover fertig gewaschen bilden sich wieder Wasserstoffbrückenbindungen aus, die die Alpha-Helix in ihrer Ursprungsstrukur halten. Die Folge: der arme Medizinstudent holt einen fertig gewaschenen und sauberen Pullover aus der Wäsche, der ihm allerdings wohl eher in dem Alter, in dem er noch an die „Sendung mit der Maus“ schrieb, gepasst hätte. Das führt dann dazu, dass der Student sich einen neuen Pullover kaufen muss, womit ein eindeutiger Zusammenhang zwischen den biochemischen Eigenschaften von Keratin und der Dicke des Geldbeutels eines Studenten gezogen werden kann. 😉

Seide (Fibroin) ist hingegen als so genanntes Beta-Faltblatt angeordnet. Dieses lässt sich nicht mehr weiter in die Länge ziehen, weswegen Seide auch nicht eingeht, wenn man sie zu heiß wäscht.

„Again what learned“ … Wieder was gelernt.