(Alters-)Depression im Seminargebäude

Wochenende. Nach dem Präpkurs und dem Physio-Praktikum sind inzwischen wieder vier weitere Scheine auf meinem Notenspiegel hinzugekommen. Ein einziger fehlt mir jetzt noch für dieses Semester und den werde ich am kommenden Dienstag erhalten – naja: erhalten ist vielleicht schlecht ausgedrückt, da es die guten alten Papier-Scheine bei uns nicht mehr gibt, sondern die Scheine inzwischen nur noch digital verarbeitet werden.

Diese fünf Scheine – die außer dem Präpkurs und Physio-Praktikum im 3. Semester noch erworben werden müssen – gehören zu den so genannten Integrierten Seminaren. Auf der Grundlage der Approbationsordnung (also dem Ding, was die Voraussetzungen dafür festlegt, um Arzt zu werden) sieht unsere Studienordnung (also das Ding, was die Approbationsordnung an der jeweiligen Uni umsetzt und den genauen Ablauf des Studiums regelt) sieben solcher 10-stündigen Seminare vor. Diese Art der Lehrveranstaltung wurde durch die Neuauflage der Approbationsordnung geschaffen und soll klinische Lehrinhalte frühzeitig in die Vorklinik integrieren – daher der Name. Hauptsächlich definieren sich die Integrierten Seminare glaube ich darüber, dass sie ganz neumodische Namen haben, z.B. „IS Deine Gene, dein Schicksal“ oder „IS Mir geht die Luft aus“.

Grundsätzlich finde ich, dass diese Seminare eine sinnvolle Sache sind, bringen sie doch wieder etwas mehr Klinik in die doch ziemlich Naturwissenschaften lastige Vorklinik. Das Problem ist leider, dass die Kursorganisation und -qualität sehr stark abhängig vom Lehrverantwortlichen bzw. dem Institut, das das Seminar durchführt, ist.

Ein Seminar zum Thema Arbeits- und Leistungsphysiologie fand gleich zu Anfang des Semesters in Blockform statt. Das zweite über das ZNS als Begleitveranstaltung parallel zum entsprechenden Präpkurs-Abschnitt. Die letzten drei Integrierten Seminare – eines zum Thema Humangenetik, eines zur alternden Gesellschaft und zur Medizin des Alterns und das dritte zu Lungenfunktionsstörungen – finden in Blockform zum Abschluss des Semesters statt, also jetzt in diesen Tagen. Zwei davon sind schon abgehakt, das humangenetische Seminar fand am Dienstag und gestern statt, das Seminar mit dem Namen „Mit 66 Jahren …“ (Na worum wird’s da wohl gehen?) gestern und heute.

Letzteres war leider eher ein Negativbeispiel für die Durchführung dieser Integrierten Seminare, auch wenn das Thema zweifellos relevant für unser zukünftiges Berufsbild sein wird (wenn man nicht gerade Pädiater werden will). Die Idee dahinter: In Gruppen zu je 20 Studenten verbringt man den ganzen Tag von 8 bis 17 Uhr in einem Seminarraum und jeweils nach einer Stunde wechseln die Dozenten, die aus den unterschiedlichsten klinischen Abteilungen kommen, den Raum und der nächste Dozent kommt … was vor allem im Laufe des späten Nachmittags sowohl für Studenten als auch für die Dozenten zur Zumutung werden kann. Wir Studenten bekommen im Stundentakt acht verschiedene Themen (z.B. Genetik des Alterns, Sexualität im Alter oder körperliche Fitness im Alter) „aufgetischt“ und die Dozenten müssen ein- und denselben einstündigen Vortrag ohne Pause vier Mal hintereinander vor anderen Gruppen halten, wobei Motivation und Konzentration von Studenten und Dozenten natürlich von Thema zu Thema immer weiter abnimmt.

Es hätte nicht besser passen können: Das letzte Thema, um das es dann heute nach sieben Stunden Powerpoint lastigem Frontalunterricht ging, war ausgerechnet die Altersdepression. Ein Hauch von Depression war da dann auch definitiv bei uns und unserer Dozentin festzustellen. Um dem ganzen noch ein multimediales Sahnehäubchen aufzusetzen ging dann auch noch der Beamer in unserem Seminarraum in der allseits leicht depressiven Grundstimmung in die Knie, sodass uns unsere Dozentin dann gestand, dass sie darauf jetzt eigentlich auch keine Lust mehr habe und deshalb versuchen werde, das ganze in einer halben Stunde ohne Beamer durchzuziehen. Dieser Versuch endete erfolgreich, sodass ich mich heute Abend mit nur noch zehn verbleibenden Stunden Präsenzzeit an der Uni in diesem Semester in ein tiefenentspanntes Wochenende verabschieden kann.

Endspurt. Am kommenden Dienstag um 19:00 Uhr wird dann das 3. Semester rum sein. Alle Prüfungen sind bestanden und – ehrlich gesagt – darauf bin ich schon auch ein ganz kleines bisschen stolz … und vor allem erleichtert.

Mortui vivos docent

Die Toten lehren die Lebenden. So lautet der traditionelle Leitspruch des Präparierkurses. Und eben dieser ist heute zu Ende gegangen. Vier intensive, anstrengende, lehrreiche Monate finden ihr Ende in einer sechs Seiten langen Liste von 292 anonymisierten Ergebnissen des letzten Testats vom heute Morgen.

Das wars, Präparierkurs ist Geschichte und die scheinbar endlosen Stunden am Präp-Tisch und am Schreibtisch haben sich gelohnt.

Neben der ganzen Freude, die jetzt gerade in mir aufkommt ist da aber noch ein ganz anderes Gefühl, das jetzt, wo die Anspannung von uns abfällt, nicht zu kurz kommen darf: Dankbarkeit – den 38 Körperspendern, die uns in diesem Semester begleitet haben. Die uns in unserem Studium, der ärztlichen Ausbildung, einen großen Schritt weitergebracht haben. Zweifellos: Die Arbeit an ihren sterblichen Überresten hat uns alle verändert, nicht nur fachlich – indem wir die Anatomie dieses hochkomplexen Organismus‘ „Mensch“ kennen gelernt haben – sondern auch menschlich. Sie hat uns geprägt, vielleicht wie nichts anderes in unserem Leben zuvor.

Letzten Dienstag habe ich unsere Körperspenderin das letzte Mal gesehen. Präpariert haben wir nicht mehr sehr viel, dafür haben wir erfahren woran sie – deren Namen ich nie erfahren werde – gestorben ist. Im Laufe des Kurses hatten wir einige pathologische Veränderungen an ihr festgestellt, Stenosen am Colon beispielsweise oder entartetes, sprich tumoröses, Gewebe an der Schilddrüse. Verstorben ist sie aber vor rund einem Jahr im Alter von 85 Jahren an einem Vorderwandinfarkt.

Als wir sie danach ein letztes Mal mit dem formalin-getränkten Tuch und der schwarzen Kunststoffplane abdeckten erinnerte ich mich an den Moment, in dem wir sie das erste Mal aufgedeckt hatten und wir sie damals vor uns lag: leblos, kalt, helle Haut mir rot-bläulichen Leichenflecken, rasiertes Kopfhaar – aber noch unversehrt. Auf einem blanken Edelstahltisch im sachlich-kühlen Licht der Leuchtstoffröhre über ihr, umringt von zehn Medizinstudenten. Fremd.

Und inzwischen? Wir haben ihren Körper über vier Monate mehrere Stunden in der Woche kennen gelernt, und kennen den Menschen, der einmal gelebt hatte doch so überhaupt nicht. In welchen Verhältnissen hat sie gelebt? Hat sie Kinder oder Enkel hinterlassen? Wie hat ihre Familie ihren Tot aufgenommen? Und vor allem: Welche Gründe haben sie dazu gebracht, ihren Körper der Anatomie zur Lehre und zur Forschung und uns für unsere Ausbildung zu überlassen?

Fragen, auf die wir nie Antworten bekommen werden. Auch nicht beim Trauergottesdienst, den wir Studenten am Mittwoch für alle Körperspender gestalten und der den endgültigen Abschluss dieser Lebenserfahrung „Präpkurs“ bilden wird, zu dem auch alle Angehörigen eingeladen sind. Um Danke zu sagen, den Spendern, aber auch den Angehörigen, die nun, nach teilweise ein bis zwei Jahren Ungewissheit, was mit ihrem Verstorbenen gerade passiert, endlich einen Ort zum Trauern und zum sich an die gemeinsamen Jahre Erinnern bekommen werden.

Neuroanatomie – ein weites Feld

Hoffentlich kein zu weites Feld, um das geflügelte Wort von Effi Briests Vater aus Theodor Fontanes „Die Qual im Oberstufen-Deutschunterricht“, besser bekannt unter dem Namen „Effi Briest“, zu bemühen.

Es geht mit großen Schritten auf das letzte Präp-Kurs-Testat zu, ein schriftliches zum Abschluss. In 30 MC-Fragen wird in weniger als 1,5 Wochen unser Wissen zum Thema ZNS auf die Probe gestellt werden.

ZNS ist zwar – wie schon gesagt – ein weites Feld, aber auch ein ziemlich spannendes, obwohl – oder gerade weil – es noch so wenig erforscht ist. Beim Lernen stoße ich regelmäßig auf Formulierungen wie „Die Funktion von XY ist noch nicht genau belegt“ oder „Es wird vermutet, dass …“ Hier gelangen wir jetzt also langsam an Grenzen, an denen die bloße Lehre aufhört und Forschung beginnt. Genauso interessant am ZNS ist, dass man endlich Dinge versteht, die man zuvor in Physio oder Anatomie schnöde auswendig gelernt hatte, z.B. warum genau beim Pupillenreflex auch die Pupille kleiner wird, in die kein Licht einstrahlt. Oder warum es bei einer halbseitigen Schädigung des Rückenmarks zu einer so genannten dissoziierten Empfindungsstörung kommen kann, d.h. die protopathische Sensibilität (Druck-, Temperatur- und Schmerzempfindung) fällt auf der der Schädigung gegenüberliegenden Seite aus, während die epikritische Sensibilität (feine Tastempfindung, Vibration) auf der Seite der Schädigung ausfällt. Das heißt in der Praxis, der Patient würde bei einer linksseitigen Schädigung des Rückenmarks z.B. am rechten Bein keine groben Berührungen, Temperatur oder Schmerzen mehr spüren, sehr wohl aber Vibration. Am linken Bein wäre es entsprechend anders herum.

Was ZNS von den bisherigen Teile des Präpkurses unterscheidet ist, dass das Lernen nicht mehr hauptsächlich aus Telefonbuch-artigem Auswendiglernen besteht, wie es bei den Muskeln mit Ansatz, Ursprung, Innervation und Funktion oder bei den Gefäßen zu großen Teilen der Fall. Ich denke, ZNS muss man verstehen, sonst machen die unzähligen Bahnen und Faserbündel, die innerhalb des Gehirns, vom Gehirn ins Rückenmark und vom Rückenmark ins Gehirn ziehen keinen Sinn.

Jetzt wo der Präpkurs langsam aber sicher zu Ende geht – Montag und Dienstag sind die letzten beiden Kurstage – stellt sich tatsächlich so etwas wie Wehmut ein. Ich habe mir neulich mal wieder meine Artikel „Happy Birthday“ und „Erster Präpkurs-Tag“ vom Oktober 2014 zum Start des Präpkurses durchgelesen, mich an die Gefühle und Eindrücke erinnert, die ich damals hatte. Das war alles so neu und völlig ungewohnt. Der Umgang mit einem toten Menschen ist das eine, seinen Körper zu eröffnen, in in seiner Unversehrtheit zu verletzen, solange bis von ihm nur noch Knochen, Muskeln, Nerven, Blutgefäße und Eingeweide übrig bleiben, ist etwas ganz anderes. Doch das alles ist im Laufe der Wochen auf erschreckend schnelle Art und Weise natürlich geworden und hatte nach nur wenigen Stunden sein Abstoßendes, Unheimliches verloren.

Dennoch – bei aller wissenschaftlicher Sachlichkeit in der kühlen, Formalin-gesättigten Atmosphäre des Präpariersaals – ist unsere Körperspenderin auch nach den fast vier intensiven, anstrengenden Monaten, die wir zusammen mit ihr verbracht haben, immer noch das, was sie auch ganz am Anfang des Kurses gewesen war: Ein Mensch, um den Familie und Freunde getrauert haben oder es noch immer tun, der die schönen und schlimmen Seiten des Lebens gesehen und durchlebt hat.

Das Geschenk, das sie uns Medizinstudenten dadurch gemacht hat, dass sie ihren Körper nach ihrem Tod uns und unserer Ausbildung zu Verfügung gestellt hat, erfüllt mich mit Dankbarkeit und Ehrfurcht. Jedoch ist das ein anderes Thema, dem ich mich demnächst, wenn alles vorbei ist, in einem eigenen Artikel widmen werden.

Wie die Zeit vergeht

Es ist vollbracht. Das letzte mündliche Präp-Kurs-Testat ist bestanden! Es hätte zwar besser laufen können, aber abgehakt. Apropos abgehakt. Haken machte meine Prüferin auch gern.

Das Testat begann wie alle mündlichen Testate bisher mit fünf anatomischen Strukturen, die ich am Körperspender zeigen musste. Diese waren nicht sonderlich schwer und deshalb kein Problem. Danach ließ mich die Prüferin die Fossa pterygopalatina (bekannterweise ein seeeehr beliebtes Thema bei ihr) rauf- und runterbeten. Mit allen knöchernen Begrenzungen, allen Öffnungen (und den jeweiligen Schädelhöhlen mit denen die Fossa pterygopalatina durch ihre Öffnungen in Verbindung steht, alle Strukturen, die durch diese Löcher hindurchtreten (Arterien, Venen und Nerven mit all ihren Aufzweigungen). Dort kam ich dann leider irgendwann etwas ins Straucheln.

Nun zum Ganglion pterygopalatinum, einem Ganglion in eben jener Fossa, die wir gerade schon durchgekaut hatte. Wo kommen die präganglionären Fasern her, die zum Ganglion ziehen, welche werden am Ganglion umgeschaltet, welche nicht, wo ziehen die postganglionären Fasern hin und was innervieren sie. Das lief dann wieder deutlich besser. Nach 10 Minuten klingelte ihre Stoppuhr, normalerweise wäre das Testat jetzt zu Ende gewesen. Problem: Sie hatte mich aber ja erst zu einem großen Thema ausgefragt (das allerdings detailliert). Also noch einmal eine Frage: „Zählen Sie mir bitte die äußeren Zungenmuskeln auf, mit Ursprung, Ansatz, Innervation und Funktion.“ Ich war erleichtert. Das war ein Thema, was mein einfach runterleiern konnte. Und so bekam ich dann nach ca. 15 Minuten Testat (ungewöhnlich lang) mitgeteilt, dass ich bestanden hatte.

Und warum mag die Prüferin jetzt Haken, mag sich der ein- oder andere fragen? Die Prüfungsatmosphäre war ähnlich angenehm wie bei meinem Situs-Testat: ruhig, entspannt, freundlich, keine einzige unfaire Frage. Der Unterschied zum letzten Testat lag im Prüfungsmodus. Während mein Prüfer beim letzten Mal ein Fan von offenen Fragen war, über die man Minuten lang aus dem Bauch heraus referieren und sein Wissen zeigen konnte, hatte die Prüferin bei diesem Testat eine genaue Liste von Aspekten, die sie hören wollte. Und Punkte gab es nur, wenn sie ein Thema auf ihrer Liste abhaken konnte. Alles was man sonst noch wusste, war zwar schönes Beiwerk, half aber nichts.

Aber sei’s drum. Trotzdem bin ich meiner Prüferin für das Testat dankbar. Es war eine Prüfung, die gut zu bestehen war, wenn es vielleicht auch schwierig war, eine sehr gute Note zu bekommen.

Inzwischen hat die Vorbereitung auf die letzte Prüfung in diesem Semester begonnen: das schriftliche ZNS-Testat. Immerhin: Der Lernzielkatalog ist wieder etwas geschrumpft. Von 16 zurück auf 14 Seiten. Aber das sind jetzt noch einmal 2,5 Wochen am Riemen Reißen und dann ist das Semester fast vorbei. Noch 1,5 Wochen Blockseminare, aber ohne Note, ohne Klausur. Also sehr entspannt.

Unglaublich, wie schnell dieses Semester wieder vergangen ist. Es ging wirklich Schlag auf Schlag, ein Testat nach dem anderen. Insgesamt 12 dieses Semester bisher, und schon sind vier Monate rum. Und in nicht mehr ganz acht Monaten steht das Physikum an.

Bevor ich mir jetzt aber anfange Gedanken über das Physikum zu machen: Das kommende Wochenende ist endlich mal wieder eines zum genießen und zum Spaß haben. Morgen geht es wieder einmal mit den Kollegen vom DRK zum Nachtrodeln, was so viel heißt wie: hunderte Verrückte stürzen sich mit einem normalen Holzschlitten unter Flutlicht eine rote Skipiste runter und versuchen heil unten anzukommen. Letztes Jahr musste dieser Ausflug leider wegen schlechter Pistenverhältnisse ausfallen (auf Gras rodelt sich’s einfach schlecht) – dieses Jahr sieht es wieder gut aus.

Und wenn wir das Nachtrodeln unbeschadet überstanden haben, steht am Sonntag gleich noch der erste große San-Dienst des Jahres beim örtlichen Narrenumzug an. (Und nein, ich meine keine PEGIDA-Demonstration, auch wenn diese ungefähr den gleichen Inhalt haben. 😉 Aber PEGIDA gibt’s in meiner Heimatstadt zum Glück noch nicht)

Ich freu mich drauf.

In 15,5 Stunden …

Zugegeben: Es war etwas still geworden hier. In meinem letzten Artikel hatte ich euch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch gewünscht. Ich hoffe ihr konntet die Feiertage genießen und seid erfolgreich in das neue Jahr gestartet.

Nun ist das ganze aber auch schon wieder eine ganze Weile her, in der ich mich nicht gemeldet habe. Was ist seit dem passiert?

Zum einen waren Thea und ich Skifahren. In Davos Klosters dieses Mal und wieder einmal haben wir einen tollen Tag auf den Pisten verbracht. Im Laufe des Vormittags verschwanden die zunächst noch herumhängenden Wolken und gaben den Blick auf einen strahlend blauen Himmel frei, was jedoch leider dazu führte, dass die Pisten auf dem Süd-Ost-Hang relativ schnell zu Buckelpisten wurden und man aufpassen musste, dass man nicht alle Nase lang in einem sülzigen Tiefschnee-Hügel, den man übersehen hatte, stecken blieb.

Im nördlichen Teil des Skigebiets hatten die Wolken allerdings länger durchgehalten und bei -16° wehte ein eisiger Wind. Zwar nicht so schön fürs Auge wie auf den südlichen Pisten, dafür hatte ein Großteil der Skiwütigen an diesem Tag die nördlichen Pisten gemieden, die deshalb auch noch am Nachmittag in einer super präparierten Zustand waren – allerdings mit bockhartem Schnee.

Als letzte Abfahrt des Nachmittags stand dann die 12 km lange Talabfahrt an, und wie zu erwarten – sie liegt im Norden – war die Piste wie leer gefegt. Je weiter wir uns allerdings dem Tal näherten, desto vereister wurde die Piste und desto widriger wurden die Sichtverhältnisse. Bis hin zum Blindflug, bei dem wir beim Blick nach unten zu den Skiern entweder feststellten, deutlich schneller oder deutlich langsamer unterwegs zu sein, als gedacht, machte doch der Wind es einem wirklich schwer bei Null Sicht die eigene Geschwindigkeit einzuschätzen. Da endete der ein- oder andere Ziehweg schonmal im Skating. Als wir dann unten im Tal ankamen glich die Piste auf den letzten Metern einer einzigen Eisfläche. Als wir am Bus eintrafen erfuhren wir von den nach uns kommenden, dass nur ca. fünf Minuten nach uns die Talabfahrt wegen der Pistenverhältnisse gesperrt worden war und einige Minuten darauf wegen des böigen Winds auch ein Teil der Gondelbahnen und Lifte. Nichts desto trotz: Ein toller Tag!
Hütte am Kreuzweg

Jetzt aber zum Titel des Artikels: Was ist denn in 15,5 Stunden?

Was auf den wunderschönen Tag bei Skifahren folgte, endet bzw. endete heute Abend. Wieder einmal gehen 3,5 Wochen Vorbereitung auf das nächste, morgen früh anstehende Präp-Kurs-Testat zu Ende. Während ich jetzt hier im Bett liege, den Laptop auf meinen Oberschenkeln, steigt stetig die Aufregung wegen morgen. Thema ist Kopf/Hals. Ein scheinbar relativ kleines Präparationsgebiet – im Vergleich zu Situs, Rumpfwand oder Extremitäten. Aber eines, dass es in sich hat. Auf „kleinstem“ Raum eine Unmenge an Gefäßen und Nerven. Die 12 Hirnnerven z.B. mit ihren jeweiligen Kerngebieten im Hirnstamm und sämtlichen Nervenästen. Gerade bei Nerven wie dem N. trigeminus, facialis, glosspharyngeus und vagus sind das eine ganze Menge. Oder: sämtliche Durchtrittsstellen von Gefäßen und Nerven durch die Schädelbasis … Ein Traum, hoffentlich kein Albtraum.

Das alles wird morgen um 9:30 Uhr noch einmal auf die Probe gestellt. Noch weiß ich nicht, welchen Prüfer ich bekommen werde. Das erfahre ich, wie immer, erst morgen früh um 8:00 Uhr, was das verdammt mulmige Gefühl im Magen nicht gerade verbessert, weiß man doch von einigen Prüfern, dass sie die Fähigkeit besitzen, sämtliche Aufregung im Testat auf einmal verfliegen zu lassen und die für ihre angenehmen Fragen und wohlwollenden Benotungen bekannt sind (so wie mein Prüfer im Situs-Testat). Die Prüfer, bei denen ein Anatomie-Testat richtig Spaß machen kann. Auf der anderen Seite kennt man aber auch die Geschichten der Prüfer, die weiter nachhaken, wenn man nicht mehr weiter weiß, die Aufregung eher noch verschlimmern und am Ende streng benoten.

Egal wie das morgen ausgehen wird: Ich bin froh, wenn dieser Kursabschnitt rum ist und 3,5 Wochen Vorbereitung nach den 10 Minuten Testat vorbei sind. Und so morgen früh alles gut geht ist es dann nur noch ein schriftliches Testat auf dem Weg zum Ziel „Präp-Kurs-Schein“.

Yabadabadoo!

… um es mal mit den Worten von Fred Feuerstein zu sagen. Das achte Physio-Testat ist bestanden und das bedeutet: das Physio-Praktikum ist Geschichte! Wieder ein Schein mehr. 🙂

Und außerdem waren das jetzt alle noch übrigen Testate vor Weihnachten. Die nächste Prüfung steht erst wieder in über einem Monat an. Was für ein Gefühl! So entspannt war ich seit Anfang des Semesters nicht mehr. Die Gewissheit, jetzt einfach 1,5 Wochen nichts für die Uni tun zu müssen ist sagenhaft.

Morgen noch drei Stunden Präp-Kurs, aber ganz entspannt. Dann stehen in den nächsten Tagen drei Schichten auf der Rettungswache an. Und da freu ich mich wirklich drauf! Außerdem haben Thea und ich gestern unseren ersten von wahrscheinlich zwei Ski-Ausflügen für diese Saison gebucht …

Einfach nur toll gerade … jetzt kann es endlich Weihnachten werden!

P.S.: Jetzt habe ich auch endlich Zeit Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Ist ja noch eine Woche.

Unglaublich!!!

Liebe Leute, heute ist ein toller Tag! Das heutige Situs-Testat lief einfach perfekt. Wie bei jedem mündlichen Präp-Kurs-Testat musste ich zunächst fünf Strukturen am Körperspender zeigen. Schon die waren wirklich machbar: Zwerchfell, V. brachiocephalica dextra, N. ilioinguinalis, Fossa ovalis und dann das Lig. arteriosum Botalli. Die letzte Struktur benutzte der Prüfer, der Leiter des Präp-Kurses und des gesamten Körperspendewesens an meiner Uni und einer der besten Prüfer, die man sie nur vorstellen kann, als Überleitung zur den Theorie-Fragen: „Welche physiologische Bedeutung hat das Lig. arteriosum denn?“ Ich darauf: „Das ist der obliterierte Ductus arteriosus Botalli, ein physiolischer Recht-Links-Shunt zwischen Truncus pulmonalis und Aortenbogen im Rahmen des fetalen Kreislaufs. Soll ich gleich noch etwas zum fetalen Kreislauf erzählen?“ Er grinste mich an und auf sein „Ja bitte!“ musste ich mir ebenfalls ein freudiges Grinsen unterdrücken. Der fetale Kreislauf, eines meiner Lieblingsthemen. Ich hatte genau dieses Thema für ein Referat im Präp-Kurs vorbereitet und schmiß ihm jetzt alle Fakten um die Ohren bis mir nichts mehr einfiel. Danach sollte ich ihm die embryologische Entwicklung der Niere erklären. Auch das klappte wunderbar. Darauf er: „Und dann gehen wir nochmal eine Etage tiefer. Erzählen Sie mir noch was zur Defäkation bzw. warum wir in aller Regel dicht sind“ (Das hat er wirklich so gesagt 😉 ). Also Zielgerade. Ich konnte ihm das gesamte Kontinenzorgan mit allen Bestandteilen (Sphinkter, Plicae, Sinus anales etc.) aufzählen, woraufhin ihm nichts mehr einfiel und er mir nach 13 Minuten Testat gratulierte und mir noch eine schöne Weihnachtszeit wünschte.

Mit Sicherheit lag dieses Ergebnis aber auch an der Atmosphäre, die mein Prüfer während des Testats ausstrahlte. Beginnend bei der Begrüßung per Handschlag und der Frage, wir es mir denn so gehe, seiner natürlichen Freundlichkeit während des ganzen Testats, seinem zustimmenden Nicken. Im Nachhinein kann ich sogar behaupten, das mir das Testat, was weniger Prüfung denn einfach ein angenehmes Gespräch war, tatsächlich Spaß gemacht hat, so komisch das klingt. Das war so ein Moment, in dem ich mir endlich einmal wieder dachte: „Ja verdammt … Und genau deshalb studierst du das, was du studierst!“

Jetzt muss morgen Nachmittag nur noch das Physio-Testat zum Thema Sensorik und Reflexe klappen, dann ist das Phsysiologie-Praktikum bestanden und es kann Weihnachten werden. Ich freue mich so tierisch darauf, einfach mal eine Woche nichts für die Uni tun zu müssen und wünsche auch euch eine schöne Rest-Adventszeit und schöne Weihnachtstage.

Bis bald,

euer über beide Ohren grinsender Kittelträger.

Noch drei Tage bis Tag X

Brust, Bauch, Becken … Brust, Bauch, Becken … Brust, Bauch, Becken … Abgänge der A. mesenterica superior, Abgänge der A. iliaca interna: A. umbilicalis, A. uterina, A. vesicalis inferior … Truncus sympathicus … Plexus hypogastricus inferior … Embryologische Entwicklung des Herzens …

Kennt ihr dieses Gefühl? Den ganzen Tag spuken irgendwelche Begriffe durch den Kopf und man versucht sie irgendwie zu ordnen. Morgens in der Uni, nachmittags am Schreibtisch, abends im Bett, nachts … sie rauben einem dem Schlaf. Und wie verrückt sucht man nach einer Lösung, einem Zusammenhang, wenn mal ein Begriff im Kopf auftaucht, mit dem man gerade nichts anfangen kann. Und denkt sich: „Verdammt, ich habe zu wenig gelernt.“

Genau so geht es mir gerade. Der Grund ist das anstehende dritte Präp-Kurs-Testat am Montag. Dieses mal wird mein Anatomie-Wissen zum Thema Brustsitus, Bauchsitus, Beckensitus und Retroperitonealraum auf die Probe gestellt.

Mit dem Lernzielkatalog bin ich inzwischen durch, bin eigentlich nur noch am wiederholen. Jetzt sitze ich gerade im Bett und während ich diesen Post schreibe kommt schon wieder mein innerer Schweinehund an und sagt mir: „Du hättest noch mehr lernen können“. Wobei ich glaube, damit hat er nicht recht. Irgendwann ist auch mal gut. Heute rühre ich kein bisschen Anatomie an. Die Stunden heute Nachmittag haben gereicht. Nicht mehr um diese Uhrzeit.

Und trotzdem drehen sich meine Gedanken derzeit eigentlich ausschließlich um Montag. Da beginnt auch gleichzeitig die letzte Woche vor den Weihnachtsferien. Das Bauchgefühl freut sich auf die Weihnachtszeit und auf das „einfach mal eine Woche nichts für die Uni tun müssen“, zumindest bis nach den Weihnachtsfeiertagen. Der Kopf mahnt aber an: „Du hast noch zwei Testate bis dahin. Anatomie am Montag und Physiologie am Dienstag.“

Wieder eins weniger

Auch wenn die Vorbereitung auf die Präp-Kurs-Testate den größten Teil der Schreibtischarbeit für sich beansprucht – den Wochenrhythmus geben die Testate im Physiologie-Praktikum vor. Jeden Dienstag steht eines an. Heute war es der Versuch zum Thema Niere, Wasser- und Elektrolythaushalt. Und … olé olé … alles was ich zum Bestehen des Testats wissen musste war der Normbereich der Harnstoff-Konzentration im Serum. 3,3 – 8,3 mmol/l. Bestanden!

Besonders spannend aber, wie der Prof. seine Testate durchführt: Wie ich ja schon geschrieben hatte, führen die meisten Dozenten ihre Versuchstestate als kurze schriftliche Tests mit zwei oder drei Fragen durch. Anders dieser Prof.: Er steht zu Versuchsbeginn an der Eingangstür zum Praktikumsraum und fragt jeden Studenten mündlich. Jeder muss entweder einen Normwert für Konzentrationen im Serum nennen oder irgendwelche Parameter der Niere und des Urins oder die hormonelle Regulation der Urinausscheidung (Aldosteron, ADH etc.) erklären. Weiß man die Antwort nicht, fragt er einfach noch einen anderen Wert. Und weiß man den auch nicht fragt er zur Not auch noch einen dritten. Nur wenn er merkt, dass man sich wirklich überhaupt nicht vorbereitet hat fällt man durch – was heute bei keinem passiert ist. Einfach ein tiefenentspannter Prof.

Sechs Physio-Testate sind erledigt. Bleiben als noch drei. Wenn ich die nächsten zwei bestehe muss ich zu dem einen Versuchstag, der nach Weihnachten noch übrig ist gar nicht mehr gehen. Acht bestandene Testate reichen aus.

Und der Countdown bis Weihnachten läuft auch: noch drei Testate, zweimal Physio, einmal Präp-Kurs.

Anstrengend

Wie der Titel schon sagt: Zurzeit ist es echt anstrengend an der Uni. Nachdem das zweite Präp-Kurs-Testat (ventrale Rumpfwand und obere Extremität) am Montag geschafft und bestanden ist, stecke ich inzwischen schon wieder mitten in der Vorbereitung auf das dritte Testat, dieses Mal zum Thema Brust-, Bauch- und Beckensitus; wieder ein mündliches. Das Tempo zieht gewaltig an. Der Inhalt des Lernzielkatalogs für das Testat in gut 2,5 Wochen hat sich im Vergleich zum zweiten Testat verdoppelt.

Und dann gibt es da noch einen zusätzlichen Stressor, über den ich bisher noch gar nicht geschrieben habe: Das Physiologie-Praktikum. In diesem Praktikum untersucht man in neun Versuchstagen (jede Woche einer) hauptsächlich an sich selbst die verschiedenen physiologischen Funktionen des Körpers. Die neun Versuchstage sind insgesamt drei Blöcken zugeordnet:

  • Muskel-, Herz- und Kreislaufphysiologie
  • Ventilation, Säure-Basen-Haushalt und Niere
  • Sensorik (Sehen, Hören, Reflexe)

Das Praktikum selbst ist eigentlich wirklich interessant, da die Inhalte aus der Physiologie-Vorlesung im letzten Semester endlich praktisch angewendet werden und man so vieles leichter versteht und vor allem selbst ausprobieren kann. Das Stressige daran ist aber, dass man zu jedem Versuchstag ein Testat schreibt. In der Regel sind das kurze schriftliche Testate mit zwei oder drei Fragen, die bestanden werden müssen. Je nach Versuch finden diese Tests zu Beginn oder nach Ende des Versuchstags statt. Wenn das Testat nicht bestanden wird, gilt der gesamte Versuchstag als nicht bestanden, d.h. wie wenn man gar nicht da gewesen wäre. Von den insgesamt neun Versuchstagen müssen mindestens acht bestanden werden. Krankwerden ist also während des gesamten Semesters keine tolle Idee, dann ist nämlich der eine „Freischuss“, den man hat schon futsch.

Auch die Testate selbst wären nicht das Problem, wenn nicht manche der für die Versuche verantwortlichen Dozenten den Anschein machen würden, sie müssten die scheinbare Minderwertigkeit der Physiologie (im zweiten Semester ist Histo wichtiger, im dritten der Präp-Kurs und im vierten Biochemie) durch entsprechend anspruchsvolle Testate ausgleichen. Besonders einer der Dozenten tritt dabei massiv hervor. Dieser soll vorletzte Woche zu einem anderen Dozenten nach dem Testat gesagt haben, es sei schade, dass dieses Mal NUR vier (von ca. 15) Studenten durchgefallen seien.

Leider führt das Physio-Praktikum dazu, dass man bei all dem Stoff, den man durch den Präp-Kurs bereits um die Ohren hat, jede Woche einen Tag praktisch komplett für die Vorbereitung auf das nächste Physio-Testat verliert.

Habe ich eigentlich schon einmal erwähnt, dass ich mich tierisch auf die Weihnachtsferien freue, die in 3,5 Wochen beginnen, auch wenn oder gerade weil bis dahin noch drei Physio- und ein Präp-Kurs-Testat anstehen …