cand. med. – Tschüss Vorklinik!

Am Donnerstag um 17:30 Uhr war es vollbracht: Der mündlich-praktische Teil des Physikums ist vorbei, ich habe bestanden, konnte meine wirklich mehr als zufriedenstellende Note aus dem Schriftliche halten und habe die Vorklinik endlich erfolgreich abgeschlossen. Der Kitteltäger ist zum „cand. med“ geworden.

Nachdem ich am Donnerstagabend nach 3,5 Stunden Prüfung – von der ich zwar selbst nur ungefähr 50 Minuten geprüft wurde, aber trotzdem natürlich dauerhaft angespannt war – einfach völlig platt und erschöpft war, kann ich jetzt endlich meine Freizeit genießen. Es ist einfach ein wunderbares Gefühl morgens nach dem Ausschlafen in den Tag hinein leben zu können, nicht an der Schreibtisch zu müssen, nicht sich dauerhaft über die Prüfung Gedanken machen zu müssen? Habe ich genug gelernt? Reicht das? Könnte ich noch mehr lernen? Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich heute jetzt schon mit dem Lernen aufhöre?

Dieses Gefühl kann ich mir jetzt noch die nächsten fünf Tage gönnen. Dann steht in erster Linie Geld verdienen an. Den Rest der Semesterferien werde ich noch auf meiner Rettungswache arbeiten. Und auch wenn das dann Schichtdienst und frühes Aufstehen bedeutet, nach 2,5 Monaten Physikumsvorbereitung und dem ganzen Prüfungsstress freue ich mich darauf wirklich.

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Es geht wieder los

Hinter mir liegt ein Wochenende, das bis zum Rand mit Zeit für meine Hilfsorganisation gefüllt war. Vom gemeinsamen Ausflug zur „Kameradschaftspflege“ (ja so heißt das wirklich) und danach Sanitätsdienst bei einer Ü30-Party, gestern dann noch einmal Rettung-Fahren. Sechs Einsätze in acht Stunden, der erste bereits eine halbe Stunde vor dem eigentlichen Dienstbeginn, der letzte zehn Minuten vor Feierabend – Überstunden vorprogrammiert. Es war also gut was los für einen Sonntag.

Einer der gestrigen Einsätze könnte man der Kategorie „Kurioses“ zuordnen. Mit dem Stichwort „bewusstlos“ schickte uns die Leitstelle auf die Autobahn. Die Einsatzmeldung sei über die Polizei gekommen, dort wiederum habe ein Autofahrer angerufen und einen LKW im Baustellenbereich auf der rechten Spur gemeldet, dessen Fahrer bewusstlos über dem Lenkrad hänge. Eine denkbar ungeschickte Kombination, Rettungen aus hohen Fahrzeugen sind immer schwierig und ohne die Feuerwehr meistens nicht zu schaffen. Wenn der Patient dann auch noch bewusstlos oder sogar reanimationspflichtig ist wird die Sache noch verzwickter. Und das alles dann neben dem fließenden Verkehr auf der Autobahn.

Als wir auf die Autobahn auffuhren leuchteten uns schon eine Vielzahl von Bremslichtern entgegen; der auf der rechten Spur stehende LKW hatte wohl schon einen gehörigen Stau produziert. Zehn Minuten durften wir uns also unseren Weg durch die Rettungsgasse bahnen, die zugegebenermaßen hier richtig gut funktionierte. Auf halber Strecke überholte uns eine Streifenwagen der Autobahnpolizei, fuhr vor uns her und räumte uns schon einmal unseren Fahrweg zwischen den Autos frei.

Beim Eintreffen am LKW stellte sich die Situation aber glücklicherweise völlig anders als gemeldet heraus: der LKW hatte einen technischen Defekt uns stand auf der rechten Spur, der leicht verzweifelte Fahrer daneben. Vermutlich hatte ein vorbeifahrender Autofahrer in den LKW geblickt, den Fahrer genau in einem Moment gesehen, in dem er sich über das Lenkrad gebeugt hatte und besorgt die Polizei informiert. Sowohl für den LKW-Fahrer als auch für uns das eindeutig bestmögliche Ende dieses Einsatzes.

Apropos Ende: Die Semesterferien sind inzwischen schon wieder weit fortgeschritten. Heute in zwei Wochen geht das vierte Semester los. Ab heute werde ich wieder einen Teil meines Tages am Schreibtisch verbringen und langsam versuchen mir erneut Biochemie anzueignen. Relativ schnell nach Semesterbeginn steht die zweite Biochemie-Klausur an. Im Gegensatz zur ersten Klausur, in der es viel ums Grundsätze-Verstehen ging (Was sind eigentlich Proteine? Was machen Enzyme? Was ist DNA? usw.) waren vor allem Stoffwechselwege Inhalt der Biochemie-Vorlesung im letzten Semester. Und die gilt es jetzt auswendig zu lernen. Vom Kohlenhydratstoffwechsel mit seinen verschiedenen Auf- und Abbauwegen, dem Citratzyklus und der Atmungskette bis hin zum Stoffwechsel der Fette und der Nukleotide.

Die wirklich tollen Semesterferien neigen sich langsam aber sicher dem Ende entgegen und der Uni-Alltag beginnt wieder. Jetzt kommt aber noch ein großes ABER: Bis es wieder richtig losgeht sind es ja noch zwei Wochen. 😉

(Alters-)Depression im Seminargebäude

Wochenende. Nach dem Präpkurs und dem Physio-Praktikum sind inzwischen wieder vier weitere Scheine auf meinem Notenspiegel hinzugekommen. Ein einziger fehlt mir jetzt noch für dieses Semester und den werde ich am kommenden Dienstag erhalten – naja: erhalten ist vielleicht schlecht ausgedrückt, da es die guten alten Papier-Scheine bei uns nicht mehr gibt, sondern die Scheine inzwischen nur noch digital verarbeitet werden.

Diese fünf Scheine – die außer dem Präpkurs und Physio-Praktikum im 3. Semester noch erworben werden müssen – gehören zu den so genannten Integrierten Seminaren. Auf der Grundlage der Approbationsordnung (also dem Ding, was die Voraussetzungen dafür festlegt, um Arzt zu werden) sieht unsere Studienordnung (also das Ding, was die Approbationsordnung an der jeweiligen Uni umsetzt und den genauen Ablauf des Studiums regelt) sieben solcher 10-stündigen Seminare vor. Diese Art der Lehrveranstaltung wurde durch die Neuauflage der Approbationsordnung geschaffen und soll klinische Lehrinhalte frühzeitig in die Vorklinik integrieren – daher der Name. Hauptsächlich definieren sich die Integrierten Seminare glaube ich darüber, dass sie ganz neumodische Namen haben, z.B. „IS Deine Gene, dein Schicksal“ oder „IS Mir geht die Luft aus“.

Grundsätzlich finde ich, dass diese Seminare eine sinnvolle Sache sind, bringen sie doch wieder etwas mehr Klinik in die doch ziemlich Naturwissenschaften lastige Vorklinik. Das Problem ist leider, dass die Kursorganisation und -qualität sehr stark abhängig vom Lehrverantwortlichen bzw. dem Institut, das das Seminar durchführt, ist.

Ein Seminar zum Thema Arbeits- und Leistungsphysiologie fand gleich zu Anfang des Semesters in Blockform statt. Das zweite über das ZNS als Begleitveranstaltung parallel zum entsprechenden Präpkurs-Abschnitt. Die letzten drei Integrierten Seminare – eines zum Thema Humangenetik, eines zur alternden Gesellschaft und zur Medizin des Alterns und das dritte zu Lungenfunktionsstörungen – finden in Blockform zum Abschluss des Semesters statt, also jetzt in diesen Tagen. Zwei davon sind schon abgehakt, das humangenetische Seminar fand am Dienstag und gestern statt, das Seminar mit dem Namen „Mit 66 Jahren …“ (Na worum wird’s da wohl gehen?) gestern und heute.

Letzteres war leider eher ein Negativbeispiel für die Durchführung dieser Integrierten Seminare, auch wenn das Thema zweifellos relevant für unser zukünftiges Berufsbild sein wird (wenn man nicht gerade Pädiater werden will). Die Idee dahinter: In Gruppen zu je 20 Studenten verbringt man den ganzen Tag von 8 bis 17 Uhr in einem Seminarraum und jeweils nach einer Stunde wechseln die Dozenten, die aus den unterschiedlichsten klinischen Abteilungen kommen, den Raum und der nächste Dozent kommt … was vor allem im Laufe des späten Nachmittags sowohl für Studenten als auch für die Dozenten zur Zumutung werden kann. Wir Studenten bekommen im Stundentakt acht verschiedene Themen (z.B. Genetik des Alterns, Sexualität im Alter oder körperliche Fitness im Alter) „aufgetischt“ und die Dozenten müssen ein- und denselben einstündigen Vortrag ohne Pause vier Mal hintereinander vor anderen Gruppen halten, wobei Motivation und Konzentration von Studenten und Dozenten natürlich von Thema zu Thema immer weiter abnimmt.

Es hätte nicht besser passen können: Das letzte Thema, um das es dann heute nach sieben Stunden Powerpoint lastigem Frontalunterricht ging, war ausgerechnet die Altersdepression. Ein Hauch von Depression war da dann auch definitiv bei uns und unserer Dozentin festzustellen. Um dem ganzen noch ein multimediales Sahnehäubchen aufzusetzen ging dann auch noch der Beamer in unserem Seminarraum in der allseits leicht depressiven Grundstimmung in die Knie, sodass uns unsere Dozentin dann gestand, dass sie darauf jetzt eigentlich auch keine Lust mehr habe und deshalb versuchen werde, das ganze in einer halben Stunde ohne Beamer durchzuziehen. Dieser Versuch endete erfolgreich, sodass ich mich heute Abend mit nur noch zehn verbleibenden Stunden Präsenzzeit an der Uni in diesem Semester in ein tiefenentspanntes Wochenende verabschieden kann.

Endspurt. Am kommenden Dienstag um 19:00 Uhr wird dann das 3. Semester rum sein. Alle Prüfungen sind bestanden und – ehrlich gesagt – darauf bin ich schon auch ein ganz kleines bisschen stolz … und vor allem erleichtert.

Geschafft

Das zweite Semester ist vorbei. Heute früh um 10 Uhr stand die letzte Klausur an: Psycho/Sozio. Im Übrigen für die Verhältnisse meiner Uni eine sehr humane Prüfungszeit für uns Mediziner. Normalerweise schreiben wir unsere Klausuren morgens um 7:00 Uhr oder abends ab 18:00 Uhr. Von daher: heute Morgen also gut ausgeschlafen, aufgestanden, gefrühstückt (nicht gerade viel), fertig gemacht und dann ab an die Uni … 30 Kreuzchen gemacht und fertig. Dann dem Studiendekanat noch einem Besuch abgestattet, um dort das Praktikumsheft mit den Laufzetteln für die „Einführung in die klinische Medizin“ abzugeben und dann … grooooooooooooße Erleichterung. Und wenn ich dann in ca. zwei Tagen auch noch erfahre, dass ich auch die Psycho-Klausur bestanden habe, dann kann ich mit diesem Semester wirklich abschließen.

Was ich über dieses Semester aber noch loswerden möchte: Manchmal habe ich mich schon ein bisschen zurück ins erste Semester gewünscht (Physik, Anatomie A usw. hach, war das entspannt). Das zweite Semester ist schon deutlich stressiger als das erste, stressiger als erwartet. Das liegt vor allem an Histo. Ich werde auch weiterhin nicht verstehen, warum ein Fach, dass im Vergleich zu anderen im Physikum so einen geringen Umfang hat, von unserem Prof. so aufgeblasen wird. Histo gilt an meiner Uni als das große Sieb der Vorklinik; ist dieses Fach geschafft liegen die Chancen, dass man es zum Physikum schafft ziemlich gut. Auf dem Flurfunk witzeln die höheren Semester, dass die eigentliche Institution, die über die Zulassung zum Physikum entscheidet, nicht das Landesprüfungsamt ist, sondern der Histo-Prof. Aber es ist ja nunmal alles gut gegangen, sodass im Oktober ohne Histo-Wiederholungsklausur das 3. Semester mit dem Präp-Kurs folgt.

Bis es soweit ist stehen aber jetzt in den nächsten 2,5 Monaten viele Dinge an, die mit der Uni nichts zu tun haben. Da ich schon in den letzten Semesterferien mein Krankenpflegepraktikum abschließen konnte, bleiben mir die kommenden Wochen um mich anderen Sachen zu widmen. Bis Donnerstag ist jetzt erst einmal Entspannung angesagt. Ab Freitag arbeite ich dann wieder einen Monat auf der Rettungswache (da wird es mit Sicherheit auch wieder einiges zu berichten geben), worauf dann endlich das Highlight der ganzen Semesterferien folgt: zwei Wochen Urlaub mit Thea in London, Berlin und Hamburg. Was ich mit dem dann immer noch bleibenden Monat bis zum Semesterbeginn anfange weiß ich jetzt noch nicht.

Ich werde mich aber jedenfalls wieder melden.

Es grüßt euch,

euer tiefenentspannter Kittelträger