Krankenpflegepraktikum

Nachdem gestern mein Krankenpflegepraktikum zuende ging, komme ich heute endlich mal wieder dazu, hier einen Artikel zu posten. Und zwar über meine Erlebnisse und Gedanken der letzten 36 Tage.

Zuerst einmal möchte ich denjenigen, die sich vielleicht noch nicht so intensiv mit dem Ablauf des Medizinstudiums befasst haben, kurz erklären worum es bei diesem Krankenpflegepraktikum geht. Offiziell heißt dieses Ding „Krankenpflegedienst im Rahmen der ärztlichen Ausbildung“. Dabei handelt es sich um ein 90-tägiges Praktikum, dass jeder Medizinstudent spätestens bis zum 1. Abschnitt der ärztlichen Prüfung, also dem „Physikum“ abgeleistet haben muss. Im Gegensatz zu den Klinikpraktika, die später im Laufe des Studiums – im klinischen Studienabschnitt – belegt werden müssen, muss dieses Praktikum auf der nicht-kitteltragenden Seite des Stationspersonals stattfinden: eben in der Pflege. Ziel ist es, dass wir Studenten den Ablauf und die Organisation im Krankenhausalltag und die Aufgaben der Pflege kennen lernen.

Da mir vom Landesprüfungsamt für Medizin und Pharmazie (eine für den Ablauf des Studiums unerlässliche Behörde, über die mit Sicherheit auch noch der ein oder andere Blog-Artikel folgen wird 😉 ) für meine Ausbildung zum Rettungssanitäter und für mein FSJ im Rettungsdienst bereits ein großer Teil der Tage angerechnet wurde, blieben noch 36 Praktikumstage übrig, die ich auf der Stroke Unit einer örtlichen Klinik ableistete.

Ich begann mein Praktikum also an einem Montagmorgen, nach einem Einführungsgespräch in der Pflegedirektion. Die ersten Tage waren – wie in jedem Praktikum – nicht einfach; zwar kannte ich das Haus selbst von meinen Praktika im Sommer 2011 und 2012, allerdings arbeitete ich da in der Intensivstation und im OP. Die Stroke Unit, auf der ich nun die kommenden fünf Wochen verbringen sollte, kannte ich bisher nur von diversen Notfalleinsätzen und Krankentransporten.

Es vergingen zwei, drei Tage bis ich mir den Schichtablauf einverleibt hatte, wusste in welchem Lager was zu finden war, wurde sicherer im Umgang mit den Patienten und bekam positive Rückmeldungen von den Kolleginnen und Kollegen: anscheinend hatte ich mich gut eingelebt und arbeitete zu ihrer Zufriedenheit.

Ich pflegte Patienten, wusch sie, lagerte sie, mobilisierte sie, begleitete sie auf die Toilette und wieder zurück, ging auf Klingeln, rannte zu Notfällen, brachte Patienten ins MRT, Blut ins Labor usw. Ich sah Patienten kommen und begleitete sie nach teilweise langen und aufwendigen stationären Aufenthalten zum Taxi. Ich sah Menschen wieder gesund werden und andere sterben – teilweise langsam und nach langem Kampf, teilweise schnell und unerwartet. Solche Patienten, denen geholfen werden konnte und solche, bei denen die Hilfe eben zu spät kam.

Bald bemerkte ich aber, dass die Stimmung auf Station derzeit angespannt war. Bald erfuhr ich auch warum. Nebenbei: die Stroke Unit, auf der ich arbeitete, ist nicht nur die Schlaganfall-Station, sondern auch neurologische Notaufnahme mit drei Behandlungskabinen mit Einzugsgebiet weit über die Stadtgrenzen hinaus, außerdem neurologische Überwachungseinheit für alle überwachungspflichtigen neurologischen Krankheitsbilder – von Schlaganfällen, über epileptische Anfälle, intrazerebralen und Subarachniodalblutungen, bis hin zu selteneren Erkrankungen wie das Guillain-Barré-Syndrom.  Alles in allem hat die Station eine Kapazität von 27 Betten (in aller Regel zu 100 % belegt), und dabei eine mehr als angespannte Personalsituation.

Das eine solche Arbeitsbelastung auf Kosten des Arbeitsklimas geht musste ich nicht zuletzt auch selbst erfahren. Ich habe mich während des Praktikums teilweise richtig zerrissen, war nicht selten keiner Kollegin fest zugeordnet, sondern musste durch alle Stationsbereiche springen, je nachdem wo ich gerade gebraucht wurde. Die Mittagspause ist da durchaus öfters auch mal ausgefallen. Als ich dann einmal zu einer Kollegin, die von mir wollte, dass ich ihren Müll (Verpackungen von Infusionen, Infusionssystemen etc.) wegräume, sagte, ich könne mich nicht halbieren und würde gern noch die Aufgaben fertig machen, die ich gerade erledige, war die Folge, dass sie den Tag über mit mir kaum mehr ein Wort redete und auf Fragen wie „Kann ich dir noch irgendetwas helfen?“ mit einem kurzen „Nein!“ antwortete, ohne mich dabei anzuschauen. Ja, es gab definitiv auch Tage, an denen ich einen Blick auf den Dienstplan warf , meine restlichen Arbeitstage durchzählte und mir innerlich sagte: „In XY Tagen hast du es hinter dir!“

Glücklicherweise blieben solche Erfahrungen allerdings eher die Ausnahme. Alles in allem hatte ich das Gefühl, doch mit freundlichen Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten, von denen ich viel gelernt habe, die mit meiner Arbeit sehr zufrieden waren und die meine Unterstützung in der momentan äußerst angespannten Situation auf Station auch geschätzt haben.