Die Londoner und ihre „Tube“

Nachdem Thea und ich letzten Freitag das Chaos am London Heathrow Airport überstanden haben, sind wir jetzt inzwischen in Berlin (und morgen geht’s weiter nach Hamburg).

Als Rückblick daher dieser Artikel über eine alltägliche Kleinigkeit, an die sich der deutsche Tourist, wenn er nach London kommt, aber erst einmal gewöhnen muss. Die London Underground, von den Einheimischen umgangssprachlich „Tube“, also Röhre, genannt, ist für einen Bewohner einer süddeutschen Großstadt, der zu Besuch in der 10-Millionen-Metropole sind, schon erst einmal eine Umstellung.

Die Londoner U-Bahn ist zum einen die älteste U-Bahn der Welt, zum anderen besitzt sie aber auch das größte Streckennetz Europas. Umstellung Nummer 1 für die auf Zahlen fixierten, deutschen Öffi-Fahrgäste: Wer in London so etwas wie die Linie U1 oder etwas in der Art sucht, wird lange suchen. In London sind die Linien der U-Bahn nämlich nicht durchnummeriert, sondern haben Namen. So sind die 11 Linien entweder nach ihrem Streckenverlauf (z.B. Central Line oder Circle Line) oder nach wichtigen Stationen entlang der  Strecke (z.B. Piccadilly Line oder Victoria Line) benannt. Natürlich darf auch eine Bezeichnung nicht fehlen, nach der in London gefühlt alles benannt ist. Wird eine öffentliche Einrichtung zu einem Thronjubiläum der Queen eröffnet, wird sie folgerichtig und immer mit „Jubilee“ benannt. Da Queen Elizabeth II nun schon seit 62 Jahren fest auf dem britischen Thron sitzt, gibt es auch entsprechend viele Einrichtungen, die „Jubilee“ heißen, z.B. der Jubilee Walkway, der Jubilee Park, der Jubilee Greenwalk und natürlich auch die Jubilee Line).

Umstellung Nummer 2: In den Zügen wird seeeeeeeeeeeehr viel mit den Fahrgästen kommuniziert, ob sie es wollen oder nicht. Zum Vergleich: das Wörterbuch Deutsch – Berliner U-Bahn / Berliner U-Bahn – Deutsch (das es leider noch nicht gibt, da es wohl etwas kurz ausfallen würde) enthält neben der Ansage der nächsten Station nur zwei Begriffe:

  • einstgnbdde = einsteigen, bitte!
  • srückbleibnbdde = zurückbleiben, bitte!

Wer sich auf diese zwei Aufforderungen konzentriert hat, wird in der Londoner Tube reichlich überfordert sein. Beim Einsteigen in den Zug weist einen die freundliche, weibliche Stimme auf reinstem British English darauf hin, an welcher Station man sich gerade befindet und in welchen Zug man einsteigt: „This is South Ealing. This is a Piccadily Line service to Cockfosters“. Es folgt die – im Gegensatz zur schon oben genannten Berliner U-Bahn – gut verständliche Aufforderung des Zugführers: „Mind the doors, please“. Kaum sind die Türen geschlossen und der Zug abgefahren, ist die nette, automatische Stimme aus dem Off wieder dran und weist darauf hin, welche Station als nächste folgt: „The next station is Acton Town.“ Aber damit nicht genug. Es wird auch darauf hingewiesen, zu welchen Linien man umsteigen kann, was Dank der Liniennamen eine länglichere Angelegenheit sein kann, und zu welchen Sehenswürdigkeiten man gelangt, wenn man an dieser Station aussteigt. So richtig kommunikativ werden die Lautsprecher dann, wenn erklärt wird, dass, warum und wie lang die nächste Station geschlossen ist und welche Linie und Station man dann stattdessen am besten wählt. Gerade im Innenstadtbereich, wo oft eine Station auf die nächste folgt, werden die Fahrgäste nicht selten durchgehend aus den Lautsprechern beschallt.

Umstellung Nummer 3: Die Stationen der „Tube“ sind riesig und in der Regel unglaublich tief unter der Erdoberfläche. Um zu den Zügen zu gelangen muss man mit den Rolltreppen erst einmal zwischen 20 und 50 Meter in die Tiefe fahren. Ist man dann in dieser windigen Unterwelt angekommen, folgt ein scheinbar unendliches System an Gängen und Verzweigungen, eine zweite Stadt unter der Stadt. Apropos Rolltreppen: Nirgendwo habe ich bisher eine derartige Disziplin auf der Rolltreppe gesehen wie jetzt in London. Gestanden wird rechts, gelaufen wird links – ohne Ausnahme. Und wehe dem, der dieses System nicht beachtet, sich erdreistet und auf der linken Seite steht und damit die Rolltreppe für die hastig vorbeilaufenden Geschäftsleute blockiert. Lieber gehen die Londoner ihrem liebsten Hobby, dem „Queueing“, nach und bilden eine meterlange Schlange vor der rechten Seite der Rolltreppe, als dass sie in zweiter Reihe nebeneinander auf der Rolltreppe stehen bleiben. Eines muss man den Londonern aber lassen: Dieses System funktioniert. Wer schnell zu seinem Zug muss, der kommt auch wirklich ohne Probleme durch, ohne sich erst eine schmale Schneise durch die Menschenwand vor sich bahnen zu müssen.

Und die letzte – für uns Pünktlichkeits-vernarrte Deutsche – wahrscheinlich größte Umstellung: Es gibt keinen wirklichen Fahrplan! An jeder Station findet sich ein Plakat, auf dem steht, wann der erste und der letzte Zug des Tages fährt und der Hinweis, in welchen Intervallen die Strecke bedient wird – in der Regel alle 10 Minuten. Auch das ist aber nur ein grober Anhaltspunkt, mal kommt nach vier Minuten der nächste Zug, mal nach sieben und mal nach 13. Am frühen Morgen und späten Abend, so kann man an den Stationen lesen, KÖNNTEN die Züge außerdem seltener verkehren, müssen sie aber nicht. Auch wird man an geschlossenen Stationen nie lesen, bis wann die Sperrung noch andauern wird. Eine Angabe wie „Until mid december“ reicht dem Londoner vollkommen aus.

Bei allen Eigenheiten, die die „Tube“ so mit sich bringt, ist sie trotzdem genau das richtige Fortbewegungsmittel um diese beeindruckende Stadt zu erkunden. Diese Woche London war voller toller Erlebnisse und Eindrücke und ich kann jedem nur empfehlen die größte Stadt Europas auch einmal zu besuchen.

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Geschafft

Das zweite Semester ist vorbei. Heute früh um 10 Uhr stand die letzte Klausur an: Psycho/Sozio. Im Übrigen für die Verhältnisse meiner Uni eine sehr humane Prüfungszeit für uns Mediziner. Normalerweise schreiben wir unsere Klausuren morgens um 7:00 Uhr oder abends ab 18:00 Uhr. Von daher: heute Morgen also gut ausgeschlafen, aufgestanden, gefrühstückt (nicht gerade viel), fertig gemacht und dann ab an die Uni … 30 Kreuzchen gemacht und fertig. Dann dem Studiendekanat noch einem Besuch abgestattet, um dort das Praktikumsheft mit den Laufzetteln für die „Einführung in die klinische Medizin“ abzugeben und dann … grooooooooooooße Erleichterung. Und wenn ich dann in ca. zwei Tagen auch noch erfahre, dass ich auch die Psycho-Klausur bestanden habe, dann kann ich mit diesem Semester wirklich abschließen.

Was ich über dieses Semester aber noch loswerden möchte: Manchmal habe ich mich schon ein bisschen zurück ins erste Semester gewünscht (Physik, Anatomie A usw. hach, war das entspannt). Das zweite Semester ist schon deutlich stressiger als das erste, stressiger als erwartet. Das liegt vor allem an Histo. Ich werde auch weiterhin nicht verstehen, warum ein Fach, dass im Vergleich zu anderen im Physikum so einen geringen Umfang hat, von unserem Prof. so aufgeblasen wird. Histo gilt an meiner Uni als das große Sieb der Vorklinik; ist dieses Fach geschafft liegen die Chancen, dass man es zum Physikum schafft ziemlich gut. Auf dem Flurfunk witzeln die höheren Semester, dass die eigentliche Institution, die über die Zulassung zum Physikum entscheidet, nicht das Landesprüfungsamt ist, sondern der Histo-Prof. Aber es ist ja nunmal alles gut gegangen, sodass im Oktober ohne Histo-Wiederholungsklausur das 3. Semester mit dem Präp-Kurs folgt.

Bis es soweit ist stehen aber jetzt in den nächsten 2,5 Monaten viele Dinge an, die mit der Uni nichts zu tun haben. Da ich schon in den letzten Semesterferien mein Krankenpflegepraktikum abschließen konnte, bleiben mir die kommenden Wochen um mich anderen Sachen zu widmen. Bis Donnerstag ist jetzt erst einmal Entspannung angesagt. Ab Freitag arbeite ich dann wieder einen Monat auf der Rettungswache (da wird es mit Sicherheit auch wieder einiges zu berichten geben), worauf dann endlich das Highlight der ganzen Semesterferien folgt: zwei Wochen Urlaub mit Thea in London, Berlin und Hamburg. Was ich mit dem dann immer noch bleibenden Monat bis zum Semesterbeginn anfange weiß ich jetzt noch nicht.

Ich werde mich aber jedenfalls wieder melden.

Es grüßt euch,

euer tiefenentspannter Kittelträger